We Must Obey

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Autor: Sandi Sadar Šoba

Künstler: Fu Manchu
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2007

 „The title We Must Obey is a big ‚Fuck you‘ to people who like to tell us what we can and can’t do. It’s not specifically directed at any one person, just at the thought of someone thinking that they know what’s best for you, more than you knowing what’s best for you. That theme sort of runs through the entire record,“ (Scott Hill, kitara in vokal)

Fu Manchu sind so etwas wie eigenwillige Experimentierer, deren Hauptziel es ist, sich nicht mit stilistischen Grenzen und engen Genre-Schubladen herumzuschlagen. Auf der Liste der Musikmillionäre werden sie auch nie landen… Man muss ihnen aber zugestehen, dass sie es auf ihre ganz eigene, triviale Art in all den Jahren ihres Schaffens geschafft haben, Einflüsse zahlreicher Spielarten der Rockmusik zu vereinen und das Ganze zu einer völlig eigenen Mischung aus den Siebzigern zu würzen, aus denen sie ideell stammen – in den Klanggulasch haben sie dann noch eine Prise Punk, Stoner Rock und noch ein paar andere Zutaten geworfen. Die Fuzz-Rock-Truppe aus Orange County hat den Februar mit der Veröffentlichung ihres bereits zehnten Albums gewürzt, das den Titel We Must Obey trägt. Klanglich, produktionstechnisch und ideell haben sie die Platte selbst gestemmt, aufgenommen wurde in den berühmten Grandmaster Records Studios in Hollywood – was man dort zusammenzimmern kann, können dir auch Bands wie Tool, Nine Inch Nails und Black Crowes erzählen. Den Feinschliff besorgte Gene Grimaldi im Oasis Mastering (unter anderem haben Velvet Revolver, Pennywise und Konsorten seine Pedanterie am eigenen Leib erfahren. Die Neunziger waren ihnen sehr gewogen, denn mit der Platte In Search Of… und dem späteren The Action Is Go setzten sie völlig neue Maßstäbe für Rockmusik. Vielleicht nicht ganz so erfolgreich wie ihre Landsleute, über die ich etwas später noch sprechen werde. Der Jahrtausendwechsel forderte dann aber seinen Tribut. Unter anderem änderte sich der Massengeschmack drastisch. Längere Pausen zwischen den Veröffentlichungen waren im Lager von Fu Manchu deshalb schon etwas, woran wir uns gewöhnt hatten. Mancher würde meinen, ihnen sei die Puste ausgegangen und sie seien im Streben nach Erfolg und größerem kommerziellem Durchbruch ausgebrannt. Dem wird, zumindest meiner Meinung nach, kaum ein Hörer des neuen Albums We Must Obey zustimmen.

Der Sound der Platte ist wütend und ohne jede Zurückhaltung. Ruhige Passagen gibt es wenige, aber sie tauchen trotzdem auf (eigentlich ganz selten!). Verständlich, denn sie sind unter anderem auch mit Hardcore und dem Punk der Achtziger aufgewachsen. Schon beim ersten Hören wird klar, dass die Kombination aus Gitarren und Drums eher nach den Neunzigern klingt, mit Anklängen an die legendären Kyuss, Queens Of The Stone Age und Monster Magnet, und eher an eine durchgeknallte Version von Brant Björk auf einem ziemlich heftigen Trip erinnert, den er mit einer ganzen Flasche Tabasco übergossen hat. Man könnte sie milde als Retro bezeichnen, aber sie bleiben auf ungezwungene Art wiedererkennbar und vermitteln nicht das Gefühl, bereits Gehörtes nachzuspielen. Sie haben es geschafft, das auf den Platten aus der Mitte der Neunziger schon Erreichte zu übertreffen. Der Opener ‚We Must Obey‘ geht mit voller Wucht los, mit einer erstklassigen Dosis Verzerrung und Riffs. Sänger Scott Hill überzeugt mit kehligem Gebrüll fast davon, dass er es ernst meint und es keine Alternative gibt – gehorchen werden wir müssen! ‚Knew It All Along‚ zieht mit verschwommener Verzerrung ein simples, aber effektives Gitarrenriff durch, das mit bedachtem Verharren im Einsaiten-Minimalismus voll ins Schwarze trifft. Eine knirschende, aber ausgewogene Mischung aus Wildem und Schönem lässt ahnen, dass sie sich in konzertfreundliche Farben gehüllt haben, die selbst den gleichgültigsten Hörer bzw. Besucher packen, der aus Versehen oder mit einer Pferdedosis Skepsis auf einem ihrer Konzerte landet. ‚Let Me Out‘ legt die Zügel von Drauflosrasen und gezieltem Tempobremsen komplett in die Hände ihres Drummers Scott Reeder. Das Klangbild ist am Ende ziemlich nah an einer weniger kehligen Version von Sick Of It All, die zu weicheren Gitarrengriffen und -sounds greifen. Infantilität und Wiederholung stören nicht, denn der Sinn von Fu Manchu liegt eben im Minimalismus. ‚Hang Out To Dry‘ ist ein kyussmäßig klingender Song, der das erste Drittel der Platte auf fast debile Weise in einen Zustand perfekten Schwebens versetzt. Fu Manchu sind Equilibristen, und unsere Ohren sind das Objekt, mit dem sie bis zu einer knapp über dreiminütigen Ekstase jonglieren. ‚Shake It Loose‘ erinnert mit dem Bass-Intro an die frühen Queens Of The Stone Age. Der Vergleich ist instant, direkt und kommt ohne zickige Verzierungen aus, die das Tempo und die Schönheit des Nach-vorne-Drängens verderben würden. Wie rückwärts aufgenommene Stockschläge auf der Snare klingen, zeigt ‚Land Of Giants‘ , und der Tempowechsel bremst das vorherige Rasen auf Spaziergangsgeschwindigkeit herunter. Ohne Philosophiererei. Du schaltest nur den Kopf einen Gang runter, zählst Wolken aus Zigaretten- oder sonstigem Rauch und füllst deine Ohrzwischenräume mit schönem Vakuum aus unbeschwertem Hedonismus. ‚Between The Lines‘ wiederholt die Forderungen, die schon im Albumauftakt aufgereiht wurden. Das Diktat ist direkt und kurz – alles, was du für abgeschlossen hältst, musst du neu durchlüften und zwischen den Zeilen neu durchdenken. Ihre Musik ist nichts für die, die Tiefe und ständiges Philosophieren suchen. What You Hear Is What You Get! ‚Lesson‘ rundet das Ganze langsam mit einem weiteren Stoner-Punk-Hybriden ab, in dem du kaum mehr als vier Akkorde zählst. Gut… Ich übertreibe. Du zählst fünf Akkorde und ein vereinfachtes, aber druckvolles Slide-Solo, über das Sololinien rasen, wie sie ein Gitarrist spielen würde, dem nur das Feeling wichtig ist und nicht die Technik. Und schon sind wir bei der Coverversion eines Songs der Band Cars: ‚Moving In Stereo‘, die die Batterien mit guter Stimmung auflädt. Scott singt, obwohl er keinen allzu großen Stimmumfang hat, ein paar Zeilen richtig schön. Dann folgt eine Gitarrensalve und Meditation zu einem sich wiederholenden Rhythmus, von dem du abhängig werden kannst. Genau deshalb ist Stoner eine herrliche musikalische Substanz zum Runterkommen. ‚Didn’t Really Try‘ ist nach meinen Maßstäben eine Spur zu sehr punkige Hüpfnummer, die dem sonst wunderbaren Album das einzige Eigentor verpasst. ‚Sensei Vs. Sensei‘ schließt das Album fast surfig bekifft ab, in einem Block, in dem mehr oder weniger alles an seinem Platz steht. Der halbstündige Stoner-Marathon geht hier zu Ende und rundet sich.

Die qualitative Bewertung der Platte ist einfach: ein minimalistisches und effektives Gebräu, wie man es vor etwa zehn Jahren erwartet hätte. Ich bin altmodisch und liebe den Sound der Neunziger, deshalb wird die Platte bestimmt noch auf der Playlist einer meiner marathonartigen Sentimentalitätsausflüge in vergangene oder halbvergangene Zeiten landen. Kein Überflieger. Eigentlich erwartet das von ihnen auch niemand. Wahrscheinlich nicht mal sie selbst. Wichtig sind nur Genuss und Zufriedenheit. All das und obendrein eine ordentliche Portion Klangunterlage für abendliches Saufen und Dekadenz serviert dir Fu Mancu im Paket namens We Must Obey.

Besetzung

Scott Hill – Gesang/Rhythmusgitarre
Bob Balch – Leadgitarre
Scott Reeder – Schlagzeug
Brad Davis – Bass

Produktion

Gene Grimaldi & Fu Manchu

Tracklist

01. We Must Obey
02. Knew It All Along
03. Let Me Out
04. Hung Out to Dry
05. Shake It Loose
06. Land of Giants
07. Between the Lines
08. Lesson
09. Moving In Stereo
10. Didn’t Really Try
11. Sensei Vs. Sensei

SPIELDAUER:

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