Duran Duran – die immergrünen Könige der Neuen Romantik haben Prag auf den Schwingen großer Radiohits in die Achtziger zurückversetzt (2026)

foto: EDITA KLEMEN 2026
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Duran Duran (Vorband: Vesna)
Mittwoch, 24. 6. 2026, von 20.00 Uhr bis 22.50 Uhr
Prag // O2 Arena // Tschechische Republik


Und da ist es! Wieder eine ‚touristische‘ Konzertrezension (d. h. eine Rezension eines Konzerts ‚auf gekaufte Tickets‘, also eine echte Fan-Rezension, ‚Old-School‘-mäßig).

Die alljährlichen Besuche im Land des Bieres, also der Tschechischen Republik, können nicht langweilig sein. Ganz im Gegenteil. Prag? Du kannst es erkunden und erkunden und kommst doch nie auf den Grund. Die Urlaubsabende in Tschechien lohnt es sich definitiv auch mit interessanten Konzertbesuchen zu verzaubern – und dazu gehört ein Ausflug zum Konzert der New-Wave- und New-Romantic-Ikonen der Achtziger Duran Duran ganz sicher dazu, die im Rahmen ihrer aktuellen Sommer-Europatournee auch ein Konzert in Prag bestätigt haben.

Um acht Uhr abends betraten zunächst die tschechischen Mädels namens Vesna die Bühne. Die fünf Frauen kennt das Publikum gut. Die anderen, die (wie wir) wegen Duran Duran gekommen waren, mussten noch eine ganze Stunde leiden, bis die Ikonen auftauchten. Die Musik basiert überwiegend auf elektronischen Hilfsmitteln, Samples, Synthesizern, zwischendurch gibt es etwas Platz für Bass-Gitarre, und auch das Schlagzeug hat die Felle gelegentlich kurz ‚beleckt‘. Die Blicke richteten sich überwiegend auf die agile Sängerin, die den Kontakt zum Publikum hielt, und dieses signalisierte mehrmals, dass ihm die Musik, die aus der Volksmusiktradition schöpft (russisch klingende Motive und Rhythmik), keineswegs fremd ist. Die Texte vollständig auf Tschechisch. Dennoch waren im Publikum einige finstere Blicke zu erkennen, die keinen Hehl daraus machten, dass ihre Seelen schwer litten. Na ja, die Mädels waren völlig in Ordnung, der Sound völlig okay. Sie nutzten die gebotene Gelegenheit, die ihnen in Zukunft noch mehr Credibility einbringt.

Um neun Uhr zehn dann war’s soweit! Intro mit dem aufgenommenen Motiv der neuen Single Free To Love in symphonischer Aufmachung und dann – bum! Was? Das Konzertalbum „Arena“? Is There Something I Should Know?, das Duran Duran ab 2023 allmählich wieder ins Repertoire aufgenommen haben und das der Autor dieser Zeilen live noch nie gehört hatte. Ahhh! Eine riesige Bühne, riesige Kulissen. Je größer die Bühne, desto besser kommen Duran Duran zur Geltung. Je größer die Bühne, desto besser beherrschen sie sie. Insgesamt acht Musiker. Unglaublich. Le Bon, mit knapp 68 Jahren, die er Ende Oktober dieses Jahr vollenden wird, singt in seinen reifen Jahren besser als je zuvor. Er war fantastisch! Auch in jenen vier Wiederholungen des stets unbequemen Refrains in A View To A Kill war er mit Kraft und vokaler Autorität stets an der richtigen Stelle. Nicht eine einzige Schwäche war in Le Bons Performance zu erkennen. Wenn man dazu noch seine Bühnenpräsenz, die bekannten Bewegungen, die Gesten, die Blicke, mit denen er die Fans fixiert, die allgemeine Kommunikation mit dem Publikum rechnet, und dazu die Tatsache, dass er den Bauch, der noch vor zwei Jahren in Pula sichtbar zu sehen war, vollständig losgeworden ist – es ist schlicht unglaublich, in welch guter Form sich der legendäre Sänger heute befindet. Vokal und körperlich. Auch jener berühmte Übergang zu Hungry Like A Wolf, wenn Roger Taylor das ‚gewaltige‘ Rolling ausführt (am Ende der Mid-Eight-Passage) – beim Einstieg in die letzte Refrainwiederholung – war perfekt abgestimmt (in Pula hatte Le Bon an dieser Stelle leicht verpasst). Kurzum. Der eröffnende Reigen auf den Schwingen von Is There Something I Should Know?, wobei die Band den Refrain sofort dem Saal überließ (der Abschluss des Stücks clever einstudiert – reifer aufgewertet gegenüber dem, was auf dem studiobearbeiteten „Arena“-Album zu finden ist), dann weiter in den ersten Höhepunkt The Wild Boys, der die Masse stets völlig in Trance versetzt (irrsinniges Mitsingen der ganzen Halle), bis hin zum Wiedererleben der goldenen Zeiten von Roger Moore und James Bond mit A View To A Kill, dann in den ersten echten Debattierkreis, als Le Bon das Publikum fragte, ob es wisse, wie Wölfe klingen (alle satt, nur hungrig nach Heulen und Jaulen) und die Band in Hungry Like a Wolf losraste! Der eröffnende ‚Boost‘ war für sich allein schon der erste atmosphärische Höhepunkt der Konzertshow.

Dann folgt ein Teil, der die anfängliche Wildheit beruhigt. Zuerst die Single INVISIBLE – einer der besseren Tracks des letzten Studioalbums „Future Past“, dann ein Schwenk zum „Dance Maccabre“-Experiment und Duran Durans Obsession mit Coverversionen, wenn die Band die Electric Light Orchestra-Klassikerin Evil Woman in Angriff nimmt (Le Bon behält das perfekte Spiel und die Kommunikation bei) und weiter in die Rio-Klassikerin Lonely In Your Nightmare, von der man sich wünschen würde, dass die Band sie in voller Länge spielt (in der Version des Albums „Rio“) anstatt sie in Super Freak zu ‚brechen‘.

Dann kommen die Sachen, die bei Duran Duran-Konzerten einfach sein müssen (The Reflex, Ordinary World, Come Undone)! The Reflex hat in meinen Ohren live noch nie so gut geklungen – allerdings habe ich Duran Duran bislang nur auf Open-Air-Bühnen erlebt. Der Sound war erstklassig. Wir standen auf der linken Seite, von der Bühne aus gesehen. Nick Rhodes befand sich von uns aus diagonal rechts (hinten links war Roger Taylor positioniert – dazwischen befinden sich die Treppen zum oberen Podest). Rhodes war also von uns am weitesten entfernt, aber sein Keyboard war ausgezeichnet hörbar und in perfektem Gleichgewicht mit dem Rest des Klangbilds (vor allem mit Dom Browns Gitarre). Dabei ist es aber so: Ohne den Funky-Drive der Hauptkraft von Duran Duran, des unglaublichen John Taylor, der vier Tage vor dem Auftritt der Band in Prag 66 Jahre alt geworden ist (genau 14 Tage jünger als Steve Vai, der mit BEAT sechs Tage zuvor in Prag aufgetreten ist – am 18. 6. 2026), und des unglaublich präzisen und ‚erdigsten Durans‘ Roger Taylor, würde das alles live nur halb so mitreißen! Wenn man dazu noch die beiden Backgroundsängerinnen rechnet, die Spitzenarbeit leisteten und mehrmals auch tragende Rollen übernahmen (besonders Ana Ross in Come Undone, sowie beide Sängerinnen in Notorious, Evil Woman, White Lines, wobei Le Bon sich ganz entspannt vokal ‚zwischen beide legen‘ konnte, bereits im Pre-Chorus des eröffnenden Is There Something I Should Know?) und natürlich Saxofonist Simon Willescroft, der seit Jahren für das gesamtheitliche Arrangement-Upgrade der meisten Duran Duran-Klassiker in ihrer Live-Version sorgt – dann wird das Ganze zum Superlativ eines überragenden Konzerterlebnisses.

John Taylor griff erstmals beim Cover von White Lines zum Plektrum und behielt es auch für die neueste Single bei – den nostalgischen Retro-Pop-Achtziger-Funky-Disco-Pop-Track Free To Love, bei dessen Arrangements wieder Nile Rodgers die Finger im Spiel hatte. Der Track funktioniert auf Duran Duran-Konzerten neben den anderen Klassikern perfekt. Irgendwo in der Mitte der Klassikerin Planet Earth hat er das Plektrum dann doch irgendwie losgelassen. Seine Sanftheit beim Spielen des Basses, mit einer Dosis Slap-Einlagen und geschickt geführten musikalischen Linien, ist ein Genuss zu beobachten. Nur wenige Bassisten kommen ihm nahe. Nach Planet Earth, als es langsam nach Finale aussah, stellte Le Bon die einzelnen Bandmitglieder sehr ausführlich vor, wobei er nicht vergaß, Nick Rhodes den ’shoulder pads‘-Anhang hinzuzufügen, und das Publikum aufstachelte, im Chor „Play the fuckin‘ bass, John!“ zu rufen, als er den legendären Bassisten vorstellte.

Das Feiern mit der wachrüttelnden „Astronaut“-Single (Reach Up For The) Sunrise geht weiter mit der Klassikerin Girls On Film, die die Band stets in das Talking Heads-Cover Psycho Killer übergehen lässt, wobei Le Bon erneut sein cleveres vokales Chamäleon-Dasein inszenierte und sich perfekt an die anspruchsvolle Imitation des Vokalisten David Byrne annäherte. Das Encore servierte die beiden erwarteten und bisher fehlenden Hits des Albums „Rio“. Zunächst tritt Le Bon mit einer Akustikgitarre in den Mittelpunkt – es war die fantastische Ballade Save A Prayer, bei der es der Band stets gelingt, eine mystische Stimmung auf die Bühne zu zaubern, und danach der große Abschluss mit dem ultimativen finalen Funky-Detonator – dem unvergesslichen Rio, das stets Gänsehaut auslöst!

Vollgepackt mit hochenergetischer Spannung. Von der ersten bis zur letzten Sekunde. Perfekter Sound, perfektes Zusammenspiel und dabei auch die organische Wärme, mit der die beiden Taylors den Großteil des Konzerts versorgten! Ein Konzert, das im Nu vorbei war. Eigentlich eines jener Konzerte, das angemessen lang ist (eine Stunde und dreiviertel), aber trotzdem zu kurz. Die Setlist diesmal wirklich auf die größten Hits fokussiert! Darunter fehlte auch New Moon On Monday nicht (in der neueren „Dance Macabre“-Version). ‚Die hard‘-Enthusiasten hätten vielleicht gerne eine besondere Überraschung im Repertoire, aber davon gab es vor zwei Jahren beim Konzert in Pula einige, also werde ich hier keine Haare spalten.

Die Band bestätigt Herbsttermine der neuen Europatournee und befindet sich dabei noch auf den Sommerkonzerten der aktuellen europäischen. In die Nähe Sloweniens kommen sie am 11. 7. 2026, wenn sie auf dem riesigen Vorplatz der Dogenresidenz Villa Manin im Ort Codroipo (nahe Udine) auftreten. Dieses Konzert ist zwar komplett ausverkauft, aber wer eine Karte hat, dem entgeht die Faszination über Person und Werk der zeitlosen New-Wave- und New-Romantic-Ikonen des Achtziger-Pops nicht! Das Konzert in Prag war nämlich – ‚bescheiden‘ gesagt – ‚komplett wahnsinnig‘!

Nur noch ein Zusatz zur Konzertrezension. Diese Tournee muss zum neuen „live“-Duran Duran-Album werden!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Edita Klemen

Duran Duran – Setlist:
1. Free to Love (symphonic instrumental version) – taped intro
2. Is There Something I Should Know?
3. The Wild Boys
4. The James Bond Theme (orig. John Barry) – taped intro
5. A View to a Kill
6. Hungry Like the Wolf
7. INVISIBLE
8. Evil Woman (orig. Electric Light Orchestra)
9. Lonely in Your Nightmare / Super Freak (aka „Super Lonely Freak“)
10. The Reflex
11. Ordinary World
12. Come Undone
13. New Moon on Monday („New Moon Dark Phase“ Version)
14. Notorious
15. White Lines (Don’t Don’t Do It) (orig. Grandmaster Melle Mel)
16. Free to Love
17. Planet Earth
18. (Reach Up for the) Sunrise
19. Girls on Film / Psycho Killer
—Zugabe—
20. Save a Prayer
21. Rio


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