David Byrne auf der „Who Is The Sky?“-Tour auch in Prag! (2026)

foto: EDITA KLEMEN 2026
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David Byrne
Mittwoch, 17. 6. 2026, von 20.00 Uhr bis 21.50 Uhr
Prag // O2 Universum // Tschechische Republik


Touren von David Byrne sind nun wirklich keine Selbstverständlichkeit. Seine letzte europäische liegt im „fernen“ Jahr 2018. Byrne ist Allroundkünstler, Visionär und Aktivist. Über seinen Aktivismus und alles andere, was u. a. auch zu seinem musikalischen Wirken gehört, könnte man ganze Romane schreiben. Der Mann, der der breiten Masse bis heute vor allem als Mitglied der unvergesslichen Art-Rock-Formation Talking Heads bekannt ist, hat letztes Jahr das Album „Who Is The Sky?“ veröffentlicht und damit in diesem Jahr den europäischen Teil seiner neuen Welttournee eingeläutet.

Der Kerl tritt Ende Juni dieses Jahres in der Slowenien nahen Arena Pula auf, doch das Schicksal wollte es so, dass Rockline dieses Konzert verpassen muss. Der alljährliche Sommerurlaub in Tschechien fordert halt seinen Tribut — oder etwa nicht? Nicht, wenn Byrne in dieser Zeit in Tschechien auftritt. Zum Beispiel in Prag. Seine Auftritte gelten als ein einzigartiges Spektakel, das kein Liebhaber anspruchsvoller Musik verpassen darf.

Der Mann ist ein Unikat und gilt als schwer fassbares kreatives Genie, was er unzählige Male mit seinem Wirken auf den verschiedensten Gebieten der Kunst unter Beweis gestellt hat. Ja. Schon das erste Debütalbum der Talking Heads aus dem Jahr 1977 verrät viel über diesen innovativen Visionarismus. Und dieser sein vokaler Ansatz. Er ist nicht nur enorm eigenständig und charismatisch, sondern stellen Ansatz und Klangfarbe der Stimme eine künstlerische Herausforderung dar, die sich kaum in einen Rahmen fassen lässt. Im Sinne des musikalischen Arrangements. 1991 war klar, dass Byrne die künstlerischen Grenzen der Talking Heads längst gesprengt hatte, weshalb die einzig logische Lösung der weiteren Evolution der Weg in die Selbstständigkeit war — der de facto eine Fortsetzung der Geschichte „Talking Heads nach Talking Heads“ ist.

Konzerte von David Byrne sind etwas Besonderes. Schon immer. Das ist nicht die klassische Aufstellung der Musiker „links, rechts, vorne, in der Mitte und hinten (wo normalerweise das Schlagzeug steht)“. Das ist kein klassischer Ansatz, das ist Theaterformat. Ein Spiel, bei dem alle ständig über die Bühne rennen. Dreizehn Begleitmusiker. Davon vier Perkussionisten, fünf Backing-Vokalisten, ein Keyboarder, neben Byrne noch ein weiterer Gitarrist sowie eine außergewöhnliche Bassistin. Ein Spektakel aus aufeinander abgestimmten Tanzbewegungen und einer unglaublichen chorisch harmonisierten vokalen Geschmeidigkeit.

Zehn Minuten nach acht abends betraten sie die Bühne. Zunächst Byrne mit drei weiteren Musikern, als Mini-Streichquartett mit Gesang. Dunkler 3D-Hintergrund, der Tiefe suggeriert, auf dem langsam die Erde aufgeht, während die Bühne wie die Mondoberfläche wirkt. Byrne: „Das ist der einzige Himmel, den wir haben!“ (und zeigt auf die Erde im Hintergrund). Es war Heaven (Talking Heads) — und der Abschuss ins Jahr 1979. Im weiteren Verlauf dann 14 Musiker in orangefarbenen Arbeitsoveralls (in Ljubljana 2009 waren alle in Weiß) und die Konzertshow lebt sich in voller Pracht aus. Die Kombination aus visuellen Effekten mit der schamlos eingewebten gelegentlichen Protestnote — was andeutet, dass Byrne aus der Punkära stammt —, einer unglaublichen Choreografie, bei der das Ganze wie ein Tanzorchester wirkt. Niemand ist auch nur einen Moment still. Byrne singt, tanzt, spielt Gitarre, hält seine außergewöhnlichen rhetorischen Fähigkeiten aufrecht und bewahrt das, was besonders charmant ist: eine brillante Note der Geistesklarheit! Der 74-Jährige ist unglaublich gut in Form. In ausgezeichneter Vokalverfassung, mit trockenem Sarkasmus in seinen Ansagen ans Publikum und spürbarer Leichtigkeit.

Der Sound explodiert geradezu vor Fülle und Ausnutzung aller Kapazitäten. Hochklassiges Zusammenspiel. Byrne ist ein außergewöhnlicher Anführer. Das Ganze erinnert im Vorbeigehen an die goldenen Zeiten von Peter Gabriel und seine Auftritte vor vielen Jahren. Aber auf seine ganz eigene stilistische Art. Der Artismus, den Figur und Werk nicht nur der Musik David Byrnes, sondern auch ihrer Liveinterpretation auszeichnen, ist unfassbar, selbstgewachsen und ihm allein eigen. Die Verschmelzung zahlreicher Genres, bei der sich ohne Hemmungen und auf höchstem Niveau World Music, ausgearbeitete Afrobeat-Rhythmik unterlegt mit ausgeprägtem Funk-Drive, Hauch von Punk — artistisch unglaublich geschickt ins ganze Räderwerk eingebaut —, und elektronische Musik die Hand reichen, bietet dem Hörer neben Byrnes ausgeprägten vokalen Besonderheiten ein einzigartiges musikalisches Erlebnis. Live wird das noch um ein Vielfaches größer. Faszinierend! Die ganze Show fesselt dich, bringt dich in Schwung und hält dich bis zur letzten Sekunde in ihrer Welt! Im Nu hat sie dich auf ihrer Seite. Auch was die enorm starke Botschaft und die prägnanten Parolen angeht, die gelegentlich auf riesige Leinwände projiziert werden.

Im künstlerischen Sinne sind die musikalischen Geschichten der Talking Heads und von Byrnes Solokarriere außerordentlich raffiniert miteinander verwoben. Eigentlich findet man kaum Trennlinien, und gleichzeitig haben die Talking-Heads-Klassiker durch die Zeit eine hohe arrangementbezogene Reife erreicht, was sie mit den Stücken von Byrnes Soloweg noch stärker verbindet. Das Konzert verlief rasant. Talking-Heads-Fans kamen vor allem im ersten und letzten Drittel des Konzerts auf ihre Kosten, als der Kerl u. a. And She Was, Houses In Motion, (Nothing But) Flowers und This Must Be the Place (Naive Melody) aneinanderreihte, die im großen Finale durch Air ergänzt wurden, sowie die bis heute bekannteste — Psycho Killer (die das gesamte Venue von rund 4.000 Leuten in Hochtouren versetzte) — und Life During Wartime, sowie im regulären Schlussteil Once In A Lifetime. Einzig Burning Down the House fehlte noch, die die Crew für die zweite Zugabe aufgespart hatte. Das Konzert war wie im Flug vorbei! Wie ein Wimpernschlag. Die neuen Stücke des Albums „Who Is The Sky?“ existieren in der Atmosphäre und Gesellschaft der „älteren musikalischen Geschwister“ perfekt, und alles zusammen beweist, dass Byrne als Künstler und Visionär in seinem ausgesprochen eigenwilligen künstlerischen Auftrag nicht aufhört — als absolutes musikalisches Unikat.

Wer zufällig noch schwankt, ob er zum Konzert von David Byrne in die Arena Pula gehen soll oder nicht, soll nicht länger nachdenken und schnell ein Ticket kaufen — sich damit einen riesigen Gefallen tun, für den er bis ans Ende seiner Tage dankbar sein wird. Im Grunde hat sich seit meiner ersten Begegnung mit Byrne, die ich mit dem Jahr 2009 verbinde, als der Musiker in den Ljubljaner Kriżanke auftrat, was den szenischen Ansatz betrifft, kaum etwas verändert. Nur sind wir alle etwas reifer, etwas anspruchsvoller geworden, vielleicht auch musikalisch verwöhnter. Aber ein Unikat bleibt ein Unikat. Und als solches zieht es dir immer und mit spielerischer Leichtigkeit den Boden unter den Füßen weg. Das ist David Byrne. Ein waschechter Zauberer! Tu dir also diesen Gefallen und geh dich bei seinem baldigen Konzert in der Arena Pula verwöhnen!

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Edita Klemen

David Byrne – setlist:
1. Heaven (orig. Talking Heads)
2. Everybody Laughs
3. And She Was (orig. Talking Heads)
4. Strange Overtones (orig. Brian Eno & David Byrne)
5. Houses in Motion (orig. Talking Heads)
6. T Shirt
7. (Nothing but) Flowers (orig. Talking Heads)
8. This Must Be the Place (Naive Melody) (orig. Talking Heads)
9. What Is the Reason for It?
10. Like Humans Do
11. When We Are Singing
12. Independence Day
13. Slippery People (orig. Talking Heads)
14. Moisturizing Thing
15. My Apartment Is My Friend
16. Air (orig. Talking Heads)
17. Psycho Killer (orig. Talking Heads)
18. Life During Wartime (orig. Talking Heads)
19. Once in a Lifetime (orig. Talking Heads)
—dodatek—
20. Everybody’s Coming to My House
21. Burning Down the House (orig. Talking Heads)


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