Sarcasm: Soulless Machine

Sarcasm 2026 (Samozaložba)
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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 6. 2. 2026
Produktion: Sarcasm
Albumlänge: ca. 40.15 min
Genre: Speed Metal / Thrash Metal
Wertung: 8.5/10


Bitte widerlegt mich jemand. Gibt es noch irgendwo eine slowenische Thrash-Metal-Band aus den ersten Jahren des neuen Jahrtausends, die überlebt hat und bis heute aktiv ist? Diese Ära hat eine ganze Reihe junger Bands der neuen Generation hervorgebracht, die enorm viel versprochen haben. Aber das hielt nur ein paar Jahre an. Und ist leider nach und nach versunken. Für mich persönlich fällt mir aus dieser Reihe von Bands zwanzig Jahre später nur noch Eruption ein. Und damit ist die Geschichte mehr oder weniger abgeschlossen.

Und dann kommt das neue Sarcasm-Album. Das Album der Pioniere des slowenischen Thrash Metals. Zu einem Zeitpunkt, wo wir solche Werke in unserer Region schlicht und einfach brauchen. Werke, die uns sagen, dass Thrash Metal in Slowenien noch lebendig ist. Traurig, dass ausgerechnet die Legenden des Genres in Slowenien daran erinnern müssen – aber besser so als gar nicht.

„Soulless Machine“ ist, um es direkt zu sagen, ein sehr, sehr gutes Album der Band. In dieser Hinsicht schließt es an das an, was Sarcasm mit „Something To Believe In“ (2011) geliefert haben, und übertrifft es sogar an einigen Stellen. Aber das war fünfzehn Jahre früher. Sarcasm haben in dieser Zeit Veränderungen durchgemacht. Lassen wir die Jahre beiseite. Durch sie festigst und reifst du. Die letzten fünfzehn Jahre? Das Album „Thrash“ (2014) wurde noch mit Mucy eingespielt, dazu mit dem Wechsel zu slowenischen Texten, dem sechs Jahre später „Pot v raj“ folgte, wo beide Gitarristen, Aleš Blaznik und Klemen Renko, die Gesangsaufgaben übernahmen. Warum beschäftige ich mich mit der Geschichte? Beide Alben haben zwar die Sarcasm-Standards aufrechterhalten, aber wenn man das Gesamtbild der letzten drei Alben der Band vergleicht, führte die Richtung zu einer Aufweichung des Sounds. Das mit der Aufweichung ist natürlich wieder relativ – jedes Paar Ohren hört die Sache anders. Auch „Pot v raj“ ist in jeder Hinsicht glaubwürdig gespielt und arrangiert. Aber der Gesang in slowenischer Sprache nimmt ihm die thrasheske Schärfe. Das Slowenische also, das in der Metrik der Verse erheblich schwieriger zu handhaben ist als das deutlich singbarere Englisch. „Pot v raj“ wirkte durchaus bissig und bedrohlich. Aber genau wegen der Verwendung des Slowenischen entfaltet sich darauf der Punk-Anteil stärker und überschattet gelegentlich beinahe den ureigenen Thrash-Metal-Charakter der Band. Versteht mich nicht falsch. Punk und Metal sind Brüder. Ohne einander geht’s nicht. Und jeden guten echten Thrash Metal begleitet stets eine scharfe Punk-Note – die aber klar in einer untergeordneten Position bleiben muss.

„Soulless Machine“, also der Nachfolger, bringt die Dinge auch in dieser Hinsicht dahin zurück, wo sie sein müssen. In ein Umfeld, wo die Vocals kompetenter funktionieren. Den Gesang auf dem Album übernehmen sowohl Aleš Blaznik (sieben Songs) als auch Klemen Renko (drei Songs). Das heißt, durch die Verwendung der englischen Sprache ist das Gesamtbild des neuen Albums deutlich fließender als beim Vorgänger. Nicht nur das. Die Entscheidung der Band, genau zehn Songs draufzupacken, ist ebenfalls gut, denn sie betont und stärkt die Kompaktheit des Albums als Ganzes. Besonders angesichts der Tatsache, dass die Songs wirklich bis ins Detail ausgefeilt sind. Die Band hat also das Beste vom Besten für dieses Album ausgewählt. Im Gesangsbereich bringt das neue Album einen konkreten Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Und das spürt man. Und das ist sehr, sehr wichtig. Sarcasm müssen keinen Sänger mehr suchen. Beide haben ihn direkt bei sich zu Hause gefunden.

Der Opener setzt die Dinge genau da hin, wo man sie bei Sarcasm haben will – und was man natürlich unter dem bleibenden Eindruck des zeitlosen Debüts „Crematory“ still und unterbewusst auch erwartet. Die Auferstehung der primordialen Old-School-Thrash-Haltung, die eine Verbindung zum Debüt sucht und herstellt. Wenn wir von einem solchen eröffnenden Old-School-Speed/Thrash-Metal-Geballer sprechen, wie es New World Order sofort liefert, ist die Verbindung zu den Vorbildern und ihren klassischen Taten der Achtziger – wie dem guten alten Metallica und Anthrax – umso naheliegender und automatischer. Das ist es. Wenn wir weiter Haare spalten: Das neue Album strahlt die meisten Reflexionen mit der Old School des europäischen Thrash und Speed Metals aus. Vor allem mit der Garde aus Vendetta, Paradox, Accuser, frühen Angel Dust und/oder Exumer. Nun, um es ohne falsche Bescheidenheit zu sagen, auch mit Coroner. Aber Sarcasm machen das auf ihre eigene Art. Auf slowenische Art. Schon immer. Und auch diesmal.

Was Sarcasm schon immer auszeichnet, ist ihre musikalische Sensibilität. Die Songs sind auch auf dem neuen Album allesamt sehr geschickt mit einer Dosis musikalischer Übergänge veredelt, die das Duo Blaznik/Renko in die Kompositionen dosiert. Intro- und Outro-Teile der Songs, Ein- und Ausstiege in/aus den Mid-Eight-Passagen (die vollgepackt mit glühenden Soli sind) … Deshalb klingen manche Songs außerordentlich klassisch. Verloren in Zeit und Raum – und in dieser Hinsicht sehr eigengewachsen! Im Glanz einer Formel also, die die musikalische Visitenkarte der Band verkörpert und ihr ganz allein gehört. Aleš Blaznik bleibt in seiner Vision ein unerschütterlicher Pfeiler. Ein echter Anführer. In dieser Hinsicht sind Momente wie The Stone Age (mit der verinnerlichten, eingefleischten Haltung der N.W.O.B.H.M.-inspirierten Gitarrenharmonien) umso süßer im Hören. Die Band drosselt beim Angriff nur beim Hauptriff und Refrain des abschließenden There’s Still Hope etwas das Tempo – zeigt aber auch an diesem Punkt nicht den geringsten Hauch von Stiefmütterlichkeit gegenüber der düsteren Atmosphäre, die sich über das Album spannt.

Was die ideelle Vielfalt betrifft, ist sie im Überfluss vorhanden – und das bringt ein kompaktes Produkt auf die Bühne. Die Songs sind auf hohem Niveau komponiert und schwanken qualitativ nicht. Das Album bricht qualitativ nicht einen einzigen Moment ein. Die Band hat die Songs (vor allem die Refraingesänge) mit Harmonien im Stil von ‚Straßen-Gang-Chören‘ versehen – das elementare Markenzeichen des Old-School-Speed/Thrash. Auch vom Vortrag her spricht das Album enorm überzeugend an. Es pulsiert lebendig, dreckig, schält die Haut mit abrasiver Wucht und frisst sich mit korrosiver Schärfe fest. Dabei hält es von der ersten bis zur letzten Sekunde noch eine Sache aufrecht, die bei Sarcasm schon immer charakteristisch war: die gesellschaftskritische Bissigkeit der Texte. Zur Kompaktheit des Albums trägt auch die Kameradschaft bei, die im Quartett herrscht. Auf dem Album spürst du, dass die Arbeitschemie unter den Bandmitgliedern stimmt, dass sich die Bausteine des Klangbilds sehr gut ergänzen, aufeinander reagieren – und man kann sagen, dass sie als Team einheitlich atmen. Füreinander. Deshalb ist das Album „Soulless Machine“ auch in der Ausführung extrem verdichtet, exzellent kontrastiert und spricht mit überzeugend unheilvoller Organik an.

„Soulless Machine“ ist ein herausragendes Werk der Band in ihrer reifen Schaffensphase. Was uns bleibt, ist einzig und allein, dieses Album so schnell wie möglich zu kaufen (wenn möglich im Vinyl-Format) und zu den nächsten Konzerten der Band zu rasen. „Soulless Machine“ liefert einen perfekten Old-School-Angriff aus dem Ureigenen des Old-School-Speed- und Thrash Metals – mit einem unvermittelten Hook direkt vor den Schädel, von dem ihr euch so schnell nicht erholen werdet. Schön, dass man das beim Hören eines Albums einer Band schreiben kann, die im nächsten Jahr den Meilenstein von 40 Jahren Bandgeschichte feiert. Als wären all diese Jahre nie vergangen.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. New World Order (5:10)
2. Rebellion (3:42)
3. Hand in Hand (3:43)
4. O.C.T. (3:22)
5. World’s on Fire (4:44)
6. Faceless Mind (3:57)
7. Life is Short (3:45)
8. The Stone Age (4:17)
9. Payment (3:26)
10. There’s Still Hope (5:15)

Besetzung:
Aleš Blaznik – Gitarre, Gesang
Klemen Renko – Gitarre, Gesang
Vito Stričevič – Bassgitarre
Matevž Blaznik – Schlagzeug


Sarcasm – „Soulless Machine“ (2026, Eigenveröffentlichung)
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