Schwitoris
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Radio Jam
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: year
Laufzeit: 39:48
Wertung: 3.5/5
Radio Jam ist eine Hard-Rock- und Rock’n’Roll-Band aus Celje, bestehend aus vier Hengsten, die Bock auf eine ordentliche Party haben. Gegründet vor zwei Jahren, sind die Jungs alles andere als Grünschnäbel – sie haben bereits einige Kilometer musikalischer Vorerfahrung auf dem Buckel. Die steirische Ecke war schon immer ein Brutkasten für soliden, hochwertigen Rock. Von dort kommen zum Beispiel auch Šank Rock und Chateau. Radio Jam, als Musiker der neuen Rockgeneration, folgen geschickt den Spuren des Erbes des slowenischen Rock’n’Roll.
Auf dem Debütalbum »Shwitoris« finden sich zehn Songs, die sich von namhaften Größen der Rock-’n‘-Roll-Welt inspirieren lassen – von den Siebzigern bis weit in die Achtziger –, und dennoch klingen Radio Jam dabei typisch slowenisch, was vor allem am Einsatz der slowenischen Sprache in den Texten liegt. Die vokale Metrik geht ihnen gut von der Hand, und die Songs behalten dadurch allesamt eine angenehme Flüssigkeit und Eingängigkeit.
Radio Jam erfinden das Rad natürlich nicht neu – auf diesen Einwand würden sie aber wohl antworten: »Ist doch sowieso schon alles erfunden!« Damit wären sie nicht die Einzigen. Sie gehören jedenfalls einem kommerziell »archaischen« Genre an, das jedoch nie an Aktualität verlieren wird. De facto handelt es sich hier um Revivalismus, eine Art Retro-Nostalgie – und dennoch sind die Songs einer ursprünglichen Rocktradition verpflichtet, gespielt von Herzen, mit Eiern, ohne Kitsch und Schnickschnack, in angenehmer organischer Klangwärme. Natürlich ist gelegentlich auch eine Blues-Komponente eingewoben (Ka ti bom delau). Die Songs wirken kompakt – nicht nur arrangementsmäßig, sondern auch in der Ausführung –, denn es klingt so, als wären sie im Studio nach dem Konzertprinzip eingespielt worden. Dieses Feuer, dieser Fokus und die pure Freude an der Musik, die man in den Aktionen des Quartetts auf diesem Album spürt, sind ein willkommenes Gegengewicht zur Generizität und den eingefahrenen Schablonen und Formen, die in der üblichen Recyclingwirtschaft vieler Künstler der jüngeren Generation – also jener aus der post-pionierischen Ära des Rock’n’Roll – schon allzu oft gehört und erprobt wurden.
Die Jungs werden von Adrenalin- und Testosteron-Exzessen durchgewirbelt, und das spiegelt sich in der Energie und Schwingung der Kompositionen wider – ganz besonders in den anzüglichen Texten, in denen eine freche, ungezähmte schwarze Stute dem Quartett ständig die Fantasiewelt aufwühlt. Ein typisches Produkt feuchter Männerträume. An all dieser Darbietungsenergie und Poesie haftet jedenfalls das richtige Maß an Sarkasmus und schwarzem Humor. Die Jungs nehmen also ständig alles auf die Schippe, auch wenn in eben diesem Scherz eine gehörige Portion bitterer Wahrheit steckt.
Die Lausbubigkeit ist also da – darauf deutet bereits das Motiv des Albumcovers hin, das an das Cover eines der besten Alben der gesamten The Who-Diskographie (»Who’s Next«) erinnert. Hoffen wir, dass die Jungs beim Gestalten des Covers des Nachfolgers ihres Studioerstlings ein bisschen mehr eigene Fantasie zeigen. Wie gesagt. Ein unterhaltsames, hochwertiges Rock’n’Roll-Produkt aus der Feder eines potenten, beweishungrigen Quartetts, das als Wegbereiter neuer Zeiten des slowenischen Hard Rock gilt, wobei man unschwer erkennen kann, dass es dabei, unbeabsichtigt und unwissentlich, in unserem geografischen Raum eine Art Status-quo-Starrheit aufrechterhält. Die Tür zur Bühne steht offen! Wünschen wir der Band also möglichst viele Konzerte.
Radio Jam – Fatalka (offizielles Audio):
Besetzung
Grega Teršek – Gesang
Ivo Peperko – Gitarre
Grega „Chedo“ Šket – Bassgitarre, Begleitgesang
Matic Anderlič – Schlagzeug, Begleitgesang
Produktion
Radio Jam & Matej Pečaver
Tracklist
1. Črne oči
2. Ne morem spati
3.Naša pot
4. Ka ti bom delau
5. Fatalka
6. i-Ljubezen
7. Moja
8. Dej povej
9. Midva
10. Schwitoris