Origins

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Landmarq
Label: Synergy
Erscheinung: 2014
Laufzeit: 2:26:07
Wertung: 3.5/5

Landmarq werden heutzutage nicht gerade oft erwähnt, wenn die Rede auf die besten britischen Neoprog-Rock-Bands kommt – wobei man dabei in der Regel an die aktuelle, ‚verweiblichte‘ Version der Band denkt. Diese Meinung ändert sich jedoch schnell, sobald das Gespräch auf ihre frühe Phase kommt, die eine völlig andere Geschichte ist. Damals gehörte der langjährige Threshold-Sänger Damian Wilson zur Besetzung von Landmarq – er war in dieser Zeit ohne Zweifel der Hauptmotor der Gruppe und der entscheidende Faktor ihres frühen Erfolgs. Damals, zu Beginn der Neunziger (gegründet wurden sie 1990), waren Landmarq eine der vielversprechendsten Neo-Prog-Bands, und es schien, als würden sie eines Tages sogar in die ‚erste Liga‘ der interessantesten zeitgenössischen Prog-Gruppen aufsteigen. Das ist leider aufgrund einer merkwürdigen Verkettung von Umständen nicht passiert.

Mit Wilson in der Besetzung veröffentlichten Landmarq drei kritisch gut aufgenommene Studioalben: »Solitary Witness« (1992), »Infinity Parade« (1993) und »The Vision Pit« (1995) – es gab also keinen Grund, ihre Positionen nicht weiter zu festigen und mit ihrem bisherigen musikalischen Ansatz zu begeistern. Ihr früher Stil war geprägt von einem Bekenntnis zu den Progrockwurzeln sowie dem gelegentlichen Einbringen von Elementen des Classic Rock, Hard Rock, AOR und sogar – wenn auch auf recht bescheidene Weise – einigen Jazzeinsprengseln.

Zur Enttäuschung vieler Fans entschied sich Wilson 1995, sich seiner Solokarriere zu widmen, blieb dabei aber der Band Threshold treu, mit der er ab 1992 zusammengearbeitet hatte. Landmarq fanden mit dem Sänger Ian ‚Moon‘ Gould einen Ersatz, was jedoch nur von kurzer Dauer war, denn schon bald darauf entschieden sie sich für einen radikalen Wechsel und holten Tracy Hitchings in ihre Reihen – die ehemalige Sängerin der Neoprog-Gruppe Quasar und langjährige Freundin der Band.

Von da an war für Landmarq, die danach noch zwei Studioalben aufnahmen – »Science Of Coincidence« (1998) und (nach einer langen Pause) »Entertaining Angels« (2012) – nichts mehr wie zuvor, denn sie wurden praktisch zu einer völlig anderen Band. Auch die Fanbasis spaltete sich, und nur wenige sind diejenigen, denen beide Ären gleichermäßen gefallen, die ‚männliche‘ und die ‚weibliche‘. Nur wenige Frauenstimmen finden sich gut im Progressive Rock zurecht, wenn dieser keine starken Folk-Elemente und überwiegend sanfte Arrangements enthält oder die Sängerin nicht eine wirklich ganz eigene Ausstrahlung im Stil von Annie Haslam (Renaissance) oder Sonja Kristine (Curved Air) besitzt. Der Gesang von Hitchings ist zwar Geschmackssache, aber ihr schriller, gelegentlich schluchzender und allzu dominanter Stil kann so manchen davon abhalten, neuere Landmarq-Werke zu hören.

Von den Originalmitgliedern sind bis heute nur noch Gitarrist Uwe D’Rose und Bassist Steve Gee übrig geblieben, da sie 2012 auch vom ursprünglichen Schlagzeuger Dave Wagstaffe verlassen wurden. Sein Nachfolger wurde Danny Martin. Landmarq – trotz eines exzellenten Gitarristen, der nicht an ausschweifenden Soli spart, eine sehr keyboardlastige Band – hatten bereits drei verschiedene Keyboarder in ihren Reihen. Auf Originalmitglied Steve Leigh folgte Gonzalo Carrera (später Karnataka), während der neueste Landmarq-Keyboarder Mike Varty ist.

»Origins: A Landmarq Anthology« beleuchtet auf zwei CDs zwei verschiedene Ären dieser relativ obskuren Gruppe, die sich gegenseitig – vor allem was die Energie betrifft – kaum unterschiedlicher sein könnten, und umfasst den Zeitraum von 1992 bis 2012. Auf der ersten CD befinden sich neuere Stücke mit Hitchings in der Besetzung, während auf der zweiten CD die weitaus qualitätvollere und interessantere Ära mit Wilson vertreten ist, der 1991 den ursprünglichen Landmarq-Sänger Rob Lewis-Jones abgelöst hatte.

Ihr Stil hat sich aus instrumentaler Sicht mit dem Eintreffen der blonden Sängerin nicht wesentlich verändert – mit dem Unterschied, dass der Keyboardsound in der Produktion prominenter wurde, einzelne Arrangements sanfter ausfielen bei spürbar weniger hardrockigen Gitarrenriffs, und die meisten Songs einen etwas optimistischeren, ambienten Ton annahmen. Ganz am Ende der ersten CD, die auch einige Stücke enthält, die live aufgenommen wurden und bislang auf drei Konzertalbumen mit Hitchings erschienen sind, befindet sich auch ein völlig neuer Song – »Origins« –, nach dem diese Anthologie auch ihren Namen erhalten hat. Die Schwachstelle des neuen Beitrags sind genau die ’nervösen‘, schiefen und allzu dominanten Gesangsmanierismen der Blondine, die sämtliche Hörbarkeit dieser Komposition gründlich erschöpfen.

Die zweite CD ist diejenige, die für die meisten Liebhaber von qualitativem (Neo-)Progrockmusik mit karismatischem Gesangsansatz weitaus interessanter sein wird. Das dramatische »Killing Fields« wird mit seiner düsteren Natur und dem melancholischen Refrain noch heutzutage allen Liebhabern von Marillion aus der Fish-Ära, der Gruppe Arena sowie Wilsons Threshold gefallen. Das etwas optimistischere »Forever Young« enthält einen aufbauenden Refrain und ein klassisches Neoprog-Arrangement, in dem Synthesizer-Texturen harmonisch mit entschlossenen Gitarrenpassagen ineinanderfließen.

Das von einem orientalischen Hauptmotiv geprägte »Ta Jiang«, ein 16-minütiges Superepos von gewaltigen Ausmaßen, beweist, dass Landmarq mit Wilson in der Besetzung mühelos auch rhythmisch komplexe und arrangementechnisch anspruchsvolle Werke schaffen konnten, auf denen es ihnen gelang, eine außergewöhnlich intensive Atmosphäre zu beschwören. Andererseits hatten sie schon damals ein Gespür für das Komponieren emotionaler Powerballaden, was das Stück »Embrace« mit Wilsons bravouröser Gesangsdarbietung und geschmackvollen weiblichen Begleitvokalen beweist.

Auf dem melodramatischen »Narovlya«, einem weiteren komplexen Epos, ist eine erfolgreiche Verschmelzung von Symphoprog-Arrangements, hardrockigen Gitarrenphrasen und gelegentlichem Spiel mit kürzeren Improvisationen zu hören. Auch auf den übrigen ambienten Stücken aus dieser Ära, wie »Bed Of Nails«, ist deutlich zu hören, warum die Band mit Wilson in der Besetzung eine ganz spezifische Energie besaß, die die spätere Version der Gruppe trotz einiger ambitionierter Versuche nicht wiederherstellen konnte.

Ältere Landmarq-Alben sind heutzutage im Handel äußerst selten zu finden, weshalb »Origins« eine ziemlich sinnvolle Investition für alle ist, die sich mit ihrem bisherigen Werk vertraut machen wollen. Der Hinweis, dass es sich auf beiden CDs um zwei nahezu völlig verschiedene Bands handelt, ist dabei durchaus angebracht. Die zweite CD ist vor allem für die meisten Threshold-Fans sowie Liebhaber von Wilsons Solokarriere am interessantesten, während die erste CD dieser Doppelanthologie denjenigen gefallen wird, die keinerlei Vorbehalte gegenüber dominanten Frauenstimmen im modernen Prog Rock haben.

Besetzung

CD1
Tracy Hitchings – Gesang
Uwe D’Rose – Gitarre
Steve Gee – Bassgitarre, Fretless Bass, Hintergrundgesang
Mike Varty – Keyboards, Streicher, Hintergrundgesang
Dave Wagstaffe – Schlagzeug, Percussion, Hintergrundgesang

CD2:
Damian Wilson – Gesang
Uwe D’Rose – Gitarre
Steve Gee – Bassgitarre, Fretless Bass, Hintergrundgesang
Steve Leigh – Keyboards
Dave Wagstaffe – Schlagzeug, Percussion, Hintergrundgesang

Produktion

Landmarq

Trackliste

CD1 – The Tracy Years (72:45)
1. Science of Coincidence
2. Lighthouse
3. Between Sleeping and Dreaming… (Live)
4. Tailspin (Let Go the Line) (Live)
5. After I Died Somewhere (Live)
6. Heritage (The Tracy Years) (Live)
7. Turbulence (Paradigm Shift)
8. Personal Universe
9. Origins (New Song)

CD2 – The Damian Years (73:22)
1. Killing Fields
2. Forever Young
3. Borders
4. Solitary Witness
5. Ta Jiang
6. Embrace
7. Pinewood Avenue
8. Narovlya
9. Bed of Nails

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