Quiet Riot 10

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Quiet Riot
Label: 57 Records
Erscheinungsdatum: 27.06.2014
Laufzeit: 46:35
Bewertung: 2.5/5

Dieses Album gehört zweifellos zu den Überraschungen des Jahres. Auf mehreren Ebenen. Entscheidend ist jedoch nur eine. Die Qualität. Macht es was her, oder eben nicht? Angesichts der turbulenten Jahre, vor allem jener letzten Novembertage des Jahres 2007, als Kevin DuBrow, die erste und ultimative Stimme der Band, einer Überdosis Kokain erlag und so in die ewigen Jagdgründe einging, glaubte kaum jemand daran, dass Quiet Riot ihre Karriere fortsetzen könnten. Mehr noch: Kaum jemand wagte zu behaupten, dass sie ohne einen so zentralen Faktor ihrer musikalischen Geschichte wie Kevin DuBrow überhaupt eine glaubwürdige Nachfolge aufrechterhalten könnten.

Und dennoch. Frankie Banali, das einzige originale Bandmitglied am Schlagzeug, erhielt die volle Zustimmung und alle »göttlichen Segen« als Zeichen der Unterstützung von der Familie Kevin DuBrows, die ihn ermutigte, mit Quiet Riot weiterzumachen. So übernahm er das Steuer eines einst wirklich klangvollen Namens auf der Weltkarte des Metal und Hard Rock. Das Album »Metal Health« hat für den Metal nach wie vor einen enormen historischen und wegweisenden Wert, ist es doch das erste Album auf dem Planeten, das damals unter dem Genre-Label Heavy Metal an die Spitze  der Billboard-Charts vordrang.  Frankie Banali landete nach mehreren Sängerwechseln in der zweiten Jahreshälfte 2013 beim erfahrenen Jizzy Pearl (Love/Hate), den wir vor einigen Jahren bei einem Auftritt im italienischen Ronchi erleben konnten, als Teil der Besetzung von Tracii Guns‘ Version der L.A. Guns. Die übrigen zwei Mitglieder der heutigen Quiet Riot sind seit 2010 der bestens bekannte Bassist Chuck Wright sowie Gitarrist Alex Grossi, der ebenfalls auf beeindruckende Erfahrungen aus früheren Kollaborationen zurückblicken kann (Bang Tango, Adler’s Appetite, Love/Hate,…).

Für das Album »Quiet Riot 10« lässt sich festhalten, dass Banalies Truppe dem Angriff der Skepsis sowie den durchaus berechtigten Zweifeln an der Sinnhaftigkeit einer Quiet Riot-Kontinuität ohne DuBrow nur teilweise standgehalten hat. Banali hätte mit der neuen Besetzung seine Karriere so fortsetzen können, dass er der Band einen neuen Namen gegeben und die Konzerte dank des eisernen Repertoires der Quiet Riot-Klassiker gefüllt hätte – das wäre ein Garant dafür gewesen, dass die Leute immer noch gerne zu ihren Konzerten gegangen wären. »Quiet Riot 10« ähnelt am stärksten seinem Vorgänger »Rehab« (2006). Dabei ist allerdings Vorsicht geboten: »Quiet Riot 10« ist nämlich zur Hälfte ein Live-Album. Mit Konzertmitschnitten der »Rehab«-Tour, was bedeutet, dass du auf diesem Album auch Kevin DuBrows Gesang zu hören bekommst.  Das neue Material trägt ein nacktes Hard-Rock-Grundgerüst, angenehm gewürzt mit einem Hauch Blues. »Quiet Riot 10« greift nämlich einige markante Elemente des altschulischen Rock-Visionärstums auf, geerbt von Pioniergruppen wie Led Zeppelin oder The Who. Die Jungs liefern auch eine handgreifliche Ernte einfallsreicher Gitarrenfiguren, um die herum sie vollblütige Arrangements aufbauen, die eine angenehme Dosis ungezähmter Energie herausholen – auf dieser Grundlage sind die neuen Songs (Qualitätsschwankungen zwischen ihnen existieren durchaus) alles in allem verdaulich.

In diesem musikalischen Umfeld fühlt sich Jizzy Pearls Gesang wohl und weiß sich gut zu behaupten. Sein lausbübisches Charisma, die in höhere Lagen gerichteten Vokal-Exzesse frenetischer Ausbrüche, versuchen gelegentlich, die Gestalt Kevin DuBrows heraufzubeschwören, auch wenn keine direkte Ähnlichkeit zwischen den Klangfarben der beiden Stimmen besteht. Einen Doppelgänger für DuBrow findet man eben nicht.

Obwohl das Album flott und angenehm durch die eingängigen ersten drei Tracks rauscht – die Eröffnungsnummer Rock In Peace, gefolgt von Bang For Your Buck sowie Bakcside of Water –, verliert das neue Material einiges an Schwung durch die Statik der Riffs von Band Down und Doghouse Alley.

Sechs neue Eigenkompositionen hätten für eine EP gereicht. Und dennoch. Vier Live-Tracks mit DuBrow am Mikrofon runden das Werk ab. Zuerst der »Quiet III«-Track Put Up or Shout Up, dann zwei »Rehab«-Tracks: Free und South of Heaven. Den Live-Teil des Albums beschließt das Rock ‚N‘ Roll Medley mit dem integrierten Track Red Light Mama, Red Hot – bei dem die Band am Ende auch noch einen Ausschnitt aus dem Slade-Klassiker I Don’t Need No Doctor einstreut und den Track mit dem üblichen Konzert-Klischee vieler Hard-Rock-Bands unserer Galaxis abschließt (sprich: dem abgedroschenen, vorhersehbaren Led Zeppelin-Fade-out mit Whole Lotta Love). Die Aufnahme stammt vom 13.07.2007, als Quiet Riot im Rahmen der damaligen Ausgabe des Festivals Rocklahoma auftraten.

Bleibt die Frage: warum überhaupt? Das Problem liegt nämlich darin, dass man das neue Album nicht als richtiges Studioalbum bezeichnen kann – eher als EP, die mit aller Kraft versucht, die Lücke, die durch acht Jahre Studioabstinenz entstanden ist, möglichst stressfrei zu stopfen. Um jeden Preis eben. Dieser Schachzug offenbart schlicht den Mangel an kreativer Frische der neuen Bandmitglieder sowie die Angst, Verantwortung für das Festhalten am Namen Quiet Riot zu übernehmen – was in gewissem Maße sogar als Pathos zu werten ist. Die solide erste Albumhälfte reicht also nicht aus, um dem neuen Album hochfliegendes Lob zu verdienen, auch wenn es anfangs auf einem guten Weg war.

Das Beispiel Quiet Riot steht im Universum des Rock nicht allein da. Thin Lizzy funktionierten viele Jahre ohne Phil Lynott, bevor sie sich am Ende doch besannen und den Namen änderten. Angesichts der Energie, die das neue, offiziell unter dem Namen Quiet Riot veröffentlichte Dokument ausstrahlt, wäre es für Banali und seine Mannen das Beste, den Bandnamen zu ändern. Was »Quiet Riot 10« bietet, ist weder ein richtiges Studioalbum noch ein richtiges Live-Album, sondern das Schlürfen von abgekühlter, sauer gewordener Rinderbrühe.

Besetzung

Jizzy Pearl – Gesang
Alex Grossi – Gitarre
Chuck Wright – Bassgitarre
Frankie Banali – Schlagzeug

Konzertaufnahmen:
Kevin DuBrow – Gesang
Neil Citron – Gitarre
Tony Franklin – Bassgitarre

Produktion

Quiet Riot

Trackliste

1. Rock in Peace (4:00)
2. Bang for Your Buck (3:52)
3. Backside of Water (4:18)
4. Back on You (3:24)
5. Band Down (3:17)
6. Dogbone Alley (4:29)
7. Put up or Shut Up (4:18)
8. Free (4:05)
9. South of Heaven (5:25)
10. Rock ’n‘ roll Medley (9:22)

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