Lionville: So Close To Heaven
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 11. 2. 2022
Produktion: Lionville
Albumlänge: 51:08 Min.
Genre: AOR revival / Melodic Rock
Bewertung: 8.0/10
Nach dem Album »Magic Is Alive« (RockLine Rezension), das vor gerade mal anderthalb Jahren erschienen ist, liegt bereits das sechste Studioalbum der AOR-Revivalisten Lionville vor. Es handelt sich um ein gemischt italienisch-schwedisches Musikgespann, hinter dem als Hauptvisionär, Chefkomponist sowie Kopf und Gitarrist Stefano Lionetti steckt – daher leitet sich auch der Bandname ab – und auf der anderen Seite der schwedische Sänger Lars Säfsund aus der namhaften schwedischen AOR-Formation Work Of Art, die offenbar in eine mehrjährige Ruhephase geschickt wurde, da man seit geraumer Zeit nichts mehr von ihnen gehört hat. Da das Leben, wie wir es vor zwei Jahren kannten, schlicht und ergreifend zwangsweise zum Stillstand kam und es keine Konzerte und Tourneen gibt, bleibt eben mehr Zeit zum Schreiben neuer Musik.
Dieses „Phänomen“ ist, ob man will oder nicht, für solche Manöver mehr als nützlich. Zeit zur Konzentration auf verschiedene Ideen und Details ist ungleich mehr vorhanden, und die Ergebnisse können, ungeachtet dessen, dass sie in relativ kurzer Zeit nach dem Vorgängeralbum entstehen, eine außerordentliche Qualitätskonsistenz wahren oder diese sogar übertreffen. Freilich muss die grundlegende Voraussetzung erfüllt sein, dass man eben ein talentierter Komponist ist – oder im Fall von Lionville auch, dass man geschickt das recyceln und neu verpacken kann, was uns in der Rockmusik seit mindestens vier Jahrzehnten begleitet. Ja. Wir reden nämlich von AOR-Revivalismus.
»Magic Is Alive« hat also in sehr kurzer Zeit einen ebenbürtigen Nachfolger bekommen, und auch das Material darauf schöpft weiterhin Inspiration aus den Errungenschaften der West-Coast-Bands, die in den Achtzigern AOR-Musik auf die Weltkarte gesetzt haben: Survivor, Journey, selbstverständlich auch Toto (etwa ein Track wie The World Is On Fire) … und formt daraus eine höchst überzeugende Geschichte der AOR-Wiederverwertung, die produktionstechnisch und arrangementtechnisch clever neu verpackt und nach den Maßstäben der neuen Zeit serviert wird. Das Album wird (wieder) auch allen Fans von Work Of Art gefallen – gerade der Titeltrack des neuen Lionville-Albums ist dem Stil von Lars‘ Stammband besonders verwandt.
Das neue Album ist um mindestens ein, wenn nicht zwei Stücke zu lang – das war zu erwarten. Zum Beispiel das Cover von Richard Marxs Arrow Through My Heart? Auch wenn das an sich hervorragende Cover sich in das Gesamtkonzept des Albums und Lionettis Visionärswerk einfügt und seine Integration außerordentlich gut funktioniert – es wirkt wie ein weiterer eigener Lionetti-Song –, sind die Manövriermöglichkeiten schlicht begrenzt, und im expressiven Sinne ist nach den ersten drei Tracks bereits alles gesagt. Die Band hat schon in früheren Projekten angedeutet, dass sie den Rock gerne bis an die Grenzen der ausgeprägten Poprock-Kultur des Songwritings der Achtziger treibt, und auch das neue Album hat solche Momente. Bei der Ballade, die Richard Marx gestohlen sein könnte und die ausdrücklich im Geiste des Achtziger-Pops spricht – nämlich Can’t Live Without You –, kommt man schnell zu diesem Schluss.
Das Album besitzt allerdings einige ausgesprochen pompös-adrenalingeladene Momente, wie die in der Trackreihenfolge aufeinanderfolgenden Only The Brave und Angel Without Wings in der zweiten Albumhälfte, wobei das erwähnte Marx-Cover Arrow Through My Heart noch zusätzlich Öl ins Feuer gießt.
Kurzum: Lionville erfinden keine musikalische Revolution, bieten aber ein neues, erstklassiges Kontinuum einer bereits etablierten musikalischen Nomenklatur, die von Album zu Album reifer, immer prächtiger arrangiert und detailreicher wird. Gerade im Vergleich mit den Vorgängern »Magic Is Alive« und »World Of Fools« (2017).
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. This Time (4:26)
2. Cross My Heart (4:49)
3. The World Is On Fire (4:13)
4. Can’t Live Without Your Love (4:30)
5. True Believer (5:02)
6. We Are One (3:31)
7. Only The Brave (4:32)
8. Angel Without Wings (4:56)
9. I’ll Be Waiting Tonight (4:28)
10. Arrow Through My Heart (4:42)
11. So Close To Heaven (5:53)
Besetzung:
Lars Säfsund – Gesang, Hintergrundgesang
Stefano Lionetti – Gitarre, Keyboards, Hintergrundgesang
Michele Cusato – Gitarre
Fabrizio Caria – Klavier, Keyboards
Giulio Dagnino – Bassgitarre
Martino Malacrida – Schlagzeug
