Grizl: Rojen v ognju
Eigenverlag
Erscheinungsdatum: 1. 9. 2023
Produktion: Grizl
Albumlänge: 45.38 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 10/10
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Grizl, die slowenische, genauer gesagt aus Brežice stammende Hard-Rock-Band, meldet sich mit ihrem dritten Studioalbum »Rojen v ognju« zurück. Die von Sänger und Gitarrist Zoran Zlatič angeführte Gruppe liefert damit das bis dato reifste Werk ihrer kreativen Laufbahn. Daran besteht kein Zweifel. Nach dem Debüt »17 mečev« (2015), das trotz ambitioniertem Einstieg und mutigen Manövern noch eine gehörige Portion Naivität verriet, hat die Band auf dem Nachfolger »Pod pritiskom« (2020, RockLine Rezension) ihren künstlerischen Charakter herausgearbeitet. Ihre eigenständige Haltung im musikalischen Ausdruck. Die Motive wurden klarer definiert, und das Album brachte eine enorm eingängige und gefällige Hörbarkeit mit sich — und bewies zugleich, dass die Band beim Arrangieren ein deutlich höheres Qualitätsniveau erreicht hatte.
»Rojen v ognju« setzt den Weg seines Vorgängers »Pod pritiskom« fort. Es liefert noch mehr Ansteckungskraft und musikalische Überzeugungsstärke, die beim Hören oft schon beim ersten Durchlauf wirkt — was im Vergleich zu früheren Werken der Band nicht unbedingt der Standard war. Das Quintett besteht aus ausgesprochen erfahrenen Musikern, die ordentlich Kilometer auf dem Tacho haben, gleichzeitig aber meisterhaft mit technischer Ausführungsreife ausgestattet sind — und einem feinen Gespür dafür, Songs auf das Niveau ausgeprägter Dynamik und albumübergreifender Flüssigkeit zu optimieren. »Rojen v ognju« ist nämlich eine hervorragende Mischung aus hochkarätiger musikalischer Zugänglichkeit, die Momente, in denen die Band in Rhythmuswechsel verfallen oder sich Modulationen leisten würde, die den motivischen Zusammenhalt lockern, in den Hintergrund stellt — oder gleich ganz streicht. Das bedeutet nicht, dass man durch das Album hindurch keine außergewöhnliche technische Raffinesse des Quintetts wahrnehmen kann, denn es mangelt nicht an zusätzlichen Übergangsornamenten — nur sind diese so platziert, dass sie die Kompaktheit der Songs eher noch intensivieren. Das ist der Beweis für eine höhere künstlerische Durchdringungskraft, die das neue Album verkörpert, was natürlich die Tatsache widerspiegelt, dass die Hauptträger von Arrangement und Komposition in der Band im Sinne des musikalischen Ausdrucks weiter gereift sind. Erwähnenswert ist, dass sich die Gruppe in der Aufnahmephase mit Borut Antončič zusammengetan hat, der beim musikalischen Ertrag der einzelnen Tracks sicher seine Dienste geleistet hat — schließlich ist er bekannt für sein feines Gespür dafür, wie man eine Komposition so aufstellt, dass sie sofort zündet. Die Zusammenarbeit der Band mit Borut hat sich als ein gewinnbringendes Pokerblatt voller Asse erwiesen, das man sich auch bei künftigen kreativen Unternehmungen der Band unbedingt im Ärmel behalten sollte.
»Rojen v ognju« ist die Geschichte von zehn hervorragenden Hard-Rock-Tracks, die bis ins Detail ausgefeilt sind — klanglich wie kompositorisch. Drago Popovič hat die lebendige Natur des Produkts betont, das Klangbild ist ausgeprägt dreidimensional und strahlt eine willkommene organische Wärme aus. Dazu trägt auch die betonte Wärme der bildhaften Basslinien mit ihrem Funk-Einschlag bei, die den kernigen Rhythmus der Songs stärken. Auf der anderen Seite stehen die nicht minder kernigen Hammond-Linien sowie natürlich das Gitarrenphrasieren, das seine Inspiration aus den alten Zeiten des Rock schöpft und entschlossen in die Siebziger greift. Daher reagiert der Charakter der Songs nach dem Vorbild der Elemente von Rhythm & Blues, Blues Rock — und streift stellenweise sogar an Southern Rock (Ujet na soncu). Im Grunde handelt es sich um ein Retro-Hard-Rock-Album, das mit manchen Assoziationen sogar nostalgisch anspricht. Die Songs greifen dabei auf eine Reihe geschickt unterlegten Pompös zurück, der in eingängigen und außerordentlich hörenswerten Refrainmelodien seine Höhepunkte entfaltet. Deshalb könnte so mancher Track von »Rojen v ognju« problemlos auf den einschlägigeren Radiofrequenzen des slowenischen Musik-Mainstreams laufen (falls überhaupt jemand versteht, was das sein soll). Kurz gesagt: »Rojen v ognju« ist ein außergewöhnlich schönes und vollendetes Produkt, das euch definitiv aus der Bahn schmeißt. Es bewegt, es verführt. In seiner Aufrichtigkeit und Leidenschaft überzeugt es sofort und belohnt den Hörer entsprechend auf der Stelle. Man muss hinzufügen, dass Zoran in den letzten Jahren auch stimmlich einen neuen Entwicklungssprung gemacht hat. Er hat sich zu einem ausgezeichneten Sänger entwickelt, was zusätzlich zur mitreißenden Wirkung der einzelnen Songs beiträgt.
Der Favorit und Höhepunkt des Albums ist eindeutig sein zentraler Track Ogenj in led. Die Krone setzen ihm die hervorragend eingebetteten Harmonisierungslinien des Leadgesangs mit zusätzlichen Begleitvokallinien auf — etwas, das Grizl meisterhaft von der Doktrin ihrer Rock-Vorbilder der Siebziger übernommen haben. Genau durch dieses Geflecht erreicht der Song durch graduelle Steigerung am Ende einen atmosphärischen Höhepunkt. Das ist ein Standard, der im internationalen Raum entscheidend ist, um einen potenziell an die Spitze der Musikcharts zu tragen — zu dem sich der slowenische Rock seit jeher stiefmütterlich verhält (historisch betrachtet). Infolgedessen entfalten auch die Tracks auf einer Reihe von im Laufe der Geschichte des slowenischen Rock veröffentlichten Alben, die das Potenzial tragen, ihren Aussageoptimumus nicht. Daher kann man auch in dieser Hinsicht von Grizl einiges lernen. Erwartet bei diesem Hinweis auf »Rojen v ognju« nicht The Sweet, Journey, Def Leppard, Uriah Heep oder Queen. Erwartet Grizl!
Das Zusammenspiel der Klangbausteine — also die Beiträge der einzelnen Mitglieder des Quintetts — hat einen Reifsprung auf ein höheres Niveau erreicht. Das Album liefert die Kompaktheit des Formats auf einem deutlich höheren Niveau als beide Studiovorgänger, und die Band bietet neben der Intensivierung der musikalischen Qualitäten des Artismus gleichzeitig auch ein unwiderlegbares Zeugnis technischer Finesse — für die in den Mid-Eight-Passagen noch immer genug Raum bleibt, wo sie mit ihrer bildhaften und geistreichen Einfallsreichtum beeindruckt. Das hebt besonders meisterhaft gerade die Entwicklung der abschließenden Komposition des Albums hervor, nämlich des Songs Zver v glavi.
»Rojen v ognju« ist ein starkes Album. Ein Album, das alle Aufmerksamkeit verdient, und ein Album, das mit seinen Vorzügen und seiner reifen Weiterentwicklung unwiderlegbar zeigt, dass Grizl im slowenischen Musikraum zu einer Entität herangewachsen sind, die man sehr ernst nehmen muss. Mit ihrer Retro-Hard-Rock- und Blues-Rock-Natur füllen sie eigentlich eine Genrelücke in unserem Musikraum — und wenn die eine oder andere Phrase Assoziationen an die alten guten ZZ Top, die alten guten Aerosmith, die alten guten Deep Purple (Odhajam naprej), aber auch die alten guten Lynyrd Skynyrd und Big Brother And The Holding Company weckt (die ersten paar Sekunden des einleitenden Zob za zob rufen auf augenzwinkernde Weise einen Teil von Hendrix‘ bekannter Improvisation in Star Spangled Banner auf), hat die Band all das meisterhaft mit slowenischen Texten verwoben — die ein Schulbeispiel für metrisch optimierten Einsatz sind und beweisen, dass auch die slowenische Sprache in der Musik musikalisch-melodisch sein kann. Genau diese gelungene Kollision der slowenischen Sprache mit den klassischen Phrasen des Handwerks der alten Rockschule ist der Trick, mit dem Grizl ihre eigene musikalische Passion erzielen. Deshalb ist die Reflexion, die mir gerade durch den Kopf schoss — dass, wenn Bonamassa sich das ausleihen kann, Grizl das auch dürfen — völlig überflüssig und fehl am Platz. Kurzum: mit dem Album »Rojen v ognju« ist nicht zu spaßen. Für slowenische Verhältnisse ein wirklich wunderschönes Produkt. Wenn wir weitergehen und uns die Veröffentlichungen im heurigen Jahr im slowenischen Musikraum anschauen, hat es definitiv noch keinen Genrekollegen gefunden, der ihm künstlerisch das Wasser reichen könnte. Das könnte noch eine Weile so bleiben. Zumindest bis (ich übertreibe!) irgendwelche Sausages aus dem Schlaf erwachen.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Zob za zob (4:00)
2. Nauči se pasti (5:09)
3. Ti mi povej (5:18)
4. Ogenj in led (5:14)
5. Še en korak (5:06)
6. Muza (3:54)
7. Ujet na soncu (4:51)
8. Odhajam naprej (4:21)
9. Ostali bomo isti (3:51)
10. Zver v glavi (3:38)
Besetzung:
Zoran Zlatič – Gitarre, Gesang
Jure Turel – Gitarre
Matjaž Predanič – Keyboards, Backgroundgesang
Tomi Gregel – Bassgitarre, Backgroundgesang
Ivica Gregel – Schlagzeug
Gastmusikerin:
Anja Kramar – Backgroundgesang

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