Ouvertüre zu Iron Maiden mit British Lion (2023)

0 8.925

Schon einige Monate waren vergangen, seit Iron Maiden angekündigt hatten, ihre neue, kolossale Tournee The Future Past ausgerechnet in Slowenien zu beginnen – und nach grenzenlosem Jubel war die Arena Stožice in Rekordzeit ausverkauft. Doch die Überraschungen für Iron-Maiden-Abonnenten in Slowenien rissen nicht ab. Zunächst machte Bruce Dickinson im März im Cankarjev dom mit der Veranstaltung Jon Lord – Konzert für Band und Orchester Halt, und am Vorabend des D-Days legte auch Steve Harris mit seinen British Lion in der Cvetličarna in Ljubljana einen Stopp ein. Der Parkplatz der Cvetličarna machte uns an jenem sonnigen Samstagnachmittag vor dem Konzert unmissverständlich klar, wo der Hase im Pfeffer liegt; das in Iron-Maiden-Shirts gekleidete Publikum, das die Halle später ordentlich füllte, konnte es kaum erwarten, den Meister Harris aus der Nähe auf einer kleinen Bühne zu erleben.

British Lion werden auf der Tournee von mehreren Vorgruppen begleitet, die sich abwechseln bzw. nicht die gesamte Tournee bestreiten. Beim ersten Tourneetermin stoppten DarkTribe gemeinsam mit den Engländern in Ljubljana. In den ersten Momenten ihres Auftritts lag der Gedanke – angesichts ihres Looks und des klischeehaften Power Metals – durchaus nahe, ob sie vielleicht aus unserem westlichen Nachbarland stammen könnten, aber dem ist nicht so. Naja, nah dran immerhin, denn DarkTribe kommen aus Südfrankreich, genauer gesagt aus Nizza an der Côte d’Azur. DarkTribe haben ihren Opener-Job durchaus solide erledigt, doch ist ihre Musik leider ein durch und durch unorigineller Klon von Stratovarius – und so generisch klingen die Jungs dann auch. Von eingängigen, aber sofort wieder vergesslichen Refrains bis hin zu einem poserartigen Gitarristen im Look eines Bor Zuljan, mit völlig klassischen Power-Metal-Soli und absolut unaufgeregten Riffs sowie einem übertrieben enthusiastischen Frontmann, der trotz der Hitze in der Cvetličarna einen Hoodie trug und sich die Kapuze sogar mehrmals über den Kopf zog. Unterm Strich also eine Band, die vergessen war, sobald sie von der Bühne getreten ist, und die nur ein paar der – naja – enthusiastischsten Italiener überzeugt hat.

Tatsache ist ohnehin, dass der Grund für den Besuch des Samstagkonzerts einzig und allein eines der größten Namen auf den vier Saiten des Metal war: Steve Harris. Ja, wer hätte gedacht, dass ein Bassist jemals den Sänger oder gar die ganze Band in den Schatten stellen würde – aber bei British Lion stimmt das auf den Punkt, worauf eindeutig die Flut an Iron-Maiden-Shirts hinwies, von Einheimischen über Italiener bis hin zu Südamerikanern. Klar ist, dass sich nicht jedes Land die Ehre verdient, das erste Konzert einer Iron-Maiden-Tournee auszurichten (es kann ja immer nur eines sein), und diesmal strömte eine schöne Zahl an Auswärtigen nach Slowenien. Aber bleiben wir bei British Lion, die – Hand aufs Herz – ohne Harris kaum mehr als ihre eigenen Familienmitglieder ins Publikum gelockt hätten. Die Jungs spielen nämlich ganz klassischen Hard Rock mit modernerem Anstrich, der instrumental durchaus stimmig klingt – die beiden Gitarristen meistern ihre Aufgabe souverän und ordentlich, und das Wummern von Harris‘ Bass ist ohnehin allgegenwärtig. Leider hakt es bei der Band gehörig am Gesang von Richard Taylor, der schwach, aufregungslos, langweilig und völlig ohne jeden Funken Energie klingt. Manchmal klingt er wie eine wirklich, wirklich schlechte Version von Chris Cornell, und auch sonst ist der Frontmann ohne besondere Charisma – klar, dass alle Aufmerksamkeit niemand anderem als Steve Harris gehört. Der füllte die Bühne komplett aus, genoss sichtlich die kleinere Bühne und den intimeren Kontakt mit dem Publikum und sang zudem jeden Song von der ersten bis zur letzten Zeile lückenlos mit. British Lion muss man immerhin zugute halten, dass sie fast anderthalb Stunden auf der Bühne standen und praktisch alles spielten, was sie zu bieten haben – von ihren zwei Alben, die live deutlich besser klingen als in den Studioaufnahmen. Am stärksten präsentierte sich dabei das eingängige Legend.

Auch wenn ich British Lion wohl nicht allzu oft auflegen werde, war der Samstagabend ein durchaus zufriedenstellendes Konzert-Event – in erster Linie aber eine schöne Aufwärmrunde für das Sonntags-Spektakel.

Fotos: Nina Grad

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki