Label: Insideout Music
Erscheinungsdatum: 16. 11. 1999
Produktion: The Flower Kings
Albumlänge: 141.07 min (2CD)
Genre: Progressive Rock
Bewertung: 7.5/10
»Flower Power« war das vierte Studiowerk der schwedischen Prog-Revivalisten The Flower Kings und zugleich ihr zweites Doppelkonzeptalbum nach dem Vorgänger »Stardust We Are« (1997). Gleichzeitig war es ihr erstes Album für Inside Out Music sowie das letzte mit Bassist Michael Stolt, dem Bruder von Bandkopf Roine Stolt, den kurz nach der »Flower Power«-Tour der renommiertere und talentiertere Jonas Reingold ablöste.
»Flower Power« war eines der ambitioniertesten Projekte in der bisherigen Geschichte der The Flower Kings, denn es enthielt knapp zweieinhalb Stunden Musik — wobei die erste CD eine über einstündige Komposition namens »Garden of Dreams« beherbergte. Diese Suite war in nicht weniger als achtzehn miteinander verbundene und stilistisch äußerst vielfältige Teile gegliedert. Obwohl die Suite konzeptuell angelegt war, lässt sich kein wirkliches Konzept ausmachen, sondern lediglich ein Haufen absurder Texte ohne Anfang und Ende — das ist das erste Problem, das diesem Album anhaftet und es daran hindert, in die Elite der The Flower Kings-Werke aufzusteigen.
»Garden of Dreams«, das Herzstück der besagten über einstündigen kompositorischen Puzzle-Konstruktion, ist eine etwas anstrengende Ballade, die durch seltsame Effekte stellenweise klingt wie Musik für Kinderschuhe. Leider gibt es auf »Flower Power« einige solcher Füllstücke mit absurden Texten, weshalb es sich kaum lohnt, sie alle aufzuzählen. »Don’t Let The d’Evil In« enthält ein Riff, das dem aus den King Crimson-Klassikern »Circus« und »Dinosaur« nahezu identisch ist, obwohl es sich überwiegend um ein hardrockiges Stück handelt, das ein wenig an die neueren Deep Purple erinnert. »Love Is The Word« zieht vor allem durch exzellente Vokalharmonien und ein abschließendes Akustikgitarrensolo die Aufmerksamkeit auf sich.
Damit war die astronomische Menge an Musik auf der ersten CD noch nicht erschöpft, denn am Ende folgten noch drei weitere Kompositionen, von denen das hervorragende »Astral Dog« das einzige ist, das wirklich erwähnenswert ist und vielleicht sogar den Titel des besten Stücks auf »Flower Power« verdient. The Flower Kings spielen sich durch »Flower Power« hindurch ständig — mit wechselndem Erfolg — an Elementen aus Symphonic Prog (davon gibt es wie gewohnt am meisten), Pop Rock, Art Rock, Jazz Rock Fusion und Hard Rock. Diese werden häufig zu komplexen Mixturen verbunden, von denen nur eine Handvoll einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Die zweite CD enthält ungefähr gleich viel Musik sowie untereinander nicht verbundene Kompositionen, von denen zwei über zehn Minuten lange Epen sind: »Deaf, Numb & Blind« und »Calling Home«. Abgesehen von den genannten »Deaf, Numb & Blind«, »Power of Kindness«, »Corruption« und »Painter« ist der Rest der zweiten CD kaum der Rede wert und wäre als Bonusmaterial auf künftigen The Flower Kings-Alben besser aufgehoben gewesen. Ab »Flower Power« hagelte es für The Flower Kings zunehmend Kritik, auch von einem Teil der Anhänger, die zu Recht die unter zwei Minuten oder gar unter einer Minute langen instrumentalen Füllstücke störten, mit denen die Musikmenge auf diesem Album gestreckt wurde — oder anders gesagt: die mangelnde Kontrolle der Band über die Auswahl der Stücke, die es auf ein Album verdienen.
All das führte dazu, dass nur einige Kompositionen auf »Flower Power« zu beliebten Konzertstandards wurden, während der Rest schnell in Vergessenheit geriet. Manchmal treibt es die ‚Blumenkönige‘ beim Erschaffen absurder Momente und beim Ausleben ihrer skandinavischen Exzentrizität auf »Flower Power« einfach zu weit. Bei den kurzen und qualitativ höchst unterschiedlichen Instrumentalstücken mit Titeln wie »Attack of the Monster Brie«, »Mr Hope Goes to Wall Street«, »Captain Capstan« und so weiter weiß man schlicht nicht, ob man weinen oder lachen soll.
»Business Vamp« und das balladenhafte »All You Can Save«, das mit einem exzellenten, herzzerreißenden Gitarrensolo von Stolt endet, sind Beispiele für erstklassig arrangierte und sinnvolle Kompositionen, von denen es auf »Flower Power« bei einer rationelleren Kompositionspolitik mehr hätte geben können — statt einer Flut kurzer Füllstücke ohne wirklichen Gehalt.
»Flower Power« war ein Album voller Widersprüche und Kontraste, das aufgrund seiner enormen Länge selbst für die eingefleischtesten Fans der ‚Blumenkönige‘ keinen leichten Happen darstellt. Sehr wahrscheinlich wäre das »Flower Power«-Projekt deutlich überzeugender ausgefallen, hätten The Flower Kings es in Form von zwei separaten Alben veröffentlicht, denn es ist schlicht zu viel Musik vorhanden, und die qualitativ hochwertigen Kompositionen gehen allzu oft im Haufen unernster Stücke unter, die sie umgeben. Es wirkt, als hätte die Band nicht entscheiden können, wie sie die guten Songs vom Ballast trennen sollte — und hat dann kurzerhand alles zusammen auf ein deutlich zu langes Album gepackt. Dass dabei alles, mit Ausnahme der unter einer oder zwei Minuten langen Spielereien, auf höchstem Niveau gespielt ist, lässt sich dem Album beim besten Willen nicht absprechen — und dennoch bleiben nach dem Hören von »Flower Power« nur eine Handvoll Kompositionen länger im Gedächtnis, was der Hauptgrund dafür ist, dass es sich nicht unter die besten Werke dieser schwedischen Musikpositivisten einreihen lässt.
Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik
Trackliste:
CD 1 (68:13)
– The Garden of Dreams (59:25) :
1. Dawn (1:33)
2. Simple Song (1:48)
3. Business Vamp (5:03)
4. All You Can Save (5:02)
5. Attack of the Monster Briefcase (3:04)
6. Mr. Hope Goes to Wall Street (1:47)
7. Did I Tell You (3:46)
8. Garden of Dreams (2:40)
9. Don’t Let the d’Evil In (3:12)
10. Love Is the Word (2:50)
11. There’s No Such Night (2:43)
12. The Mean Machine (2:42)
13. Dungeon of the Deep (4:25)
14. Indian Summer (4:14)
15. Sunny Lane (5:26)
16. Gardens Revisited (2:57)
17. Shadowland (2:04)
18. The Final Deal (4:10)
19. Captain Capstan (0:45)
20. IKEA by Night (0:04)
21. Astral Dog (7:59)
CD 2 (72:54)
1. Deaf, Numb & Blind (11:11)
2. Stupid Girl (6:50)
3. Corruption (5:55)
4. Power of Kindness (4:24)
5. Psychedelic Postcard (8:43)
6. Hudson River Sirens Call 1998 (4:47)
7. Magic Pie (8:20)
8. Painter (6:50)
9. Calling Home (11:20)
10. Afterlife (4:35)
Besetzung:
Hasse Fröberg – Gesang, Hintergrundgesang
Roine Stolt – E-Gitarren, Akustikgitarren, Keyboards, Gesang
Tomas Bodin – Keyboards (Albumabmischung)
Michael Stolt – Bassgitarre
Jaime Salazar – Schlagzeug, Perkussion
Hasse Bruniusson – Perkussion, ’seltsame‘ Stimmen
