Testaments Legion im Kino Šiška (2023)

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Endlich ein Konzert am Freitag! Und nicht irgendein Konzert, sondern die Rückkehr der amerikanischen Thrash-Veteranen Testament in Begleitung der kanadischen Thrash-Freaks Voivod! Das Konzert war schon lange vor dem Event ausverkauft, leider lief es aber auch diesmal nicht ganz nach Plan, da die Bay-Area-Thrash-Urgesteine Exodus die gesamte Europatournee absagten, die Testament und Exodus hätten begleiten sollen. Der offizielle Grund für die Absage der Tournee war ein Verkehrsunfall des Bruders von Gary Holt und die daraus folgende Sorge um ihn, im Hintergrund dürften aber auch finanzielle Gründe und immer höhere Tourkosten stecken, die für mehrere Absagen europäischer Tourneen seitens amerikanischer Bands gesorgt haben (Anthrax, Unto Others, …). Wie auch immer, schade um die Absage von Exodus (schade auch, dass nicht z.B. Forbidden eingesprungen sind, die wieder voll durchstarten), aber Voivod und Testament haben den Ausverkauf des Kino Šiška absolut gerechtfertigt und für eine großartige Freitagsatmosphäre gesorgt, die schon vor acht Uhr abends begann, als Voivod ihre ersten kosmischen Riffs anschlugen.

Durch die Absage von Exodus bekamen die kanadischen Thrash-Eigenbrötler zusätzliche Bühnenzeit – und das »Geschenk« nutzten sie mehr als reichlich aus. Snake, Away, Chewy und Rocky legten gleich zu Beginn mit dem Titelkracher des Kultalbums Killing Technology los, und danach ging es nur noch bergauf: Dieses Mal haben wir wohl den bisher besten Voivod-Auftritt bei uns erlebt. Die Kanadier waren auf der Bühne sichtlich bester Laune und durchgehend am Grinsen – wieder stahl Snake die Show mit seinen spastischen Bewegungen, die an einen verletzten Tyrannosaurus erinnerten, während die lockigen Mähnen von Chewy und Rocky die ganze Zeit in der Luft wehten und Away, wie immer, die Drums eindrosch wie Animal aus den Muppets. Die gute Laune von der Bühne übertrug sich im Nu auf die Crowd, und das Publikum rastete bei der kanadischen Kuriosität, die seit vierzig Jahren auf Bühnen ausrastet, immer stärker aus – worauf Snake charmant hinwies. Das Quartett aus Quebec eroberte trotz der Komplexität der Musik mühelos das Publikum in Ljubljana, obwohl Viervierteltakt in ihrem Thrash nur als Anhaltspunkt gilt und es manchmal echt schwer ist, den Kopf im Rhythmus der Musik zu bewegen. Aber Voivod trafen diesmal mit ihrer progressiven Verrücktheit voll ins Schwarze, umso mehr dank der hervorragend zusammengestellten Setlist, in der Sleeves Off vom aktuellen Album Synchro Anarchy mit dem ultraansteckenden Refrain dominierte, dazu das energiegeladene Fix My Heart und als echte Leckerbissen Rise vom Album Phobos, auf dem Eric Forrest in Snakes Fußstapfen trat, sowie Rebel Robot vom Album Voivod, mit dem Jason Newsted die Band aus der totalen Vergessenheit rettete. Voivod verabschiedeten sich nach einer erstklassigen Stunde natürlich mit ihrer Hymne Voivod vom Publikum – in die die gesamte Halle mit einstimmte.

Auch Testament blieben nicht ganz von Problemen verschont: Kurz vor der Tournee gab der legendäre Alex Skolnick bekannt, dass er sich seinen Kollegen aus Sorge um seine erkrankte Mutter erst in der zweiten Hälfte der Tournee anschließen würde. Im Nu sprang Phil Demmel (Vio-lence) an seiner Stelle ein und erledigte seinen Job mit Bravour – und insgesamt waren Testament um Längen, um Längen besser drauf als bei ihrem letzten Besuch im Kino Šiška. Damals hinterließen sie einen leicht bitteren Nachgeschmack wegen zahlreicher unnötiger Solonummern, diesmal war das aber völlig anders. Ursprünglich, vernichtend, kein Schnickschnack – nur erstklassiger Thrash pur von Anfang bis Ende. Testament begrüßte Ljubljana mit dem energiegeladenen Rise Up, und der legendäre »chief« Chuck Billy hatte das Publikum im Nu in seiner Faust und ließ es bis zur letzten Note des abschließenden Klassikers Disciples of the Watch nicht mehr los. Testament bewiesen, dass sie in absoluter Topform sind: Chuck Billy brüllte wie ein wildes Tier, Demmel und Eric Peterson rissen die Saiten, und das Rhythmusgespann ist dank Steve DiGiorgio sowieso unglaublich. Richtig gezeigt hat sich aber der Neue an den Drums, Chris Dovas (Seven Spires), der souverän in die riesigen Fußstapfen der letzten beiden Testament-Drummer Gene Hoglan und Dave Lombardo trat. Dovas bewältigte auch die anspruchsvollen Hoglan’schen »Double-Bass«-Parts ohne Probleme. Aber Testament sorgten nicht nur für eine hervorragende Show – ebenso ausgezeichnet war die Songauswahl, die gleich zu Beginn mit zwei eisernen Klassikern aufwartete: The New Order und vor allem dem mörderischen The Preacher, der das Publikum zum Moshen auf der Treppe trieb. Von da bis zum Ende flogen auch die Fäuste vor der Bühne ständig in die Luft, und die legendären Amerikaner reihten auf der Bühne gnadenlos Kracher an Kracher – vor allem das death-metal-gefärbte D.N.R. und 3 Days in Darkness vom The Gathering wüteten vor der Bühne, dazu das unheilvolle The Haunting sowie Night of the Witch als Neuheit vom aktuellen Album Titans of Creation, bei der Peterson mit seinem Black-Metal-Gesang in den Vordergrund trat. Das Beste haben sich Testament für ganz zum Schluss aufgespart: Mit der Dreiersalve Over the Wall, Into the Pit und Disciples of the Watch explodierte die Šiška ein letztes Mal, und Testament verabschiedeten sich in echter Old-School-Thrash-Manier auf der Bühne – ohne die klischeehaften »we want more«-Rufe.

Fotos: Nina Grad

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