Vinyl-Wiederveröffentlichung des Albums „Lacrimae Christi“ von Videosex – 16. Juni 2023
Das Label Matrix Music Arhiv, das sich um Wiederveröffentlichungen wichtiger Alben aus dem Gebiet des ehemaligen gemeinsamen Staates kümmert, wird nach zwei diesjährigen Wiederveröffentlichungen („La Femme“ von Karlowy Vary und „Ogolelo mesto“ von Borghesia) auf Vinyl erneut das zweite Album von Videosex, einer der legendären Bands der 80er, mit dem Titel „Lacrimae Christi“ herausbringen. Dieses Album von 1985, das auf das revolutionäre Debüt von 1984 folgte, erlebt nun erstmals eine internationale Veröffentlichung. Dafür wurden die Originalaufnahmen remastert, die jetzt auf 180-Gramm-farbigem Vinyl erhältlich sind.
Die Gruppe Videosex wurde 1982 in Laibach gegründet. Ihr gehörten Anja Rupel (Gesang), Janez Križaj (Bass), Iztok Turk (Schlagzeug), Matjaž Kosi (Keyboards) und Nina Sever (Keyboards) an. Die Gruppe erlangte bald allgemeine Aufmerksamkeit in ganz Ex-Jugoslawien, und mit dem ersten Album »Videosex ’84« von 1984 festigte sich ihr Ansehen noch weiter. In den folgenden Jahren schufen sie zahlreiche Hits, traten bei großen und gut besuchten Konzerten auf und erschienen in bedeutenden Fernsehsendungen zu besten Sendezeiten. Die Gruppe löste sich 1992 auf, als Anja Rupel sich für eine Solokarriere entschied.
GESCHICHTE DER GRUPPE 1982–1992
Die Gruppe wurde 1982 gegründet, doch die Besetzung stabilisierte sich erst 1983, als Keyboarder Matjaž Kosi, ehemaliges Mitglied der Rockgruppe Martin Krpan, Schlagzeuger Iztok Turk, ehemaliges Mitglied der Punk-/New-Wave-Bands Kuzle und Otroci socializma, und Bassist Janez Križaj, ebenfalls ehemaliges Mitglied von Otroci socializma, Keyboarderin Nina Sever und Sängerin Anja Rupel in die Gruppe holten. Anja, Tochter der Sängerin Sonja Berce, war damals noch Schülerin und hatte außer dem Singen in Kinderchören und dem Flötenunterricht an der Musikschule keine musikalischen Erfahrungen. Die Idee für den Bandnamen stammte von Turk und Dejan Knez (Laibach). Der Name gefiel Anja anfangs nicht, weshalb sie aus Angst vor der Reaktion ihrer Eltern den Namen Rafael vorschlug.
Ihr Debüt gab die Gruppe im Studentischen Kulturzentrum in Belgrad, wo sie gemeinsam mit Otroci socializma und Katarina II auftrat. Ihr erster Auftritt auf einer größeren Bühne folgte im September 1983 beim Festival Novi rock in den berühmten Laibacher Križanke. Die Gruppe gewann bald treue Fans mit ihrem Synth-Pop-Sound und ihrem trendigen Erscheinungsbild. Ende 1983 veröffentlichten sie ihre erste 7-Zoll-Single mit den Songs „Moja mama“ und „Kako bih volio da si tu“; für Letzteren steuerte Iztok Turk den Gesang bei.
Im März 1984 veröffentlichte die Gruppe ihr erstes Album beim staatlichen Label ZKP RTVLJ, schlicht „Videosex ’84“ betitelt. Das Album enthielt den ersten großen Hit der Gruppe, „Detektivska priča“, einen Song mit einem Text über Detektive auf der Suche nach einer Serienmörderin. Ebenfalls enthalten waren „Ana“ und „Neonska reklama“ sowie einige Instrumentalstücke. Das Album brachte ihnen enorme Medienaufmerksamkeit im gesamten ehemaligen gemeinsamen Staat, und ein Teil der Presse bezeichnete Anja Rupel als Sexsymbol. Nach der Veröffentlichung des Albums verließ Matjaž Kosi die Gruppe und gründete anschließend die Popband Moulin Rouge. Videosex machte als Vierer-Besetzung weiter, auch beim Auftritt beim Festival YU Rock Moment in Zagreb. Im Herbst 1984 traten sie beim Festival MESAM auf und spielten als Vorgruppe von Parni Valjak auf deren großer Tournee.
Im März 1985 veröffentlichte die Gruppe Videosex ihr zweites Album, „Lacrimae Christi“ (Latein für ‚Tränen Christi‘). Das Titelstück ist eine Bearbeitung eines Stücks des deutschen Komponisten Carl Bohm. Als Gastmusiker war der Keyboarder Laza Ristovski (Bijelo Dugme) mit dabei. Die B-Seite der Platte ist im damals aktuellen Pop-Stil mit Swing-Jazz-Elementen aufgenommen. „Sivi dan“ und „Tko je zgazio gospođu mjesec“ wurden zu großen Hits. Im Vergleich zum ersten Album war die Produktion von „Lacrimae Christi“ erstklassig: Es wurden modernste Aufnahme- und Kompositionstechniken eingesetzt (damals standen gerade die ersten Sampler, Sequencer und Computer für die Musikkomposition zur Verfügung). Nach der Veröffentlichung des Albums verließ die Keyboarderin Nina Sever die Gruppe. Im selben Jahr wirkte Anja Rupel am Projekt YU Rock Misija mit, dem jugoslawischen Beitrag zum Live Aid, und Videosex trat beim begleitenden Benefizkonzert im Stadion Crvena zvezda in Belgrad auf.
Das nächste Projekt der Gruppe war das Mini-Album „Svet je zopet mlad“, auf dem sie slowenische Pop-Evergreens aus den 60er-Jahren bearbeiteten. An der Aufnahme wirkten Schlagzeuger Dadi Krašnar (Miladojka Youneed), Keyboarder Andrija Pušić (Na Lepem Prijazni) und das Orchester des nationalen Fernsehens mit. Das Album erschien 1987 und enthielt die Hits „Orion“ (im Original von Katja Levstik), „Vozi me vlak v daljave“ (im Original von Beti Jurković) und „Zemlja pleše“. 1987 spielte Anja Rupel in Franci Slaks Film ‚Hudodelci‘, und 1988 gastierte sie auf dem Album „Let It Be“ von Laibach, wo sie den Hauptgesang für deren Version von „Across the Universe“ (The Beatles) beisteuerte. Sie erschien auch im Musikvideo zu diesem Song, das es auf die Playlists großer Fernsehsender weltweit schaffte, darunter MTV.
1988 kehrte Nina Sever zur Gruppe zurück, während Križaj die Gruppe verließ, aber weiterhin als ihr Produzent tätig blieb. 1990 arbeitete Anja Rupel erneut mit Laibach zusammen – sie sang eine Version des Rolling-Stones-Songs „Sympathy for the Devil“. 1991 veröffentlichte die Gruppe ihr letztes Studioalbum „Ljubi in sovraži“. An der Aufnahme wirkten zahlreiche Gastmusiker mit: Dadi Krašnar, Andrija Pušić, Schlagzeuger Ratko Divjak, Bassist Jani Hace, Gitarrist und Perkussionist Boris Romih, Saxophonist Mario Marolt und andere. Ein Jahr nach der Albumveröffentlichung, 1992, löste sich die Gruppe auf.
DANACH
Nach der Auflösung von Videosex setzte Anja ihre Karriere als Solokünstlerin fort. Sie nahm sieben Soloalben auf. Außerdem moderierte sie mehrere Musik-Shows im Fernsehen und Radio.
Sowohl Turk als auch Križaj wandten sich der Musikproduktion zu. Turk produzierte die frühen Alben von Laibach, während Križaj hauptsächlich Alben von Mainstream-Künstlern aus Slowenien und Kroatien produzierte. 1998 gründete Turk die Gruppe Rotor, die zwei Alben veröffentlichte.
Nina Sever unterrichtete anschließend als Klavierlehrerin und arbeitete später in der Musikindustrie.
1997 erschien das Kompilationsalbum „Arhiv“. Das Album enthielt Songs von allen vier Studioalben sowie acht bislang unveröffentlichte Stücke. Die unveröffentlichten Songs entstanden im Laufe der zehnjährigen Karriere der Gruppe, blieben aber unveröffentlicht, da die Mitglieder nicht mit ihnen zufrieden waren.
1996 coverte die serbische Punk-Rock-Band Goblini den Song „Kako bih volio da si tu“, der auf ihrem Album „U magnovenju“ erschien. 2003 nahm die kroatische Popgruppe E.N.I. eine Coverversion des Songs »Ti si moja roža« auf, die auf ihrem Album „Da Capo“ veröffentlicht wurde.
2006 belegte der Song »Detektivska priča« Platz 57 auf der Liste der 100 besten jugoslawischen Songs aller Zeiten (Radio B92). 2015 wurde das Album „Videosex ’84“ auf Platz 58 der Liste der 100 größten jugoslawischen Alben in der kroatischen Ausgabe des Rolling Stone platziert. Das Album erschien dann 2019 auf Vinyl für den internationalen Markt beim niederländischen Label Rush Hour.
Bandmitglieder:
Matjaž Kosi – Keyboards (1982–1984)
Janez Križaj – Bass, Programmierung (1982–1989)
Anja Rupel – Gesang, Flöte (1983–1992)
Nina Sever – Keyboards (1983–1985; 1988–1992)
Iztok Turk – Schlagzeug, Programmierung (1982–1992)
DISKOGRAFIE
ALBEN
Videosex ’84 – (LP/MC -1984, remasterte CD – 2009, Wiederveröffentlichung LP 2019)
Lacrimae Christi (LP/MC – 1985, remasterte CD – 2009, Wiederveröffentlichung LP 2023)
Svet je zopet mlad (LP/MC 1987)
Ljubi in sovraži (CD / MC 1991)
KOMPILATIONSALBUM
Arhiv (CD, 1997)
SINGLES
„Moja mama“ / „Kako bih volio da si tu“ (7′, 1983)
ALBUM ANHÖREN: ▶︎ Lacrimae Christi | VIDEOSEX | Matrix Music Arhiv (bandcamp.com)
VIDEOS:
VIDEOSEX – Sivi dan | lyrics | – YouTube
VIDEOSEX tko je zgazio gospodju mjesec – YouTube
EINIGE GRUNDLEGENDE INFORMATIONEN ZUM ALBUM „LACRIMAE CHRISTI“ VON VIDEOSEX:
GRUPPE: VIDEOSEX
TITEL: Lacrimae Christi
Format: LP 180g / Gold-Vinyl
Datum der Wiederveröffentlichung: 16. Juni 2023
ean: 3830031970570
cat. no.: MMA03
SEITE A:
SIVI DAN
STAKLENO NEBO
PEJD‘ GA POGLEDAT ANJA
LACRIMAE CHRISTI
SEITE B:
MJESEC
TKO JE ZGAZIO GOSPOĐU MJESEC
JESEN
KLAVIR (I PRAŠINA)
SWING 2002 GTL
STREAM: Lacrimae Christi | VIDEOSEX | Matrix Music Arhiv (bandcamp.com)
KAUF: Lacrimae Christi | VIDEOSEX | Matrix Music Arhiv (bandcamp.com)
