Stan Bush: Dare To Dream

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Label: Cargo Records UK
Erscheinungsdatum: 20. 11. 2020
Produktion: Holger Fath
Albumlänge: 47.14 min
Genre: AOR
Bewertung: 8.0/10


Stan Bush ist ein echter „Überlebender“. Die Achtziger liegen dreißig Jahre zurück. Wer sie wirklich geatmet und gelebt hat, hängt ihnen mit einem schönen Lächeln nach – auch musikalisch. Aber der Mann lässt sich nicht unterkriegen. Mit jedem Album, das er veröffentlicht, schleudert er dich einfach um mehr als 30 Jahre in die Vergangenheit, und dort bleibst du gut drei Viertel einer Stunde feststecken. In diesen sorglosen Achtzigern. Nostalgisch läuft eine Reihe immergrüner Hits aus Zeiten ab, als Rock im Radio gehegt und gepflegt wurde, als in Actionfilmen Superhelden vom Schlage eines Jean Claude Van Damme die Bösewichte zermalmten (Stan Bush steuerte die Musik zu den Filmen „Kickboxer“ und „Startblood“ bei) und Tom Cruise in „Top Gun“ den Himmel unsicher machte.

Mit seinem neuen und insgesamt zwölften Album „Dare To Dream“ – der Mann war schon immer ein Freund des Träumens, sein Album von 2010 heißt schließlich „Dream Of Dreams“ – hat Stan Bush elf neue Songs geliefert, die von Kopf bis Fuß eine Hommage an diese goldene „ferne Vergangenheit“ sind. Der Track „The 80’s“ bringt das im Text genau auf den Punkt. Erstaunlich dabei ist, dass es ihm trotz eines Blicks in eine wohl nebelumhüllte nahe Zukunft gelingt, diesen Fokus sprühenden Optimismus aufrechtzuerhalten.

Die Songs tragen Aufbruchsstimmung, Feierlichkeit und jenen berühmten, wohlig-üppigen Pomp in sich. Die Bombastik, ohne die so ein AOR-Album sofort seiner Essenz beraubt wäre. Positiv aufgeladene Botschaften, bei denen man niemals aufgeben darf, immer seinen Träumen folgen soll, unbekümmert den Weg durchs Feuer gehen muss … Alles ist da. Der Mann erfindet also kein Rad neu, sondern agiert ähnlich wie der „Angus Young des AOR“ – nur in einem anderen Genre-Spektrum. Das Rezept, das er beherrscht und in dessen sicherem Hafen er es genießt, hat er einmal mehr perfekt neu verpackt und serviert. Eines, das immer wieder und wieder zündet. Ganz einfach. „Dare To Dream“ reißt dich augenblicklich und mit überzeugender Wucht gerade 35 Jahre in die Vergangenheit. Stan Bush, der sein gleichnamiges Debüt 1983 veröffentlichte, weiß genau, was er tut, und hat ein glasklares Gespür dafür, was sofort ansteckenden AOR ausmacht.

Das neue Album ist also keine Überraschung mehr. Die Fans wird es wieder begeistern – das ist sicher. Man könnte sagen, es gehört ins goldene Mittelfeld der Bush-Diskografie. Es zählt nicht zur absoluten Spitze, siedelt sich aber in der qualitativen Mitte an. Insgesamt ein sehr starkes Stück Arbeit. Auch dieses Album hat seinen „Rocky“-Moment, nämlich in Heat of Attack – das Album liegt ohnehin Fans von Survivor nahe, was keine Neuigkeit mehr ist. Der Mann bleibt ein Meister des Songwritings. Alle Tracks erreichen eine hypnotisch ansteckende Qualität mit prägnanten Refrains – darunter die bereits erwähnte Heat of Attack, das packende und einprägsame Eröffnungsstück Born To Fight, das als Soundtrack für die japanischen Actionserien BAKI und Kenghan Ashura verwendet wird. Dazu das wunderbare Halbballade A Dream Of Love, die in der Strophe sanft im Stil von Foreigner oder so etwas wie Missin You (John Waite) beginnt, bevor ein starkes Pre-Chorus und ein starker Chorus übernehmen. Einer der atmosphärischen Höhepunkte des Albums.

Das neue Album hat Bush natürlich größtenteils alleine eingespielt. Geholfen hat ihm nur sein treuer Weggefährte Holger Fath, der die Produktion übernahm und Gitarren sowie Bass beisteuerte. Produktionstechnisch klingt das Album messerscharf „eighties“. Okay, die Drums sind programmiert – aber das ist brillant gemacht. Man hört keinen Unterschied. Die Tiefe der Klanglandschaft entsteht durch den ausgeprägten Kontrast zwischen rauschenden Synthesizervorhängen und druckvollen Gitarrenphrasen; im Zentrum steht Bushs ausgezeichneter Gesang, der für AOR wie gemeißelt ist und wie ein guter alter Wein reift.

„Dare To Dream“ packt dich und nimmt dich mit. Ein Album, das die Fans natürlich erwartet haben. Und Bush lässt sich nicht aufhalten. Er folgt blind und treu seiner musikalischen Tradition und seinen Träumen – und er wagt es, zu träumen. Einmal mehr mit echter Leidenschaft! In diesem Tun wird er schlicht und ergreifend zu einer Ikone seines Genres!

Autor: Aleš Podbrežnik


Tracklist:
1. Born To Fight
2. Dare To Dream
3. The Times of Your Life
4. A Dream Of Love
5. The 80’s
6. Live And Breathe
7. Heat Of Attack
8. Dream Big
9. True Believer
10. Never Give Up
11. Home

Besetzung:
Stan Bush – Gesang
Holger Fath – Gitarre, Bass

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