Phoenix
Künstler: Saidian
Label: Metal Heaven
Release: 2006
Bewertung: 2.5/5
Saidian, die deutsche „Power Metal“-Band, die letztes Jahr mit dem Album „For Those Who Walk The Path Forlorn“ debütiert hat, stürmt eifrig durch ihre metallischen Horizonte und Überzeugungen – und da ist auch schon das neue Album „Phoenix“. Die Musik? Nichts leichter als das, komm mit (sagt Melkijad). Es geht los, als würde dir ins Ohr ein klassisches melodisches Hard-Rock-Riff knallen, das von einem Vorhang aus Synthesizern im Hintergrund prächtig aufgespannt wird, und bald steht der typische Edguy-Refrain Ride On A Pheonix vor uns (Strophen? Tra-la-la und Hop-sa-sa:… ashes to ashes, from dust will reborn,… oh mein Kopf…wie oft denn noch? Wie kindisch!). Praise The Lord ist ein Gruß an Sonata Arctica und Stratovarius, mit dem typisch „skandinavischen“ Keyboard-Solo, bei dem du bei so einer Tempo-Demonstration glatt beim „Parkinson-Zittern“ landen kannst.
Produktion? Deutsch. Scharf geschliffene Gitarren, die den Großteil der Melodie tragen und das Klangbild abdecken. Im Kontrast dazu sind die Keyboards in den Hintergrund eingebettet, die erfolgreich für atmosphärische Untermalung sorgen und dem Sound der Band symphonischen „Pomp“ verpassen. Dass Keyboarder von Jahr zu Jahr ein immer wichtigeres Glied moderner Metal-Bands sind, belegt auch der vielseitige Einsatz einer bunten Palette unterschiedlichster Sounds als Füllmaterial für den Hintergrund oder gleich ganzer Solo-Duelle in den instrumentalen Mittelteilen. Der Gesang klingt in den höchsten Lagen eigentlich wie ein Zwischending aus Tobias Sammet (Edguy) und Michael Kiske (ex-Helloween), aber Markus Engelfried wird noch so manchen Teller Žganci verdrücken müssen, bis er die Qualitätslücke schließt, die ihn von diesen beiden Gesangsmeistern des Power Metal trennt. Was im Sound der Band heraussticht, sind die Drums. Dahinter sitzt nämlich Klaus Sperling, der einen so eigenständigen Schlagzeugstil hat, dass du ihn mit Leichtigkeit erkennst, vorausgesetzt natürlich, du kennst Primal Fear, wo der Kerl einst die Felle gegerbt hat. Und das ist noch nicht alles. Die Drums tragen obendrein sogar den unverkennbaren Primal-Fear-„Klaus-Sperling-Ära“-Sound. Ehrlich gesagt vermisse ich ihn bei Primal Fear bis heute sehr. Kurzum: Das Getrommel ist makellos abgespult. Vor allem aber fallen die außerordentlichen Qualitäten in den schnellsten Songs des Albums auf (z. B. Never Surrender). Die Gitarrensoli sind ein echter Geschwindigkeitsleckerbissen aus der Paganini-Schule, und ihr Fans von Speed-Rennen werdet euch riesig über die gebotenen Solo-Duelle zwischen Keyboards und Gitarre freuen. Instrumente und Gesang sind in der Produktion der Platte passend ins Gleichgewicht gebracht und kontrastreich klar hervorgehoben, wobei die Lebendigkeit des Sounds erhalten bleibt (vor allem bei Drums und Gitarren).
Crown Of Creation ist ein atmosphärischer Song im mittleren Tempo, auf dem „Mountain King“ Jon Oliva (Jon Oliva’s Pain, Savatage) als Gast seine Stimme beigesteuert hat. Mit Jon Oliva’s Pain als Vorband haben Saidian letztes Jahr ihr Debüt auf Tour beworben und sich mit dem legendären Oliva offensichtlich bestens angefreundet, was im erwähnten Gastauftritt gemündet hat. Nichts Besonderes.
Saidian sind zweifellos eine technisch sehr hochwertige Band. Die Jungs wissen, wie man einen Riff hinstellt, einen ausdrucksstarken Refrain baut und ein außergewöhnliches Maß an präzisem „Interplay“ liefert. Aber… Insgesamt klingt das Ganze zu klischeehaft. Saidian verpassen so den Zug um ein Jahrzehnt. An Edguy erinnern sie nicht nur im ersten Song, sondern fast immer, wenn im Refrain mehrstimmige Chöre einsetzen (zum Beispiel beim Song See The Light). Never Surrender klingt, als hätte man Primal Fear (Riff des Pre-Chorus) mit Stratovarius (Keyboard-Linien im Refrain) gekreuzt. Die Band versucht, den Hörer vom Staunen über die klischeehaft klingenden Hauptmotive abzulenken, indem sie bravouröse Soli einstreut, was ihr aber nur teilweise gelingt. The Jester mit seinem mittelschnellen Hauptriff, das von einem massiven Synthesizer-Sound unterstrichen wird, ist wieder ein Spaziergang Richtung Primal Fear, den aber der Gesangsansatz abmildert, was heißt, dass du im Refrain schnell wieder in der „happy hour with Edguy“ landest (mehrstimmige Gesangschöre – Refrain). Offenbar zerreißt es die Jungs förmlich vor Beweislust, und das zeigt auch das entschieden zu lange Album! Die Band könnte künftig auch über die Integration eines kräftigeren Sängers nachdenken.
Die Band ist jung und voller Arbeitseifer. Auf der instrumentalen Seite bieten die Jungs eine beneidenswerte technische Qualität, ohne Widerrede. Da funktioniert wirklich alles. Nur eben reichlich unbeholfen, denn beim Hören merkt man ziemlich schnell, dass hier viel zu offensichtlich bei Ideen von Bands Zuflucht gesucht wird, die 10 Jahre vor Saidian aufgetaucht sind und die Saidian in keinem einzigen Punkt bisher übertreffen können. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Die Band hat Talent, hat Potenzial, ist aber noch auf der Suche. Seien wir also geduldig. „Phoenix “ ist ein Album, gemacht für die eingefleischtesten „Power-Metaller“.
Besetzung
Markus Engelfried – Gesang
Markus Bohr – Keyboards
Rodrigo Blattert – Gitarre
Manuel Glassmann – Bass
Klaus Sperling – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Jon Oliva – Gesang auf Crown Of Creation
Produktion
Vagelis Maranis
Tracklist
1. Resurrection (Intro)
2. Ride On a Phoenix
3. Praise the Lord
4. State of Euphoria
5. Fallen Hero
6. Crown Of Creation
7. See The Light
8. Never Surrender
9. The Jester
10. Ride Like the Wind
11. Nine Lives
12. Power And Glory
13. Reign Of Agony
Spielzeit: 64.08