Lilith Cage: Shadows

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Label: Sintetic Production
Erscheinungsdatum: 7. 6. 2021
Produktion: Lilith Cage
Albumlänge: 61.42 min
Genre: Post Punk/New Wave/Alternative Rock
Bewertung: 9.0/10


Lilith Cage sind ein Quintett erfahrener Musiker, die auf der slowenischen Rock’n’Roll-Szene so ziemlich alles gesehen haben. Was sie wollten — und was nicht. Ihr Debüt Shadows entstand über einen langen Zeitraum. Manche Ideen sind mehrere Jahrzehnte alt, warteten aber bis heute auf ihre Umsetzung. Das Album wurde bereits im Herbst 2019 aufgenommen und gemixt, war jedoch erst im August 2020 fertiggestellt. Die Band entschied sich offenbar angesichts der Situation, in der wir seit anderthalb Jahren stecken, ohne zu wissen wohin die Reise geht, den Release noch ein wenig hinauszuzögern. Bis jetzt.

Wenn du diese „gewaltigen“, knapp 63 Minuten Musik auf dich einwirken lässt, wird sofort klar, dass das Material retro-klanglich geprägt ist. Siouxsie And The Banshees? Eine solche These so schnell aus dem Ärmel zu schütteln ist vielleicht etwas voreilig und eine ziemlich radikale Aussage. Aber als schnelle Orientierung für alle, die sich nicht durch Absätze dieses analytischen Essays wühlen wollen, um herauszufinden wo der Hase im Pfeffer liegt, ist dieser erste Anhaltspunkt gar nicht so abwegig.

Also? Post Punk, Dark Wave, New Wave — die Sache kann auch für alle interessant sein, denen der Begriff „Shoegaze“ etwas sagt, dazu ein gotischer Anstrich. Kurzum: In der Musik von Lilith Cage ist die Entfaltung dieser Genres in den Achtzigern deutlich spürbar, wobei das Album Shadows mit einer modernen und sehr zeitgemäßen Produktion daherkommt. Die Produktion ist es tatsächlich, die den Hörer sofort in den Bann zieht. Sofort. Verträumte, dabei theatralische Musik, die immer wieder süßen Schmerz, Melancholie und ungestillte Sehnsucht miteinander verbindet, spricht einen vor allem mit düsterem Pomp und wirkungsvoller Entfaltung einer theatralischen Feierlichkeit an. Achtung: Die Texte sind — mit Ausnahme des italienischsprachigen Chi Se Ne Frega — vollständig auf Englisch, was dem musikalischen Bild phänomenal entgegenkommt.

Die Linien sind einfach, unkompliziert gebaut, ohne jegliche kompositorische Komplikationen — und genau deshalb sind sie musikalisch extrem invasiv. Sie gehen sofort ins Ohr. Das ist das Entscheidende. Die Chemie. Die Band hat hier auf ganzer Linie gewonnen. Besonders durch die Integration von Sängerin Lili Žigo. Die Vocals hallen außerirdisch nach, einladend, mit einem versteckten und kaum zu brechenden dämonischen Charme; gekonnt ist ein Hauch fataler schwarzer Erotik beigemischt, und ihre gelebte Expressivität vertieft den gotischen Moment ebenso wie die mysteriöse Feierlichkeit. Lilith Cage werden von Komponisten mit einer klar ausgearbeiteten musikalischen Vision vertreten, die genau wussten, was sie wollen — und Lili hat tatsächlich jenes perfekte letzte Puzzleteil mitgebracht, das die Geschichte von Lilith Cage zu einem so interessanten musikalischen Erlebnis und Abenteuer hat werden lassen. Bekannt, bis zu einem gewissen Grad nostalgisch und retro-klanglich, und gleichzeitig ungewöhnlich und besonders. Gerade angesichts der Tatsache, dass wir das Jahr 2021 schreiben.

Der einzige Schwachpunkt ist die Spieldauer. Für den Stil und den Sound — oder sagen wir ruhig die Art-Rezeptur des musikalischen Visionärtums der Gruppe — ist das Album mindestens 20 Minuten zu lang, weshalb man das Gefühl nicht loswird, dass sich manche Songs auch nach mehrmaligem Hören zu sehr ähneln. Alles Wesentliche ist gesagt. In höchstens 40 Minuten. Die Gruppe hat es so gemacht, weil sie gespürt hat, dass es richtig ist. Und so ist es auch richtig. Das ist ihr elementares Recht.

Die Bausteine sind im Klangbild so angeordnet, dass sie die gesamte verfügbare Dreidimensionalität sehr gelungen abdecken. Starrende, dicke Basslinien vertiefen das Gerüst der rhythmischen Kinetik, die simpel und durchaus tanztauglich ist, aber überwiegend auf ein mittelschnelles Tempo zielt. Der komprimierte Gitarrensound schlägt einstimmige, musikalisch invasive Linien an, lässt sich gelegentlich aber auch auf massives, dabei kontrolliertes Phrasieren ein, das mit lawinenartiger Klangfülle das gesamte Frequenzspektrum füllt. Darin eingebettet ist der weibliche Gesang, der genau jene Gefühle heraufbeschwört, die in einem der obigen Absätze beschrieben sind. Ein listiges und feinsinniges Schichten von Elementen zu einer Legierung aus künstlerischer Vollkommenheit.

Summa summarum: ein außergewöhnlich ausgereiftes musikalisches Werk, das durch Kompaktheit und hochgradig theatralische Atmosphäre besticht. Shadows verkörpert einen urwüchsigen Alternative-Rock-Charme, mit einer ureigenen Art-Charisma, die mit dem hohen Einsatz der vier Akteure beständig klanglicher und kompositorischer Perfektion nachjagt.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. New Day (04:54)
2. Witches (04:39)
3. Shadows (05:55)
4. Rain of Stars (04:32)
5. Heaven Calls (04:14)
6. Mermaids (04:40)
7. Friday 13 (04:51)
8. Who are You (03:22)
9. Revolutions (04:41)
10. Heart Beat (04:57)
11. Me and You (04:48)
12. Chi se ne frega (05:05)
13. Witches Revisited (04:56)

Besetzung:
Lili Žigo – Gesang
Vili Domijan – Gitarre
Tomi Tršar – Bassgitarre
Matjaž Pegam – Schlagzeug, Perkussion


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