Edenon: Izdih

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Label: KUD Horse Control
Erscheinungsdatum: 19. 7. 2021
Produktion: Edenon
Albumlänge: 32.33 min
Genre: Art Rock / Alternative Rock / Alternative Metal
Bewertung: 9.0/10


Edenon kommen aus der Štajerska-Ecke Sloweniens – genauer gesagt aus dem Savinja-Tal. Celje-Jungs. »Izdih« ist das neue Album, wenn ich richtig zähle das dritte in Folge. Die Band ist seit 1999 am Start, also haben wir es hier mit einem eingespielten Haufen gestandener Musiker zu tun. Eigenes Material sickerte allerdings erst relativ spät an die Oberfläche. 2016 kam das Debüt »Strah pred nespečnostjo«, dem 2019 das Album »Oko v črti« folgte. Die ersten beiden Alben sind unserem Redaktionsteam durch die Lappen gegangen, das dritte – also »Izdih« – hat mir ein guter Kumpel und bekannte Stimme von Val 202 in die Hände gespielt, sodass ich einer Analyse diesmal unmöglich entkommen kann. Zumal einen vom Cover das Röntgenbild eines Brustkorbs anlacht.

Das Album »Izdih« vertieft den klanglichen und stilistischen Kunstanspruch der beiden Vorgänger. Es wirkt besonders ausgereift und durchdacht. Als hätte die Band mit »Izdih« endlich die klare musikalische Richtung und das Rezept gefunden, dem sie in der weiteren Karriere entspannt und ohne jeden Anspruch einfach folgen und sich hingeben kann. »Izdih« ist trotz einer extrem knappen Spielzeit von knapp über einer halben Stunde ein unglaublich ausdrucksstarkes musikalisches Manifest – prägnant vollgepackt mit musikalischer Information. Mit »Izdih« hat die Band ihre ureigene Art-Aura auf faszinierende Weise endgültig definiert. Betrachtet man die bisherige Edenon-Karriere, so wurde dieses selbstgewachsene Art-Wesen mit »Izdih« klarer umrissen als je zuvor.

Das Quartett hat auf »Izdih« also künstlerisch aufgeleuchtet. Es hat ein musikalisches Format gefunden, das von Eklektizismus geprägt ist. »Izdih« ist eine Mischung aus feinsinnigem Klangexperiment und dem Kern der Suche nach Musikalität, die Anziehungskraft erzeugt – diesmal vom ersten bis zum letzten Ton sehr effektiv. Mitsamt dem Intro Deviacija zvezd, das dem Rest des Albums eine hervorragende atmosphärische Startbahn für seinen Abheben legt. Die einzelnen Stücke bieten eine außerordentliche Ideen- und Arrangementvielfalt, und gleichzeitig das klare Signal: So etwas kann nur das Quartett Edenon erschaffen.

Die treibende Kraft in der Band ist vor allem der unglaublich scharfsinnige Gitarrist Mladen Kalinić, dem das alles glassklar ist. Auf dem Album entfaltet er ein beeindruckendes Arsenal – nicht nur an musikalischem Wissen und gitarristischem Können, sondern auch an außergewöhnlichem Gespür und kreativer Erfindungsgabe, um nicht zu sagen: sprühender Kreativität. Es ist atemberaubend, mit welch filigranen Klangtricks er den Klangraum ausreizt. Kurze, prägnante, flexible und entspannte Griffe, die genau an den richtigen Stellen in die Arrangements eingefügt werden – das ist der Generator der unwiderstehlichen Atmosphäre dieses Albums. Die Gitarrenarbeit ist eine Sammlung verschiedenster Klangmanipulationen – Looping, Programmierung – die der musikalischen Natur der Band ihren unverwechselbaren Charakter verleiht. Genau diese Vorhänge, Decken und Verflechtungen von Klangstrukturen verleihen dem Album das Art-Prädikat, das einen zwingt, länger hinzuhören als beim durchschnittlichen slowenischen Alternativrockdokument.

An Düsternis, Theatralik und auch pompöser Feierlichkeit fehlt es »Izdih« nicht. Da wäre zum Beispiel Vonj. Definitiv der Höhepunkt des Albums. Der Höhepunkt künstlerischer Kühnheit. Mit einer Menge unvorhersehbarer Abweichungen durch den Kern des Komponierens, was auf seine Ungebändigtheit, Unzähmbarkeit, Unfassbarkeit hinweist. Ein verzerrter, anklagender Gesang, hinzugefügte „Rudelschreie“ (chorische Ausrufe), ausweglose dunkle Zitterpartien, eine Gitarre, die sich ausgesprochen forschend verhält. Vonj entwickelt sich in knapp vier Minuten fast progressiv. Diesen Song kennzeichnen eine unaufhörliche Arrangement-Steigerung und eine brillant verwobene Serie von Motivumkehrungen.

Jeder Song auf »Izdih« ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Und genau das garantiert die anhaltende Anziehungskraft des Albums – es bietet Abwechslung, die überrascht und beim Hören ständig beschäftigt. Edenon lassen sich dem alternativen Rock und dem Alternative Metal zurechnen, allerdings mit einem starken Standbein in ureigenen Art-Griffen, die sich phasenweise auch mit der Suche nach Pop-Zugänglichkeit anfreunden – was der Band mühelos Sendezeit auf den bedeutenderen slowenischen Radiosendern einbringt (Monokrom, Pridi greva spat). Die Band kann auch die massive Phrase hinlegen, die schärfer, „metallisierter“ anspricht (Prvi svit), um im nächsten Moment mit balladesker, esoterischer Geschmeidigkeit im zarten, schwebenden Rojstvo bližine aufzuwarten, wo geschickt auch die Keyboards eingesetzt werden. Eine besondere Ausnahme ist der Abschlusstrack Pa kaj!, der mit seiner andersartigen Arrangierweise, akustischer Klanglichkeit und dem „Dylanesken“ Extra (Mundharmonika) brilliant aus dem künstlerischen Inhalt des restlichen Albums „ausspannt“ und den Hörer nach einer guten halben Stunde dazu bringt, auf seinem Abspielgerät bedenkenlos erneut auf „Play“ zu drücken.

Mehr als offensichtlich ist, dass Edenon – die schon in der Vergangenheit signalisiert haben, dass sie eine Band sind, auf die man achten sollte – genau mit »Izdih« das gefunden haben, wonach sie mit den beiden vorherigen Alben gesucht haben und was die Aufgabe jeder Band ist: sich selbst in sich zu finden. Auf dem Weg natürlicher Evolution. Das Ding nennt sich ureigener Art-Expressionismus. »Izdih« ist bis heute definitiv das reifste Edenon-Album, und die Band kann sich deshalb entspannt an den Charakter des künstlerischen Ausdrucks des neuen Albums anlehnen und sich von hier aus ganz unprätentiös und frei neuen ideellen Herausforderungen hingeben. Offensichtlich agieren Edenon auch in der veränderten Besetzung des neuen Albums nun viel wirkungsvoller.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Deviacija zvezd (Intro)
2. Monokrom
3. Prvi svit
4. Rojstvo bližine
5. November
6. Pridi, greva spat
7. Vonj
8. Rojstvo tišine
9. Pa kaj!

Besetzung:
Mihael Lajlar – Gesang, Akustikgitarre, Mundharmonika
Mladen Kalinić – E-Gitarre, Hintergrundgesang
Dušan Knežević – Bassgitarre
Mitja Ritlop – Schlagzeug, Synthesizer-Pad, Klavier, Hintergrundgesang

Gastmusiker:
Zvezdana Novaković – Gesang auf Track Nr. 3
Daniel Lajnar – Stimme auf Track Nr. 5


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