Kreator: Krushers Of The World
Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 16. 1. 2026
Produktion: Jens Bogren
Albumlänge: 44.22 min
Genre: Thrash Metal
Wertung: 7.5/10
Da ist er! Endlich! Das sechzehnte Studioalbum der unzerstörbaren deutschen Thrash-Metal-Institution Kreator! »Krushers Of The World«! Man weiß weder wo noch wie man anfangen soll. Das Album ist im Grunde keine Überraschung. Angesichts dessen, was die beiden Vorgänger geliefert haben, ist es das definitiv nicht. Es ist die logische Fortführung der Ausrichtung der letzten beiden Werke. Ein weiterer evolutionärer Schritt nach vorne. Evolutionär? Zyniker würden sagen, es sei regressiv, weil es nichts Neues bringt, weil es lediglich Melodien anderer Metal-Genres einspannt — was bedeutet, dass es in nichts wirklich besonders ist. Von einer Abkehr hat es also nur Sinn zu reden, wenn man es mit den Alben des früheren Kreator-Opus vergleicht. Tatsächlich werden Skeptiker und Anhänger der alten Schule der legendären deutschen Urväter des teutonischen Thrash Metals beim neuen Werk keine besondere Aufregung oder kathartische Begeisterung erleben. Höchstwahrscheinlich werden sie es einfach überspringen. Kreator verinnerlichen ihre Wurzeln natürlich auch auf »Krushers Of The World«, präsentieren sich mit dem neuen Album aber im Glanz moderner Produktionsmittel — und fügen den Arrangements ihrer Kompositionen Elemente hinzu, die sie weiter vom ursprünglichen Thrash-Metal-Format entfernen. Ja. Das kommt mit den Jahren. Mit dem musikalischen Heranwachsen. Und das gilt letztlich auch für den Mann, auf den man dabei seine Hand nicht ins Feuer legen würde. Sein Name: Mille Petrozza. Respekt, trotz allem. Ungeachtet aller Skepsis der Kreator-Puristen aus den klassischen Tagen der Band.
Tatsächlich ist »Krushers Of The World« der nächste Schritt von dem, was die beiden Vorgänger bereits angedeutet haben — wobei das neueste Werk in der Kreator-Diskografie sogar am musikalisch ansprechendsten wirkt. Auf dem Album gibt es einige Ausflüge in eine Richtung, die überraschenderweise auch im Power Metal ihren Platz finden könnten (der Refrain von Satanic Anarchy, das abschließende Loyal To The Grave, der im mittelschnellen Tempo gefahrene Titelsong, und danach Tränenpalast, wo Britta Görtz von Hiraes mit einem sehr gelungenen Death-Metal-Growl im Duett mit Petrozza eintritt). Das ist eines der Elemente, das den Song auf einen besonderen Platz des Albums hebt. Es handelt sich eigentlich um eine düstere kleine epische Sinfonie!
Die Gitarrenarbeit — im Klangbild von Jens Bogrens Produktion eher in der Nähe von melodischem Death Metal angesiedelt — ist auf dem Album schlichtweg brillant. Die Platzierung der Gitarrenharmonien (z. B. im eröffnenden Seven Serpents) ist eine äußerst raffinierte Würze des Albums; sie vertieft wirkungsvoll das dramatische Theaterhafte der Songentwicklung, und die Soli sind eine Geschichte für sich — sie bringen selbst in die Tracks, in denen sich Kreator am stärksten von ihrer traditionellen Klangnatur entfernen, noch genug Dynamik, um in diesen Momenten auch verwöhntere Hörer mühelos zu sättigen und sie beim weiteren Hören des Albums zu halten. Die Entwicklung der Mid-Eight-Passagen (allen voran die Gitarrenarbeit — das Solieren) bleibt eines der attraktivsten Elemente auf »Krushers Of The World«. In dieser Hinsicht retten sie dankbar auch die vorhersehbarsten Songs des Albums, wie das abschließende Loyal To The Grave — das eigentlich fast schon ein waschechter Power-Metal-Song ist — sowie die Titelsingle. Dann ist da Barbarian, wo sich Kreator durch einen schnellen Thrasher-Marsch der Strophenphrasierung, abgewechselt mit einem mittelschnellen melodischen Refrain, den Elementen des melodischen Death Metals annähern; auch hier räumt wieder eine erstklassige Mid-Eight-Passage ab, die erneut die Aufmerksamkeit auf sich zieht und über die weitgehend vorhersehbare Songentwicklung hinwegtröstet.
Kreator bewahren ihre außerordentliche Ausdruckskraft. Mille verliert nicht den Atem. Sein Gesangsvortrag ist bissig — mit unversiegendem Keifen und seinem unverwechselbaren Kreischen hält er Frische und Kraft auch in der reifen Ära aufrecht. Ventor bleibt unerschütterlich! Ein messerscharfer Schlagzeug-Torpedo. Mit seinem verheerenden Doppelbassdrum-Marsch hält er auf dem Album jenes Element am Leben, zu dem Fans der Band so gerne zurückkehren. Auf manchen Albumpassagen liefert er außergewöhnliche Geschwindigkeit. Auch wenn es davon diesmal weniger gibt als in ferner Vergangenheit, beweisen Kreator auch auf dem neuen Album, dass sie nicht vergessen haben, wie man in einem Song außergewöhnliche Geschwindigkeit entfesselt. Das deutet das eröffnende Seven Serpents an; im weiteren Verlauf schließen sich Blood Of Our Blood und Deathscreams an. Die schnelleren Momente des Albums spiegeln die Wurzeln der Thrash-Metal-Pionierarbeit der Band klarer wider. Anhänger der alten Schule werden diesmal über den geringeren Anteil dieser Momente auf dem Album meckern.
»Krushers Of The World« ist ein sehr gutes Album. Es ist hervorragend produziert und bringt Abwechslung. Eine Abwechslung, die die Fans der Band weiterhin polarisieren wird. Es bewahrt die Rohheit, trägt aber gleichzeitig die Gier einer perfekten Anordnung der Klangbausteine in sich, die mit moderner Dichte anspricht. Das Album ist direkt, wie Kreator es immer waren. Kompliziertheit kennt es nicht. Es bringt kurze, prägnante Züge und packt mit großer Wirkung zu. Es macht Spaß, es zu hören. Kreator nähern sich auf dem neuen Album mit Gesten innerhalb der neuen Kompositionen — die eine größere Dosis Musikalität und folglich eine „Weichzeichnung“ des Bandstils ausstrahlen — einem breiteren Publikum an: vor allem jenen, die nicht prioritär die alte Thrash-Schule hören und auch nicht mit den klassischen Alben der Band belastet sind. Und mehr noch: Möglicherweise hören sie vorrangig sogar Power Metal oder leichteren melodischen Death Metal im Stil eines Amon Amarth.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Seven Serpents
2. Satanic Anarchy
3. Krushers Of The World
4. Tränenpalast
5. Barbarian
6. Blood Of Our Blood
7. Combatants
8. Psychotic Imperator
9. Deathscream
10. Loyal To The Grave
Besetzung:
Mille Petrozza – Gesang, Gitarre
Sami Yli-Sirniö – Gitarre
Frédéric Leclercq – Bass
Ventor – Schlagzeug
Gastmusiker:
Britta Görtz – Gesang auf Track 4 und 9
Andy Posdziech – Keyboards, Hintergrundgesang
Jens Bogren – Keyboards, Hintergrundgesang
Magnus Larnhed – Hintergrundgesang
Mathias Färm – Hintergrundgesang
Daniel Gacic – Hintergrundgesang
Alexander Backlund – Hintergrundgesang
Ricardo Borges – Hintergrundgesang
Johan Martin – Hintergrundgesang
