Jeff Lynne’s ELO: From Out of Nowhere

0 314

Erscheinungsdatum: 01.11.2019
Label: Columbia Records
Produzent: Jeff Lynne
Länge: 32:39
Genre: Art Rock
Wertung: 9.5

»From Out of Nowhere« ist das zweite Studioalbum der legendären englischen Band Electric Light Orchestra (ELO) nach ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2014 und der Nachfolger des bemerkenswerten Vorgängers »Alone in the Universe« (2015). Der renommierte englische Multiinstrumentalist, Sänger und Produzent Jeff Lynne hat die Rückkehr seiner Kultband – die neben ihm nur noch Gründungs-Keyboarder Richard Tandy umfasst (dem er auf »One More Time« gnädigerweise das Klaviersolo überlassen hat, während er alle Instrumente auf dem Album, mit Ausnahme einiger Perkussionselemente, für die Toningenieur Steve Jay gesorgt hat, erneut vollständig allein eingespielt hat) – offensichtlich äußerst ernst genommen.

Gleich zu Beginn muss gesagt werden, dass das neue ELO-Album klingt, als wäre Lynne damit in eine Zeitmaschine gestiegen und ins Jahr 1977 zurückgekehrt. Von der Covergestaltung bis hin zur Produktion und Struktur jedes einzelnen Tracks auf »From Out of Nowhere« schreit alles nach Nostalgie und riecht nach den Siebzigern, als ELO auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte waren und ihren größten kommerziellen Erfolg genossen. Das bedeutet, dass langjährige Fans von der ersten bis zur letzten Minute begeistert sein werden. Jeffs Gesangsfähigkeiten sind so gut wie ungebrochen, während die meisten Stücke mit erstklassigen sinfonischen Arrangements aufwarten, wie sie in der ELO-Musik schon immer unverzichtbar waren. Obwohl Jeff in erster Linie Gitarrist ist, hat er alle anderen Instrumente so brillant eingespielt, dass der Hörer überhaupt nicht das Gefühl bekommt, es mit einer „One-Man-Band“ zu tun zu haben.

Einige Tracks auf »From Out of Nowhere« hätten in den Siebzigern wahrscheinlich Hit-Status erreicht – darunter der Titeltrack und gleichzeitig Opener, der klingt wie etwas, das auf dem Kultalbum »Out of the Blue« (1977) hätte stehen können. Mr. Lynne bleibt ein Meister im Aufbau beatlesker Vokalharmonien (ein wunderschönes Beispiel dafür ist »All My Love«), hypnotischer Refrains (besondere Erwähnung verdient »Down Came the Rain«), ätherischer sinfonischer Arrangements (das melancholische »Losing You« trägt besonders ausgeprägt den orchestralen Stempel) und schlichter, aber enorm wirkungsvoller und eingängiger Gitarrenpassagen (hier ist »Sci-Fi Woman« hervorzuheben).

Fans von schwungvolleren Stücken kommen vor allem bei Tracks wie dem bereits erwähnten »One More Time« auf ihre Kosten, das an die ELO-Boogie-Rocker mit sinfonischem Schmuck erinnert, von denen es in ihrer Vergangenheit so einige gab. Bei diesem arrangier- und produktionstechnischen Leckerbissen fällt es schwer, den besten Moment des Albums herauszupicken, da alle Tracks qualitativ annähernd gleichwertig sind – mit einer vollständigen Abwesenheit schwacher Momente.

»From Out of Nowhere« ist wie eine Zeitreise zurück in die goldene Ära von Lynnes ELO – was bedeutet, dass der altgediente Musikkünstler erneut ein Album erschaffen hat, das ganz nach dem Geschmack langjähriger Fans ist. Besonders erfreulich und klug ist auch, dass kein Track länger als dreieinhalb Minuten ist – denn Jeff hat trotz der progrockigen Wurzeln seiner Band nie unnötiges „Aufblähen“ gemocht, das der melodischen und kompakten Struktur seiner Kompositionen schaden könnte.

Die Rückkehr von ELO auf die Musikbühne im Jahr 2014 entwickelt sich mehr und mehr zu einem der besten Musikereignisse der letzten zehn Jahre. Jeff könnte, trotz der „One-Man-Band“-Natur seines Studioschaffen, seine Band ruhigen Gewissens wieder unter ihrem vollen Namen führen – Electric Light Orchestra, also ohne seinen eigenen Namen voranzustellen – doch hat er sich bewusst dagegen entschieden, weil er genug hatte von diversen dubiosen Bands, größtenteils aus ehemaligen Mitgliedern zusammengesetzt, die nach seinen Worten in der Vergangenheit ohne seine Genehmigung den Namen ELO missbraucht hatten.

Autor der Rezension: Peter Podbrežnik

Trackliste:
1. From Out of Nowhere (3:14)
2. Help Yourself (3:12)
3. All My Love (3:05)
4. Down Came the Rain (3:28)
5. Losing You (3:36)
6. One More Time (3:28)
7. Sci-Fi Woman (3:06)
8. Goin‘ Out on Me (3:08)
9. Time of Our Life (3:07)
10. Songbird (3:08)

Electric Light Orchestra:
Jeff Lynne – Gesang, Gitarre, Bassgitarre, Klavier, Keyboards, Schlagzeug
Richard Tandy – Klaviersolo auf „One More Time“

GASTMUSIKER:
Steve Jay – Perkussion

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki