Dukes of the Orient: Freakshow
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 7. 8. 2020
Produktion: John Payne
Albumlänge: 60.20 min
Genre: Art Rock/Hard Rock
Wertung: 7.0/10
Es gab mal ein Computerspiel namens Prince of Persia. Das lief schon auf dem Commodore 64 – damals, Anfang der Achtziger. Na ja, jetzt sind da auch die Dukes of the Orient. Ziemlich bescheuerter Name, oder? Erst recht für eine Band, die stark im AOR-Erbe verwurzelt ist und dazu im Progressive Rock der Siebziger. Das wäre alles zu vernachlässigen, wenn da nicht John Payne mitspielen würde – der Typ, der die kultische AOR-Sensation der Achtziger, nämlich Asia, irgendwie durch eine Zeit ausgeprägter Genre-Irrelevanz gerettet hat: als der Grunge über den Planeten hinwegfegte und danach Bands wie Staind, Nickelback und der Nu-Metal-Boom das Ruder übernahmen. Das ist eine Ära der Band, die vielen Asia-Kennern sogar lieber ist als alles, was Asia in den Achtzigern geschaffen hat, als die vier bekannten Rock’n’Roll-Superstars die Band formten. Payne verdient dafür absoluten Respekt – denn Downes hätte niemals so herausragende Asia-Alben produziert wie die unvergänglichen Studiojuwelen: »Aqua«, »Aria«, »Arena«, »Aura« und »Silent Nation«.
Nun, Dukes of the Orient sind nicht Asia, und Paynes Kompagnon bzw. enger Mitarbeiter in diesem Projekt, der exzellente amerikanische Keyboarder Erik Norlander (Last In Line, Lana Lane Rocket Scientists), ist auch nicht Geoff Downes (Yes). Trotzdem lässt sich alles, was heute in diesem Projekt steckt, mit Paynes Post-Asia-Kreativitätsaura verbinden – er gründete zunächst GPS, fand dann schrittweise über einige Inkarnationen, in denen er versuchte, den Namen Asia zu behalten, seinen Weg zu Dukes of the Orient. Auch auf »Freakshow« ist mit Payne dieser Asia-Geist erhalten, der untrennbar kompositorisch mit seiner Tätigkeit in dieser Band verbunden ist. Ganz einfach: Payne ist ein ganz besonderer Sänger, man erkennt ihn schnell, weil er in jedem Song seinen intensiven Stempel hinterlässt. Das spiegelt sich auch in seinem Kompositionsstil wider. Die Songs ziehen stellenweise automatisch sinnvolle Parallelen zur Asia-Ära der Neunziger, bis hin zum Album »Silent Nation« (2005).
Norlander ist zweifellos ein hervorragender Musiker. Ein vielseitig geschliffener Keyboarder, der in den erprobten, sofort musikalisch ansteckenden Rahmen kompakter Kompositionen geschickt auch Kniffe einschmuggelt, die sich an der Tradition des Progressive Rock der Siebziger orientieren. In dieser vorhersehbaren Rezeptur findet und nutzt er dennoch genug Raum, damit sich sein außergewöhnliches musikalisches Talent entfalten kann – und das ist die Grundlage dafür, dass Dukes of the Orient eine eigenständige musikalische Einheit sind. Was auf diesem Werk wirklich fehlt, sind die Gitarren. In der Produktion und in den Arrangements werden sie vom allgegenwärtigen Keyboard-Maestro Norlander ziemlich deutlich überwältigt. Dazu kommt: Beim Vorgänger, also dem gleichnamigen Debüt von 2018, waren gleich fünf verschiedene Gitarristen dabei, darunter auch der Zauberer von The Aristocrats, Guthrie Govan – was diesmal nicht der Fall ist. Hinzu kommt die Tatsache, dass Paynes Stimme über die Jahre dünner geworden ist: Wenn er die Stimmbänder anspannt, merkt man, dass sie etwas gelitten hat, und wenn er seine charakteristische Stimmmarke entfaltet, klingt er nasaler und verliert damit an der geforderten Durchschlagskraft. Auch wenn die Songs geschickt komponiert sind und arrangementtechnisch überzeugend dastehen und dabei eine angenehme inhaltliche Vielfalt erreichen, klingen sie steril und ohne die richtige verbindende Chemie zwischen den Bausteinen, ohne diese unverwechselbare Magie. Im Sound dominieren Keyboards und Payne zu sehr – Payne, der nicht mehr jene vokale Frische entfaltet, die seine früheren Alben auszeichnete und mit der er so intensiv die atmosphärische Reichweite und die pompöse Sogkraft einzelner Songs belebte.
Direkt und ohne Blatt vor dem Mund: »Freakshow« ist keineswegs ein schlechtes Album – aber mit einigen Einschränkungen. Vielleicht wird ihm Unrecht getan, wenn man es auf die Vergleichswaage mit dem Erbe der hervorragenden Asia-Werke aus der Payne-Ära legt – und doch. Dukes of the Orient sind heute alles, was von Asia übrig geblieben ist. Das lässt sich umso leichter sagen, als Downes sich strikt nur auf die Arbeit mit der aktuellen Yes-Besetzung konzentriert.
Vor allem was den Dynamikschub beim Gitarrenarrangement angeht – die Gitarren wirken auf »Freakshow« zu oft unterlegen und nutzen den vorhandenen Klangraum nicht aus –, wirkt das Album »unfertig« und vermittelt das Gefühl, dass die Beteiligten diesmal im Studio zu früh mit dem Ergebnis zufrieden waren. Ein Projekt mit Potenzial, das sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen hat – doch das Debüt von 2018 bleibt deutlich überzeugender.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. The Dukes Return
2. The Ice Is Thin
3. Freakshow
4. The Monitors
5. Man Of Machine
6. The Last Time Traveller
7. A Quest For Knowledge
8. The Great Brass Steam Engine
9. When Ravens Cry
10. Until Then
Besetzung:
John Payne – Gesang, Bassgitarre, Gitarre
Erik Norlander – Keyboards
Frank Klepacki – Schlagzeug
Alex Garcia (Mayday Parade) – Gitarre
Eric Tewalt – Saxofon
