Devil Seed

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Wolf
Label: Century Media
VÖ: 2014
Laufzeit: 47:14
Wertung: 4/5

Die Band Wolf aus der schwedischen Stadt Örebro sorgte mit ihrem gleichnamigen Debütalbum aus dem Jahr 2000 für eine enorme Bereicherung und Belebung der Metal-Szene an der Jahrtausendwende! Die Musikmassen, die damals vor allem den lauteren Genres zugetan waren, begannen sich wieder stärker auf die Suche nach melodischen Prinzipien im Metal zu konzentrieren. Der Power Metal erblühte und explodierte regelrecht mit den Veröffentlichungen zahlreicher neuer Bands, die sich in diesem Genre versuchten.  Die längst vergessenen deutschen Bands der Achtziger »ergrünten« wieder, und die »Speed«-Metaller der alten amerikanischen Schule kehrten zurück. Und in eben dieser Zeit traten auch Wolf mit ihrem Debüt auf der Bildfläche auf.

Wolf stachen damals etwas heraus, denn sie waren eine der wenigen Bands, deren Sound stark an die Wurzeln der britischen NWOBHM-Bewegung erinnerte. Obwohl Wolf anfangs in ihrer Nachahmung bisweilen übertrieben naiv und geradezu kindlich wirkten und offensichtlich von den Vorbildern abschrieben, die den Metal an der Wende der Siebziger zu den Achtzigern neu definierten, waren sie im Vergleich zu den übrigen frischen Bands, die sich meist im Power Metal versuchten, gerade wegen ihrer »Andersartigkeit« umso sympathischer und interessanter.

Die Jahre vergehen, doch die Band hat sich in ihrer Beharrlichkeit weiterentwickelt — irgendwo ab dem Album »The Black Flame« (2006), als danach der Nachfolger »The Ravenous« (2009) und das großartige »Legions of Bastards« (2011) folgten, ist sie zu einer rundum respektablen Gruppe herangereift! »Devil Seed« ist insgesamt das siebte Studioalbum der Band, die nach wie vor konsequent an ihrer bewährten Formel festhält — NWOBHM-Elemente wiederzubeleben und in die neue Zeit zu überführen, natürlich in einem produktionstechnisch »aktualisierten Gewand«. Bei Wolf  geschieht das durch das skandinavische Gespür für die Grundzüge des Metals. Die Texte sind genretypisch. Vollgepackt mit Okkultismus, Verfolgungsszenarien, rasenden inneren wie äußeren Dämonen, die Blut saugen, Flüchen wahnsinniger Manipulatoren und Hexen. Der Titel »Devil Seed« — »Teufelssamen« — trifft das in dieser Hinsicht auf den Punkt!  Das Album ist erneut kraftvoll mit der Art von Düsternis durchzogen, die das Metal-Genre verlangt. Die Skandinavier verstehen es, Mystik heraufzubeschwören und sie meisterhaft in alles zu verpacken, was sie anfassen — und auch Wolf verleugnen dieses Element nicht. Auch auf dem neuen Album nicht.

Das neue Album ist voll von erstklassigen, old-school-gemäßen Gitarrenphrasen, die einem in ihrer aufrichtigen Herzlichkeit sofort Gänsehaut verursachen. Es ist nicht schwer zu erraten, dass die Arrangements erneut geschickt mit klassisch eingeschliffenen Gitarrenharmonien in Terzen gewürzt sind — ein weiteres typisches Erbstück des NWOBHM-Erbes —, während die Songs von einem brillanten, vollkommen eingelebten und autoritativ befehlenden Gesang angeführt werden, derzeit in Gestalt des einzigen Original- und Gründungsmitglieds der Band,  Sänger Niklas Stålvind. Die Songs besitzen eine faszinierende Dynamik, für die eine Fülle von Stimmungswechseln sorgt. Die engagierten Skandinavier haben nicht nur erneut eine ganze Reihe ansteckend eingängiger Strophen-Refrein-Kombinationen aufgefädelt, sondern liefern wieder außergewöhnlich gelungene Mid-Eight-Passagen, die durch die Kompaktheit der Songs begeistern — obwohl sie aus einer Abfolge vieler ornamentaler Einfälle beider Gitarristen bestehen, die in ihren Lösungen den Sinn für kompaktes Arrangieren bewahren. Die Soli sind dabei das i-Tüpfelchen des Albums! Für Langeweile bleibt keine Sekunde übrig, geschweige denn für Gleichgültigkeit angesichts der entfesselten Wut des tobenden Treibens auf diesem Werk. Das Album ist teuflisch geerdet und fatal anziehend. Es besitzt dämonischen Charme und verführt spielend in den eisigen Sog des Verderbens. Mit dem Gift des Vampirismus besonders intensiv aufgeladen sind Tracks wie Skeleton Witch — durchdrungen von den Flüchen einer wahnsinnigen Frau, die Opfer jagt und aus ihnen Skelett-Trophäen bastelt. Oder gleich dahinter das einmalige Surgeons of Lobotomy, bei dem du anfangen wirst zu schreien vor Schmerz, wenn dir der Bohrer bei lebendigem Leib die Nähte des Schädelgewölbes aufreißt. Ein teuflischer Tanz bestraft nach biblischem Vorbild mit dem tödlichen Staub Hiobs  in der großartigen abschließenden Phantasmagorie namens Killing Floor — was einst auch der »eiserne Flieger« Bruce Dickinson auf seinem Studiomeisterwerk »Chemical Wedding« (1998) besungen hat.

Die schwedischen Heavy-Metal-Revivalisten Wolf haben mit ihrem neuen Werk also ihr reifestes Karrierewerk abgeliefert und dabei die schwierige Aufgabe, das Qualitätsniveau des Vorgängers »Legions of Bastards« zu halten, mit Bravour gemeistert. Das beweist nur, dass Wolf niemals Alben auf Zwang oder gemäß dem Druck vertraglicher Verpflichtungen mit Labels produziert haben. Wolf sind Perfektionisten, und der Fokus der musikalischen Vision  — das Erreichen einer bösartig düsteren, ultimativ finsteren Kälte schauderlicher Atmosphären von Verschwörung und Okkultem — ist sorgfältig abgestimmt auf  ein hohes Maß an melodischer Zugänglichkeit; sagen wir: eine gierige Kombination aus Melodie und der Schlagkraft eines höhnischen Teufelswerks, das einem sofort unter die Haut kriecht. Wenn dir die alte Schule des Metals gefällt, makellos neu verpackt nach dem Vorbild der (schon sprichwörtlichen) skandinavischen Sorgfalt, dann ist das neue Album »Devil Seed« ein Werk, das deine heimische CD-Sammlung mehr als nur aufwerten wird. Hoffen wir, dass Wolf für eine neue Tournee des Metal-Urgesteins Saxon ausgewählt werden — so wie 2003, als die damals noch milchzähnigen Newcomer Wolf die Konzertabende für Saxon eröffneten  und ihr zweites Studioalbum »Black Wings« (2002) vorstellten. 

Besetzung

Niklas Stålvind- Gesang, Gitarre
Simon Johansson – Gitarre, Hintergrundgesang 
Anders Modd – Bassgitarre
Richard Holmgren – Schlagzeug 

Produktion

Jens Bogren

Trackliste

1. Overture In C Shark (2:15)
2. Shark Attack (3:27)
3. Skeleton Woman (4:52)
4. Surgeons Of Lobotomy (4:08)
5. My Demon (3:59)
6. I Am Pain (3:38)
7. Back From The Grave (4:25)
8. The Dark Passenger (5:35)
9. River Everlost (5:20)
10. Frozen (4:14)
11. Killing Floor (5:21)

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