Colllections

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Delphic
Label: Polydor Records
Erschienen: 28.01.2013
Laufzeit: 43:22
Wertung: 2.5/5

Delphic sind eine britische Band aus Manchester, die 2010 mit ihrem Debüt »Acolyte« mit beneidenswertem Erfolg auf sich aufmerksam machte. Die Band demonstrierte darauf gekonnt die Verschmelzung von Tanzrhythmen und alternativer Rockmusik. Modetrend, könnte man sagen. Auch wenn das Ganze spürbar von den musikalischen Richtlinien beeinflusst wurde, die New Order tief in den Achtzigern definiert hatten – »Acolyte« wirkte frisch, ambitioniert, und mit vier veröffentlichten Singles brachte die Gruppe es so weit, dass die entsprechenden Leute aus den Reihen der Musikkonzerne anklopften und sie zur Mitarbeit an einer Kompilations-CD für die Olympischen Sommerspiele in London 2012 einluden. Auf dieser Kompilation machte Delphics Good Life Tracks von Künstlern wie Elton John, Pnau, Muse, The Chemical Brothers und Dizzie Rascal Gesellschaft.

Die genannten Gruppen The Chemical Brothers und New Order – sowie natürlich Orbital – haben Delphic in der Vergangenheit zweifellos inspiriert. Und tun es noch (Dont’t Let The Dreamers Take You Away). Das neue Album bringt jedoch eine Abkehr von den eingeschlagenen Richtlinien des Debüts mit sich. Delphic wollen einen eigenen, wiedererkennbaren musikalischen Charakter entwickeln. So bietet »Collections« verglichen mit dem Vorgänger die Versuchung einer deutlich stärkeren Farbigkeit in den Arrangements und damit Ausflüge in verschiedene Sphären des musikalischen Universums.

Die Stimmung von »Collections« ist verträumt und schwebend – die charakteristischen Wiederholungen der Refrainschleifen sollen Hypnose erzeugen. Trotz ambitionierter Ausrichtung und dem Willen der Gruppe, sich von der vorhersehbareren Rhetorik des Debüts zu distanzieren und ihr Talent für eigenständiges musikalisches Handwerk unter Beweis zu stellen, zündet »Collections« nicht auf hymnische Art, wie es beim Debüt der Fall war. Am nächsten kommt dem hymnischen Element der Eröffnungstrack Of the Young (der in der Strophenmelodie verdächtig nach dem Refrainmotiv von Blood Of Eden von Peter Gabriel klingt) – er trägt jene stadionkompatible eingängige Rhetorik des modernen alternativen Pop-Rock-Modetrends. Auf Haaresbreite kommt ihm The Sun Also Rises nahe, der etwas Post-Punk-Kosmetik mit Anleihen trägt, die sowohl den Achtzigern als auch dem Revival von The Vines, The Horrors und auch Yeah Yeah Yeahs verwandt sind, …

Dennoch lässt sich über das neue Album der Gruppe sagen: Es ist ein Prüfungsalbum. Die Band sucht sich selbst. Sucht ihre Spur. Bei diesen Versuchen ist sie nicht immer besonders erfolgreich. Ein Track wie Exotic (leider der Abschluss) wirkt völlig blutleer und ohne echten Energiefluss, und der Hip-Hop-Einschub will darin einfach nicht so funktionieren, wie man sich das wünschen würde. Ebenso rätselhaft ist das zwar klanglich dichte Freedom Found, das im Refrain überhaupt nicht abhebt. Das Gefühl ist aber, dass Delphic deutlich stärker sind, wenn es darum geht, weichere Klangfarben zu vereinen – also jene, die intensiv mit Elektronik arbeiten. Eine der interessanteren Geschichten des Albums ist der verträumte Track Atlas, mit gelungener Integration einer rhythmischen Dubstep-Schleife, die das ansonsten organische Schlagzeugspiel festigt – darüber schwebt die eingängige Melodik der Hauptmelodien, lieblich eingehüllt in ein Gewand aus sanften Collagen einer elektronischen Klanglandschaft.  

Baiya, die bislang einzige veröffentlichte Single des Albums, zieht gelungene Parallelen zu den neueren Muse; eine ähnliche Beobachtung gilt auch für einen weiteren Track gegen Ende des Albums: Memeo. Zum Teil auch wegen des vokalen Ansatzes. Das Album verliert nach Dont’t Let The Dreamers Take You Away – der sich teilweise auf das Erbe von New Order stützt, leider aber nicht zündet, da es ihm nicht gelingt, zu einem packenden Refrain heranzuwachsen – mit dem abschließenden Exotic an Fahrt. Leider.

Ein Album gemischter Gefühle, das zweischneidig wirken kann. Das dritte wird zeigen, ob Delphic die Übergangsphase bei der Suche nach ihrer musikalischen Identität erfolgreich gemeistert haben – oder ob sie dabei vollständig in Flammen aufgegangen sind. »Collections« ist ein ambitionierteres Werk als sein Vorgänger »Acolyte«, bringt aber gleichzeitig die heikle Erkenntnis mit sich, dass sich in puncto Arrangementarbeit noch ungenutzte Ausdrucksreserven darin verbergen. Hoffen wir, dass der Nachfolger diese nutzen wird. »Collections« ist ein solides Werk mit wirklich starken Momenten (Of the Young, Baiya, Atlas, Memeo), hat aber auch Stellen, die in den Refrainmelodien besser definiert sein könnten.

Besetzung

Richard Boardman – Gesang, Keyboards, Programmierung
Matt Cocksedge – Gitarre, Hintergrundgesang
James Cook – Bassgitarre, Gesang
Dan Hadley – Schlagzeug, Hintergrundgesang auf Track 1

MITWIRKENDE MUSIKER:
Pete Judge – Schlagzeug auf den Tracks 1, 6, 9
Elizabeth Purnell & Savio Pacini – Posaune auf den Tracks 1,9
Vicki Reynolds & Alice Kingham – Waldhorn auf den Tracks 1,9
Robbie Handley – Bassgitarre auf den Tracks 2,8
Stuart Coleman – Bassgitarre auf Track 9
Rebecca Lovell – Hintergrundgesang auf den Tracks 2, 5, 8, 9, 10
Sarah Boardman – Vokal-Sample auf Track 2
Greg B (2morrows Victory) – „Rap“-Einschub auf Track 10
Alyusha Chagrin – „Beatboxing“ auf Track 10

Produktion

Tim Goldsworthy, Bruno Ellingham & Ben H. Allen

Trackliste

1. Of the Young (3:53)
2. Baiya (4:22)
3. Changes (4:29)
4. Freedom Found (4:20)
5. Atlas (6:10)
6. Tears Before Bedtime (2:50)
7. The Sun Also Rises (3:37)
8. Memeo (3:38)
9. Don’t Let the Dreamers Take You Away (5:05)
10. Exotic (4:33)

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