Coheed And Cambria: Year Of The Black Rainbow

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Label: Columbia Records
Erscheinungsdatum: 13. 4. 2010
Produktion: Atticus Ross & Joe Barresi
Albumlänge: 53.56 min
Genre: Progressive Rock / Progressive Metal
Wertung: 7.0/10


»Year of the Black Rainbow« war das fünfte Studioalbum der amerikanischen modernen Progger Coheed and Cambria, auf die die meisten Prog-Puristen wegen ihrer Post-Hardcore- und Emo-Wurzeln lange Zeit etwas herabgeschaut haben — die Nerd-Fraktion wurde nämlich so lange nicht ernst genommen, bis sie anfing, musikalisch zu reifen und unter Beweis zu stellen, warum es sich lohnt, ihrer Musik zuzuhören. »Year of the Black Rainbow« war, wie die meisten Alben dieser Band, ein konzeptuelles Werk und zugleich die Vorgeschichte der komplexen konzeptuellen Tetralogie »Amory Wars«, die auf ihren ersten vier Alben entfaltet wurde. »Year of the Black Rainbow« war außerdem ihr einziges Album mit Schlagzeuger Chris Pennie (ex-The Dillinger Escape Plan) und das letzte mit Bassist Michael Todd.

Zwei Songs vom Album, »The Broken« und »Here We Are the Juggernaut«, erschienen auch als Singles, während die Spezialausgabe von »Year of the Black Rainbow« zwei Bonustracks enthielt — Demo-Versionen von »Chamberlain« und »The Lost Shepherd« — sowie einen Begleitroman aus der Feder des Schriftstellers Peter David. Letzterer ist der Nerd-Gemeinde vor allem als langjähriger Autor von DC- und Marvel-Comics wie Spider-Man, X-Factor, Aquaman, Young Justice, Supergirl usw. bekannt.

Claudio Sanchez, Sänger, Rhythmusgitarrist, Keyboarder und Schöpfer der Coheed and Cambria-Texte und -Konzepte, bezeichnete »Year of the Black Rainbow« schon vor der Veröffentlichung als sehr melodisches Album. Diese Aussage stimmt absolut, wenn man den Stil dieses Albums mit den vorangegangenen vier Coheed and Cambria-Alben vergleicht — aber Sanchez vergaß zu erwähnen, dass »Year of the Black Rainbow« zum Zeitpunkt seines Erscheinens auch ihr härtestes Werk war, mit deutlichem Fokus auf Progressive Metal, was sich schon direkt nach dem kurzen Intro-Instrumental »One« zeigt.

Kurz darauf haut die Band mit dem Energie-Katalysator »Broken« so richtig rein — und das gibt schon einen guten Vorgeschmack auf den Rest des Albums, das insgesamt weniger komplex und weniger unberechenbar ist als frühere Werke. Offensichtlich hatten Claudio und Co. 2010 beschlossen, dass es Zeit für mehr Publicity und kommerziellen Aufschwung war.

Obwohl das Konzept dieses Albums für die sonst so grandiosen und pompösen Coheed and Cambria-Verhältnisse — die wegen ihrer Komplexität für alle ‚Uneingeweihten‘ in die Nerd-Kunstwerke von Herrn Sanchez schlicht unzugänglich sind — ungewöhnlich dünn ausfällt und die Vergangenheit bzw. die Hintergrundgeschichten der Figuren aus der Amory Wars-Saga ziemlich spärlich beleuchtet, ist es musikalisch gesehen eines ihrer interessantesten Werke.

Nach dem völlig misslungenen »Guns of Summer« kommt die Hauptsingle des Albums, »Here We Are Juggernaut«, die bei ihrer Veröffentlichung mit einem nerdigen Musikvideo begleitet wurde und ins Songpaket der beliebten Spielereihe ‚Rock Band‘ aufgenommen wurde. Diesmal handelt es sich um eine ausgesprochen kommerzielle Kreation, die maßgeblich dazu beitrug, dass »Year of the Black Rainbow« 2010 ziemlich weit oben in den Billboard-Charts landete. »Far« hat mehr mit einer Metal-Power-Ballade als mit Progressive Rock zu tun und hinterlässt trotz Claudios großem emotionalem Vokaleinsatz keinen sonderlich tiefen Eindruck.

Den gemischten Eindruck korrigiert »This Shattered Symphony«, das wieder etwas traditionelleres Prog-Metal-Terrain absteckt und mit seiner komplexen Struktur und hektischen Natur eher an frühere Coheed and Cambria-Standards herankommt — Langzeitfans werden es auf jeden Fall zu schätzen wissen. Auch »World of Lines«, das rhythmisch in den fünften Gang schaltet und in Sachen Komplexität leicht mit den ewigen Coheed and Cambria-‚Rivalen‘ im modernen Prog, The Mars Volta, flirtet, kommt dem näher, was die meisten von dieser Band erwarten. »Made Out of Nothing (All That I Am)«, das die Alt-Rock-Wurzeln der Band nicht versteckt und neben Prog Metal auch mit Pop Rock liebäugelt, ist dagegen wieder eine eher kommerziell ausgerichtete Kreation mit einem ausgesprochen melodischen Refrain. »Pearl of the Stars« ist eine ruhige Ballade, die etwas interessanter wirkt als »Far«.

»In The Flame of Error« ist wieder eine traditionellere Prog-Metal-Kreation mit typischen, hektisch gefärbten Sanchez-Vokalakrobatiken und vergleichsweise eklektischen und dynamischen rhythmischen Nuancen. »When Skeletons Live« gehört dank komplexer rhythmischer Nuancen, gelungener Steigerung der atmosphärischen Dramatik und qualitativer Gitarrenharmonien zweifellos zu den Highlights auf »Year of the Black Rainbow«. Das Album schließt mit dem ambitioniert und komplex angelegten »The Black Rainbow«, das nach einem ruhigen Einstieg eine gelungene atmosphärische Verdichtung und dramatische Steigerung bietet. Schade, dass auf »Year of the Black Rainbow« nicht mehr solcher Stücke zu finden sind.

Obwohl Herr Sanchez bei der Veröffentlichung von »Year of the Black Rainbow« vehement behauptete, das sei das bisher beste Coheed and Cambria-Album (wahrscheinlich sagt er das vor der Veröffentlichung jedes neuen Albums), werden dem nur wenige Fans der modernen Progger zustimmen. »Year of the Black Rainbow« ist als Ganzes zwar ein absolut solides Werk, wird aber — neben einem oder zwei totalen Ausreißern wie »Guns of Summer« — auch von einer unverständlich vermatschten, unangenehmen und unpassenden Produktion nach unten gezogen. Diese schwächt den ansonsten durchweg guten Eindruck, den die meisten Stücke auf »A Year of the Black Rainbow« hinterlassen, spürbar.

Claudio und seinen Nerd-Kumpanen ist es — auch wenn das Album bei weitem nicht schlecht ist — nicht gelungen, einen der Prog-Rock-Höhepunkte des Jahres 2010 zu schaffen. Schon bald kamen sie aber mit interessanteren Werken zurück. Ungeachtet seiner Schwächen hat »A Year of the Black Rainbow« bestätigt, warum die Existenz von Bands wie Coheed and Cambria so wertvoll ist: Sie ziehen die (nicht nur nerdige) Metal-Jugend ziemlich erfolgreich in die wunderbare Welt des Progressive Rock und ermöglichen damit die Erweiterung musikalischer Horizonte.

Autor: Peter „Dr. ProgRock“ Podbrežnik

Trackliste:
1. One (1:54)
2. The Broken (3:53)
3. Guns Of Summer (4:47)
4. Here We Are Juggernaut (3:44)
5. Far (4:54)
6. This Shattered Symphony (4:26)
7. World Of Lines (3:17)
8. Made Out Of Nothing (All That I Am) (4:39)
9. Pearl Of The Stars (5:05)
10. In The Flame Of Error (5:28)
11. When Skeletons Live (4:16)
12. The Black Rainbow (7:33)

Besetzung:
Claudio Sanchez – Gesang, Hintergrundgesang, Rhythmusgitarre, Keyboards, Synthesizer
Travis Stever – Leadgitarre, ‚Lap Steel‘, Hintergrundgesang
Michael Todd – Bassgitarre
Chris Pennie – Schlagzeug, Perkussion

Gastmusiker:
Wes Styles – Keyboards
Claudia Sarne – Keyboards & Orchestrierungen auf Track Nr. 9
Brian Dembow – Viola auf Track Nr. 9


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