Cloven Hoof: Time Assassin

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Label: Heavy Metal Records
Erscheinungsdatum: 11. 3. 2022
Produktion: Cloven Hoof
Albumlänge: 41.29 min
Genre: Heavy Metal / N.W.O.B.H.M.
Bewertung: 9.0/10


Cloven Hoof gelten heute als Legenden des Metals. Die Band stammt aus der N.W.O.B.H.M.-Ära, und obwohl sie mit ihrem gleichnamigen Debüt von 1984 den idealen Moment, um sich unter den bedeutenderen Heavy-Metal-Bands zu etablieren, etwas verpasst hat, zählen die ersten drei Alben der Gruppe heute zu den kultigen Errungenschaften dieser Epoche. Die Band produziert und arrangiert heute deutlich moderner, im Einklang mit dem Fortschritt der Studiotechnik sowie der Verzweigung des Genres und seiner Subgenres. Das bedeutet, dass sie im Vergleich zu manchen noch aktiven Generationsgefährten Neuerungen sehr wirkungsvoll mit ihrer Verwurzelung in der Tradition verbunden hat.

Vor allem mit den letzten drei Alben hat die Gruppe die so ersehnte Stabilität gefunden. »Time Assassin« – das insgesamt achte Album der Band – ist der abschließende Teil der Dominator-Saga. Das ist der ’stachelige, gehörnte Stahlonkel‘ voller finsterer Taten, von dem schon in den Achtzigern die Rede war, als die Gruppe das Album »Dominator« (1988) herausbrachte. Das vorherige Album, das in jeder Hinsicht hervorragende »Age Of Steel« (Rockline Rezension), erschienen 2020, hat diese Geschichte wieder aufgegriffen, »Time Assassin« führt sie nun zu Ende. Wie genau, muss jeder für sich selbst herausfinden. Offenbar bringt die Ankunft des Helden (‚Time Assassin‘) die Dinge schließlich ins Lot.

Interessant ist, dass Cloven Hoof nach ihrer Reaktivierung im Jahr 2000 den Eindruck erwecken, mit jedem Album ein kleines bisschen härter klingen zu wollen. Tatsächlich wirkt jedes neue Album brutaler als sein Vorgänger. Das neue Album ist bis heute mit Abstand ihr aggressivstes und gnadenlos zugespitztes Werk. Wesentliche Abweichungen vom Vorgänger findet man nicht, außer dem Gefühl, dass das Album noch vernichtender wirkt als dieser. Wenn der Hörer auf den Opener trifft, insbesondere auf die Abfolge der ersten drei Tracks (Guardians Of The Universe, Liquidator, Lords Of Death), bekommt er die Bestätigung, dass die Band diesmal alle Kräfte darauf ausgerichtet hat, das zerstörerischste Album ihrer Karriere zu erschaffen. Definitiv ist das Album merklich weniger ‚kompliziert‘. Das heißt: Die Arrangements sind schlichter als beim Vorgänger »Age Of Steel« und »Who Mourns For The Morning Star?« (2017, Rockline Rezension), wodurch die Aggressivität des Werks zusätzlich in den Vordergrund tritt. Ihren Teil dazu trägt auch der ausgesprochen aggressive Gesang von Sänger George Call bei, der in seiner Explosivität schlicht unglaublich ist. Er behält seine enorme Kraft auch in schwindelerregenden Vokal-Höhen, wobei er in solchen Momenten an den Ansatz von Tim Ripper Owens erinnert (Liquidator wirkt im Refrain auf eine bestimmte Weise wie ein jüngerer Cousin von Jugulator der Judas Priest). Das ist Calls drittes Album mit Cloven Hoof, und der Sänger liefert auf dem neuen Album in dem, was er beiträgt – vor allem in der Variabilität seines brillanten Gesangs – einmal mehr Höchstleistungen.  

Cloven Hoof haben in die neue Zeit einige Charakteristika mitgenommen, die sie klar und unmissverständlich an ihre Gründung im Jahr 1979 knüpfen. Sie sind ausgesprochen düster und verderblich. Sie vertragen kein arrangiertes ‚Versüßen‘ und keinerlei hymnische Melodien, die auch nur ansatzweise naiv oder fröhlich wirken würden – davon wimmelt es zum Beispiel im heutigen Power Metal nur so. Es handelt sich um eine klassische Heavy-Metal-Band, die auf dem neuen Album einen ausgesprochen aggressiven satanischen Marsch entwickelt, der eher mit Elementen des Speed Metals vergleichbar ist, stellenweise auch mit klassischem Thrash Metal, wenngleich die generationelle Verwandtschaft mit Iron Maiden in jedem Moment des neuen Albums nach wie vor der beste Orientierungspunkt bleibt. Die Phrasierung wird von doppelten Terzharmonien getragen, was schlicht notwendig ist, wenn man aus der N.W.O.B.H.M.-Bewegung kommt. Die Band entwickelt auch Bombast, aber dieser ist ausgesprochen düster und dramatisch. Mehr musikalische Vielfalt an einem Ort vereint auf dem Album die balladenhafte After Forever, die den äußerst aggressiven Einleitungsteil des Albums beruhigt; vor allem aber schleicht sich ein höheres Maß an Musikalität in den zweiten Teil des Albums, wenn sich Beltaine Fire, Highway Man, Tokyo Knights und schließlich Carnival Of Lost Souls aneinanderreihen – letztere wirkt dabei am traditionellsten beziehungsweise oldschooligsten. Auch an Momenten ausgeprägter theatralischer Epik fehlt es nicht, wie sie Beltaine Fire verkörpert, der abwechslungsreichste und in der Arrangements malerischste Punkt des Albums.

Nach allem Gesagten wird »Time Assassin« mit Sicherheit jeden Musikgeschmack befriedigen. Die neueren Anhänger ohrenbetäubender Klangwelten und Hoffnungslosigkeit, aber auch die heutigen ‚alten Haudegen‘, die ihre Jugend in den Achtzigern verbracht haben und in erster Linie auf Traditionalismus schwören. Cloven Hoof sind ein Beispiel für eine heute kultische Band, die gemessen an ihrer Dienstzeit die Einflüsse des Entwicklungsschubs des Power Metals um die Jahrtausendwende mehr als hervorragend aufgesogen hat. Das Album behält den kernigen Blick in die Achtziger, auch wenn es ‚modernisiert‘ ist. Es drückt rechtgläubigen Zorn aus, primordiale Gezacktheit, Wut und echte Verschlagenheit mit einem Hauch Okkult! Hier ist kein Platz für tränenreiche Pathos und Süßlichkeit. Die Arrangements sind jedenfalls großzügig angelegt, hie und da mit einer Gravur von Orchestrierungen versehen, was die Atmosphären wohltuend kontrastiert und die Albumdynamik anhebt. Cloven Hoof haben also noch nicht ihr letztes Wort gesprochen – angesichts eines so engagierten Einsatzes, wie ihn nun in seiner Güte auch das Album »Time Assassin« unter Beweis stellt, ist klar, dass Bandgründer und Bassist Lee Payne und seine Crew noch den einen oder anderen Trumpf im Ärmel haben.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Guardians of the Universe
2. Liquidator
3. Lords of Death
4. After Forever
5. Time Assassin
6. Beltaine Fire
7. Highway Man
8. Tokyo Knights
9. Carnival of Lost Souls

Besetzung:
George Call – Gesang
Chris Coss – Gitarre
Ash Baker – Gitarre
Lee Payne – Bassgitarre
Mark Harris Bristow – Schlagzeug

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