Cloven Hoof: Age of Steel

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Label: Pure Steel Records
Erscheinungsdatum: 24. 4. 2020
Produktion: Cloven Hoof
Albumlänge: 50.15 min
Genre: Heavy Metal
Wertung: 9.5/10


Cloven Hoof sind Legenden des Metal. Die Band, eine Vertreterin der N.W.O.B.H.M.-Bewegung, stammt aus dem britischen Wolverhampton und begann bereits 1979 mit ihrer Arbeit. Sie war bis 1990 aktiv, dann verging noch ein weiteres Jahrzehnt, bevor sie im Jahr 2000 von Lee Payne wiederbelebt wurde – dem einzigen Gründungs- und Originalmitglied der heutigen Cloven Hoof-Besetzung. Seitdem sind Cloven Hoof auf der modernen Metal-Szene durchgehend präsent und veröffentlichen regelmäßig neue Studioalben. Und da ist das neue! »Age of Steel«.

Einige klassische Heavy-Metal-Bands, die Zeitgenossinnen von Cloven Hoof aus dem goldenen Zeitalter des N.W.O.B.H.M. sind, sind heute noch aktiv, doch Cloven Hoof haben sich unter allen am weitesten von jener rohen, versteinerten klassischen Metal-Haltung der Achtziger entfernt – was auch das neue Album bestätigt. Denn auch dieses überträgt die aktuelle, moderne Produktionsfrische seines ausgezeichneten Vorgängers »Who Mourns for the Morning Star?« (2017) und beweist dabei, dass Cloven Hoof ein feines Gespür für die Einflüsse des Power Metal-Booms um die Jahrtausendwende verinnerlicht haben. Das Album bewahrt echten rechtgläubigen Zorn, primordiale Zackigkeit, Raserei und die richtige Verschlagenheit mit einem Hauch Okkultem! Kein Platz hier für sentimentale Wehleidigkeit und Süßlichkeit. Die Arrangements sind dabei großzügig angelegt, hier und da um ein Gravur aus Orchesterklängen ergänzt, was die Atmosphäre dankbar kontrastiert und die Albumdynamik hebt. »Age Of Steel« ist außerdem ein Album von konkreter bombastischer Selbstsicherheit, was besonders in den packenden Refrein-Attacken spürbar wird, die sowohl Fans klassischer Heavy-Metal-Elemente als auch des Power Metal sofort in den Bann ziehen. Nur die Ausdauernden, die Stärksten und die in ihrem Glauben am meisten Entschlossenen überleben – und Payne (mit seinen Gefährten) weiß und versteht das sehr gut, was gleich zu Beginn jenes äußerst destruktive, höhnische, ätzende und blutdürstige Biest namens Bathory ankündigt, mit dem das Album auf riesigen Flügeln düsteren Drama-Theaters davonhebt.

Einige Tracks sind wirklich interessante »modernisierte Kreuzungen« klassischer Old-School-Metal-Elemente und zeitgemäßer Power-Metal-Inhalte, wie es etwa in Touch the Rainbow oder Gods of War unzweideutig zu erleben ist. Das Schwergewicht verlagert sich dabei mal zugunsten des einen, mal des anderen Elements. So ist das ausgezeichnete düstere und epische Alderley Edge so ziemlich das Beste, was Iron Maiden zwischen 1982 und 1988 vergessen haben zu schreiben, während Judas auf nicht weniger markantem Stahl des gitarristischen Phrasierens aus den goldenen Tagen des Metal steht.

»Age of Steel« ist ein Album, mit dem sich die Band intensiv beschäftigt hat. Die Songs sind außerordentlich detailreich. Zugleich sind sie ideenreich und abwechslungsreich, auch wenn sie sich in einer allgemein bekannten Kompositionsformel bewegen. Payne hätte das alleine nicht geschafft, hätte er sich nicht ein ausgezeichnetes musikalisches Team zusammengestellt. Der junge Gitarrist Ash Baker ist eine echte Entdeckung – sein filigranes und ultraschnelles Solospiel kommuniziert wie maßgeschneidert mit der klassischen Metal-Sprache der musikalischen Substanz des Albums. Besondere Aufmerksamkeit verdient Sänger George Call, der über das gesamte Album hinweg eine zerstörerische »Headvoice«-Durchschlagskraft entwickelt, indem er seinen Gesang mit mehr oder weniger Dosen von unheimlicher Kehlig-Rauheit kontrastiert – wobei George im Gesangscharakter auch »operettenhaft rein« sein kann (Judas). Der Gesang ist dominant, verleiht den Songs zusätzliche Musikalität und ist gleichzeitig einer der tragenden Motoren der unglaublichen Eingängigkeit – nicht nur dieses Werks, sondern der neuen Cloven Hoof insgesamt. Das ist ein Album, das qualitativ gleichwertige Höhepunkte besitzt und mit außergewöhnlicher Dynamik und dem Ertrag einer hochvibrant, unheimlich und dunkel-epischen Atmosphäre glänzt. Im Studio haben Cloven Hoof die Gitarrenlinien schichtweise aufgetürmt – eine über die andere –, und der Sound bzw. die Produktion des Albums ist wirklich phänomenal.

Wer mit Cloven Hoof und ihrem Schaffen vertraut ist – wobei man keine Sekunde lang daran zweifeln sollte, dass das unter Slowenen zufällig keine Seltenheit wäre, leider ist das nur eine bittere Lüge –, der weiß, dass »Age of Steel« gerade mal das siebte Album der Band ist. Und wer ihr zweites Studioalbum »Dominator« (1988) kennt, wird die Covers des neuen und des zuvor genannten Albums ziemlich schnell miteinander verbinden. Im Hintergrund des neuen Albums steht nämlich ein Konzept, und Cloven Hoof haben beschlossen, dass es Zeit ist, die unheilvolle Figur namens Dominator zu neuem Leben zu erwecken. Fassen wir den Kommentar von Lee Payne zusammen: »Mit diesem Album kehrt auch die Figur des Dominators zurück, der durch genetische Manipulation wieder zum Leben erweckt wurde, um Tod und Vernichtung durch die gesamte Galaxie zu säen. Der Dominator stellt sein früheres Imperium wieder her, und die konzeptualisierte Geschichte wird auf unserem nächsten Album ihren Abschluss finden!“

Schön, oder? Auf »Age of Steel« wird also eine Fortsetzung folgen. Bis zum nächsten Teil genießen wir indes diesen wirklich ausgezeichneten neuen Studioerfolg der Band – ein Manifest großer Erfahrung, Wissen, Können, außergewöhnlicher Fokussierung, Hingabe und Leidenschaft für die Magie des Heavy Metal. Cloven Hoof sind damit ins Innerste des Urwesens dieser Magie vorgedrungen und haben das Maximum an schöpferischer Aufrichtigkeit geliefert – was auch das eigentliche Ziel jedes wahren Künstlers sein sollte.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Bathory
2. Alderley Edge
3. Apathy
4. Touch The Rainbow
5. Bedlam
6. Ascension
7. Gods Of War
8. Victim Of The Furies
9. Judas
10. Age Of Steel

Besetzung:
George Call – Gesang
Chris Coss – Gitarre
Ash Baker – Gitarre
Lee Payne – Bass
Mark Bristow – Schlagzeug


Cloven Hoof – Gods of War (offizielles Video)
Cloven Hoof – Bathory (offizieller Audiotrack)
Cloven Hoof – Age of Steel (offizieller Audiotrack)
Cloven Hoof – Touch the Rainbow (offizieller Audiotrack)
Cloven Hoof – Apathy (offizieller Audiotrack)
Cloven Hoof – „Age of Steel“ (Albumcover)
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