džeZZva: Naj Bouk Še

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Eigenveröffentlichung
Erscheinungsdatum: 15. 9. 2024
Genre: Jazz / Jazz Rock Fusion
Bewertung: 9.0/10


Die Jazz- und Jazz-Rock-Fusion-Band džeZZva aus dem Prekmurje hat nach drei Studioalben und einem Livealbum beschlossen, dass es Zeit für das erste Best-of-Album ist – also ein Album des Besten, oder wie es auf Prekmurisch heißt: »Naj bouk še«. Schön.

Es handelt sich um eine Band, die stets hochengagiert ist, deren Mitglieder hervorragende Musiker sind und die aus ganz unterschiedlichen musikalischen Hintergründen kommen! Und genau das ist höchstwahrscheinlich der Hauptfaktor, dass wir hier von einem wild gewachsenen Jazz und einer urwüchsigen Jazz-Rock-Fusion sprechen können,  in der sich verschiedene Genres auf anschauliche Weise gegenseitig beäugen und zusammenfinden. »Naj bouk še« enthält zehn Tracks, wobei interessant ist, dass davon gleich fünf Stücke vom aktuellen Album »Clearness« stammen (RockLine Rezension), was bedeutet, dass wir auf »Naj bouk še« mehr als die Hälfte dieses Albums bekommen. Dazu kommen vier Stücke vom zweiten Studioalbum der Band »Sintur« (RockLine Rezension) und eines vom Debüt »džeZZva« (RockLine Rezension), das 2014 erschien – das ist der Track East, der zwischen die ersten drei Tracks (Album »Sintur«) gequetscht ist, gefolgt vom besagten Fünfer-Block der Songs aus »Clearness«.

Die Band hat also beschlossen, auf die chronologische Entstehungsreihenfolge der einzelnen Songs zu pfeifen – genauso wie darauf, ob die Alben gleichmäßiger – ausgewogener – vertreten wären (das Debüt ist zum Beispiel konkret unterrepräsentiert). Aber das ist egal. So will es die künstlerische Freiheit, und die Band hat ihr gefolgt. džeZZva wissen selbst am besten, warum das so ist. Tatsächlich haben die Jungs höchstwahrscheinlich ziemlich lange zwischen den Songs aller drei Alben abgewogen, wobei mehr als offensichtlich ist, dass sie vom künstlerischen Niveau des neuesten und noch immer aktuellen »Clearness« am meisten begeistert sind, das Ende November 2022 erschien.

Das Cover ist tiefblau, darauf Silhouetten von vier Schwalben, die symbolisch für die einzelnen Mitglieder des Quartetts stehen, und um sie herum im Kreis angeordnet die Titel der ersten drei Alben sowie des Livealbums »Live From The Hidden Courtyard« (RockLine Rezension). Das bedeutet, dass auf dem Cover der Kompilation »Naj bouk še« (zumindest symbolisch) die gesamte Diskografie der Band zwischen 2014 und 2022 abgebildet ist!

Die Band kann stolz auf den zurückgelegten Weg der ersten fünfzehn Jahre sein. Das zeigt sofort und unmissverständlich auch die Songauswahl der Kompilation. Allerdings – um die Sache noch würziger zu machen – sollte man im Hinterkopf behalten, dass für »Naj bouk še« Versionen einiger Songs ausgewählt wurden, die zwischen 2014 und 2022 in leicht abweichenden Fassungen aufgenommen worden waren – verglichen mit den Albumversionen. Meist bearbeitet und gekürzt. Noch zu erwähnen: »Naj Bouk Še« ist in zwei physischen Formaten erschienen. CD und Single-Vinyl. Die CD-Fassung enthält neun Songs, das Single-Vinyl drei weniger. Schade. Das ist aber zweifellos eine Frage der Finanzen. Und da die Band alles selbst aus eigener Tasche finanziert, wissen wir, wo wir stehen. Wir können froh sein, dass die Jungs sich überhaupt für physische Tonträger entscheiden – denn viele Bands, die unabhängig agieren, veröffentlichen ihre Alben nur im digitalen Format. Aber džeZZva sind Musiker der alten Schule und wissen, was Musik auf einem physischen Tonträger bedeutet. Das ist eine Art Denkmal, und es ist richtig, dass sie auf den physischen Träger setzen. Sowohl CD als auch Vinyl haben ihre Vorzüge – wahre Fans dieser Band werden sich für beide Formate entscheiden.

Um also die Länge der Originale im Vinyl-Format zu bewahren, hätte džeZZva ein Doppelvinyl herausbringen müssen – das aber erhöht die Produktionskosten eines solchen Musikdokuments erheblich. Trotzdem. »Naj bouk še« ist das erste Musikdokument der Band, das auch im Vinyl-Format erschienen ist, und allein dafür lohnt es sich, sofort danach zu greifen!

džeZZva sind eine hervorragende Band – das ist längst keine Neuigkeit mehr. Ihre einzigartige musikalische Flexibilität, Reaktionsfähigkeit, Symbiose und Eklektik hören nicht auf, zu begeistern und zu belohnen. Klar ist, dass am Horizont neue Eigenkreationen warten, die diese Truppe mit ihrem urwüchsigen musikalischen Abenteuergeist auch künftig mit Schwung umsetzen wird. Und das sollte uns freuen. »Naj bouk še« ist eine wunderschöne Zusammenfassung der ersten Ära der Band und unterstreicht, was für eine besondere und starke Entität džeZZva im slowenischen Musikraum bleiben.

Noch etwas. džeZZva sind das erste Jazz- und Jazzrock-Fusion-Ensemble aus Slowenien mit einer Best-of-Kompilation und gleichzeitig eines der wenigen weltweiten Phänomene in der Jazzwelt, das sich mit einem solchen Dokument rühmen kann.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste (CD-Format):
1. Sedem (12:14)
2. Sintur (6:15)
3. Bruzel (6:28)
4. East (8:05)
5. Drops (9:03)
6. Next Song (7:06)
7. Landing (5:19)
8. So Easy (6:50)
9. Y Not (7:46)


džeZZva – „Naj bouk še“ (Eigenveröffentlichung, 2024)
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