džeZZva : Live From The Hidden Courtyard

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Label: Eigenverlag
Produktion: džeZZva
Bewertung: 9.0 / 10

džeZZva ist, wie der Name bereits andeutet, ein Jazzquartett, das auf der Szene jung und frisch wirkt – hinter eben diesem Namen stecken jedoch die enorme Erfahrung und der reiche Schatz an Erlebnissen von vier erfahrenen und talentierten Musikern aus dem Prekmurje.

Die Band veröffentlichte 2014 ihr gleichnamiges Studioerstlingswerk und setzte damit einen grundlegenden Schritt, der ihr vollständige Glaubwürdigkeit verleiht – nicht nur im eigenständigen Autorartismus, sondern auch was die Eroberung von Konzertbühnen betrifft. Da džeZZva ein Quartett aus vier Musikern ist, die in der Vergangenheit enorm viel gespielt haben und als Einzelpersonen – gemeint ist hier vor allem der außergewöhnliche Keyboarder und Hauptvisionär der Gruppe Dejan Berden – eine Menge eigener, das heißt Autormusik geschaffen haben, ist bereits das Studioerstlingswerk ein Dokument, das als besonderes musikalisches Abenteuer in die Welt eines äußerst kühnen und geglückten Kreuzens durch die Welten des freiheitsliebenden Jazzexperimentierens, des Neoklassizismus und der Folkmusik gilt. Prekmurjanischer geografischer Herkunft.

džeZZva haben in den letzten zwei Jahren zahlreiche Konzertbühnen gesehen, auf denen sie aufgetreten sind und ihre Position nicht nur zuhause, sondern auch auf internationalen Konzertbühnen gefestigt haben – unter anderem bereisten sie die Balkanhalbinsel, und auch Spielstätten nördlich der slowenischen Grenze luden sie ein. Am schönsten ist es aber, wenn man zuhause spielt, vor dem heimischen Publikum, besonders wenn sich ein Konzert aufnehmen und die Aufnahme für eine potenzielle Veröffentlichung als Konzertalbum aufbewahren lässt.

džeZZva sind eine eigenständige Institution, die nach dem Do-it-yourself-Prinzip funktioniert. Sie agieren völlig unabhängig und veröffentlichen so auch ihre Alben. Ein zweites Studiowerk kündigt sich an – die Spatzen pfeifen es bereits von den Dächern –, doch die Jungs haben beschlossen, die zeitliche Lücke zwischen dem Studioerstlingswerk und seinem Nachfolger noch mit einem echten Konzertdokument zu überbrücken. So haben sie (erneut) in Eigenregie Mitte November dieses Jahres das Konzertalbum »Live From the Hidden Courtyard« veröffentlicht, aufgenommen am 20.08.2016 in Murska Sobota. Es enthält ein Repertoire, das die Aufführung fast des gesamten Studioerstlingswerks umfasst; dazu haben džeZZva noch zwei weitere Stücke hinzugefügt: ihre Version von Zorns Ariel sowie als Konzertabschluss einen meisterlich arrangierten jazzfusionistischen Leckerbissen – ihre Version des traditionellen (prekmurjanischen Volkslieds) Ne orji, ne sejaj, mit dem sie durch das große Konzertfinale einen der Aufführungshöhepunkte dieses Konzertalbums geschaffen haben.

Bereits das Studioerstlingswerk wurde in einem Durchgang aufgenommen, nach dem Vorbild eines Konzerts im Studio. Deshalb ist es einzigartig und unwiederholbar. džeZZva haben diese Stücke beim Konzert am 20.08.2016 wiederholt und natürlich erneut einzigartig und unwiederholbar gespielt. Das heißt: anders. Hinzuzufügen ist lediglich, dass jene Momente, in denen das Quartett Improvisationstreibstoff verbrennt, zeitlich zusätzlich gedehnt sind und in ihrer Verspieltheit und ihrem Experimentieren besonders schelmisch und ungezügelt wirken. Diese Beobachtung wird vor allem jene Genießer freuen, die in musikalischer Expressivität von Komplexität und Ungewöhnlichkeit, das heißt Eklektizismus, angezogen werden.

Sucht man nach den Besonderheiten bzw. den interessantesten Momenten dieses Dokuments, sticht unter den Stücken zweifellos das hervorragende IndinA heraus, das über sechzehn Minuten Spielzeit misst und den Zuhörer direkt zum Kern der gesamten musikalischen Essenz dieser Gruppe führt. Es ist nämlich ein äußerst geglückter Kumulus des eigenständigen Jazzdialogs, den die Gruppe in ihrer Vision entwickelt und verwirklicht; dazu fügt die Gruppe äußerst subtile (und gelegentlich kaum wahrnehmbare) Elemente der Folkmusik auf der einen Seite hinzu, auf der anderen des Neoklassizismus – und in der ganzen jazzimprovisatorischen Soße fliegt das Quartett in diesem Stück sogar so weit, dass das Ganze in den Schlusspassagen an Elemente avantgardistischer Free-Jazz-Gepflogenheiten grenzt. Dennoch ist džeZZva eine Gruppe, die durch ihr Spiel durchgehend Hörbarkeit bewahrt. Auch wenn die Soli der Klangelemente auf ihren Höhepunkten sind, kehren diese Elemente stets in ein wahrnehmbares Format von Musikalität zurück (sei es noch so „aufgelockert“), auch wenn sie in eindringlichen Improvisationen fast über den Rand hinausgezogen werden. Deshalb kennt ihre Musik keine Momente arrangementmäßiger Fragmentierung.

džeZZva sind auch Meister im Hervorrufen von Gefühlen, mit denen sie den Zuhörer überaus wirkungsvoll ansprechen. Ein solches Stück ist Spring, das džeZZva durch eine Steigerung von Stimmungen entwickeln, bei denen es nicht schwer ist, sich das Sprießen frühlingshafter Knospen oder das sanfte Gurgeln von Bächen vorzustellen, die voll schmelzenden Schnees des sich langsam verabschiedenden Winters sind und an deren Ufern die ersten Frühlingsblumen hervorlugen. Hervorzuheben ist auch, dass alle Stücke mit außerordentlichem Feuer und Genuss gespielt werden, was hervorragend mit sophistizierten Momenten ausbalanciert ist. Ungeachtet dessen, dass die Musik instrumental ist, interpretieren džeZZva sie so, dass man darin die Leidenschaft brodelnder Gefühle herausschälen kann, zugleich aber auch den echten und packenden Moment der Mystik. Alle Elemente der Klanglandschaft werden intensiv wahrgenommen und öffnen sich in Momenten der Improvisation sinnlich füreinander. In der gesamten Geschichte ragt in der Ausführung des Materials das Klavier von Meister Dejan Berden heraus, das hervorragend ergänzt und unterstützt wird durch den einfühlsamen, organischen und oft wohlklingend in sich versunkenen Sound von Rodežs Gitarre (die sich stellenweise etwas nach Metheny anhört). Dabei bleiben auch die Beiträge der durchgehend aktiv belebten Rhythmuslinie nicht gleichgültig – besonders die Schlagzeugeskapaden von Miran Celec.

»Live From The Hidden Courtyard« ist ein exzellentes Konzertdokument, das außergewöhnlichen Mut beweist und die eigenständige, gewachsene Jazz-Art-Rhetorik eines der interessantesten Instrumentalensembles Sloweniens bestätigt – eines Ensembles, das völlig autonom agiert und im Kern einer beständig wahrheitsliebenden musikalischen Erkundung auf sämtliche Trends pfeift. Angesichts allem, was dieses Konzertdokument zu bieten hat, sind die Erwartungen an das neue Studiodokument von džeZZva sehr hoch.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Če bi jes bijla fčelica
2. Ariel
3. A Little Game
4. East
5. Spring
6. IndinA
7. Ne orji, ne sejaj

Besetzung:
Dejan Berden – Klavier
Iztok Rodež – Gitarre
Mojmir Wolf – Kontrabass
Miran Celec – Schlagzeug, Perkussion

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