džeZZva : Sintur

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Label: Eigenveröffentlichung
Produktion: Dejan Berden
Albumlänge: 58:15
Wertung: 10 / 10
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»Sintur« ist das dritte Album der Gruppe džeZZva aus Murska Sobota und ihr insgesamt zweites echtes Studioalbum. Die Jahre vergehen still, und fast vier davon sind bereits seit der Veröffentlichung des äußerst gewagten Debüts »džeZZva« (2014) vergangen, mit dem die wackeren Prekmurjer ihr musikalisches Dossier streng und klar definiert und mit ihrer musikalischen Brillanz die heimische wie auch ausländische Musikwelt davon überzeugt haben, dass es sich um eine außergewöhnlich qualitätsvolle Gruppe handelt, der es an kreativen Besonderheiten ganz und gar nicht mangelt. Hat Tolmin Feedback, Idrija Divje Jezero, Ljubljana Moonlight Sky, so hat Murska Sobota džeZZva. Vier musikalische Welten bravouröser musikalischer Experimente und vier völlig unterschiedliche musikalische Geschichten, in denen musikalische Feinschmecker sehr schnell gemeinsame Nenner finden und die Musik all dieser vier Geschichten ebenso schnell für sich vereinnahmen können.

Das Quartett džeZZva ist außergewöhnlich erfahren. Dejan Berden, der Ideengeber der Gruppe, hat sich im Laufe seiner Karriere als Komponist einer lebhaften Genrepalette versucht. Er hat ein Dutzend Alben veröffentlicht – sowohl eigene als auch solche, die in Zusammenarbeit mit zahlreichen prominenten Namen der heimischen Musikszene entstanden sind. Er ist ein außerordentlich produktiver Komponist und vielseitiger Musiker, der bis heute eines der am sorgfältigsten gehüteten Geheimnisse der slowenischen Musikszene geblieben ist. Berden haben wir ausführlicher in der Rezension seines Studioalbums »Fluid« vorgestellt. »Sintur« knüpft an Berdenas freigeistigen musikalischen »Abenteuergeist« an und ist ein Album, auf dem džeZZva mit einigen musikalischen Zügen aufwarten, die sie bislang noch nicht ausprobiert haben. Damit das klar ist: Die Prämisse der Tradition wird bei džeZZva auch auf dem neuen Album betont – dieses Gefühl vermittelt vor allem wieder die reichliche Integration des Klaviers von Dejan Berden, das altertümlich hallende Kontrabass von Mojmir Wolf; mehrfach schleichen sich in die Motive Errungenschaften des traditionellen Melos ein, der den Prekmurjer Ebenen entlehnt ist. Obwohl sie nicht dorthin drängen, zieht es sie einfach dorthin – was kaum verwundert, wenn man bedenkt, dass sie auf Prekmurjer Erde aufgewachsen sind.

džeZZva stürzen sich ehrgeizig und mit vollem Elan in den Inhalt des Albums »Sintur«. Sie eröffnen es wuchtig. Mit dem markanten Motiv des Eröffnungsstücks Sintur – doch das Album lockert sich im weiteren Verlauf durch die vollständig fusionistische Mini-Suite Sedem auf. Es handelt sich um eine über zwölf Minuten lange, ambitioniert arrangierte Komposition, die voller motivischer Wendungen, unerwarteter Entwicklungen und Stimmungswechsel steckt.  džeZZva rufen auf genau diesem Stück erstmals reichlicher jenen Schleier der Mystik herauf, vor allem in den Teilen, in denen der subtile Iztok Rodež die Klavier-Eskapaden von Berden im Hintergrund mit Collagen aus Gitarren-Soundscapes »einfärbt«. džeZZva spielen mit großem Genuss, und das spürt man bei jedem Schritt durch die Essenz des neuen Albums. Es ist nämlich außerordentlich herzlich und unglaublich aufrichtig.

Die erste Hälfte des Albums »verheddert« sich gehörig im Stück Svobodno čez obzorje. Den Dialog der lebhaften Improvisationen führen über das gesamte Album vor allem Iztok und Dejan, und genau in diesem Stück erreicht ihr Dialog seinen Höhepunkt. Es ist ein außerordentlicher Jam der Gruppe, der dem Hörer keine Luft zum Atmen lässt. Die Stücke Balldar und das darauffolgende Zimske misli sind geschickt in den mittleren Teil des Albums »Sintur« eingebettet und entlasten den Abenteuergeist der Jazzrock-Fusion der ersten vier Stücke. Beide Stücke sind kompakter arrangiert, die Ausdruckskraft gewinnt an Art-Rock-Charakter mit Umrissen des Progressive Rock, und die Band beweist außerordentliche Feinfühligkeit in der gegenseitigen Wahrnehmung der Musiker sowie große filigrane Exzellenz in der Ausführung selbst. džeZZva steigern ihre Subtilität im Stück Zimske misli. Ein sanftes und zartes Stück, dessen Anmut sich wunderbar an den Charakter des »Erwachens« des Stücks Spring vom Debütalbum knüpfen lässt. Auf dem Album »Sintur« haben sich džeZZva noch einer weiteren Neuheit zugewandt: Sie haben ein Vokalstück geschrieben. Doch der Gesang sucht durchgehend nach unkonventionellen musikalischen Linien, die den Hörer angenehm überraschen und mit ihrer Ungewöhnlichkeit »reizen«. Mit dem außerordentlich frischen und geradezu jungfräulichen Ansatz der Sängerin Lina Rahne liefert das Stück Preplet damit eine der markantesten kompositorischen  Abweichungen des gesamten Albums – und die Mystik der Prekmurjer Ebenen erwacht in diesem Stück wieder kraftvoll zum Leben. džeZZva haben in diesem Stück die Dichtung des Poeten Milan Vincetič vertont. Die Bearbeitung des Volkslieds Ne orji, ne sejaj im weiteren Verlauf des Albums ist so abenteuerlich und jazzrock-fusionistisch aufgelockert, dass man ihr Hauptmotiv kaum flüchtig zu greifen bekommt – und sie wirkt auf dem Album ähnlich wie eines der besten Stücke, nämlich die bereits erwähnte Mini-Epos-Suite Sedem. Gegen Ende »sprengen« sich džeZZva in ihrer Version von Ne orji, ne sejaj solistisch erneut vollständig los. Und das abschließende Bruzel trägt am Ende des Albums einen ähnlichen Effekt wie das eröffnende Sintur. Es bietet das richtige Maß an Verspieltheit und gleichzeitiger motivischer Kompaktheit und hält den Hörer wirkungsvoll fest bei sich, bis zum allerletzten Ende des Albums. Das abschließende Bruzel gründet auf einem »festgenagelten« rhythmischen Fundament und dem Einweben von Arabesken in den Melos selbst. Mit seiner interessanten Struktur und Entwicklung bereitet es den Hörer auf eine erneute Runde mit dem Album vor. »Sintur« vermittelt das allgemeine Gefühl, dass džeZZva bei der Umsetzung ihrer Ideen noch gewagter und mutiger sind als auf dem Debütalbum.

»Erwarte das Unerwartete.« »Sintur« wird dich verzaubern. So wie uns džeZZva mit ihrem Debütalbum 2014 verzaubert haben. »Sintur« ist jedoch ein anderes Album, das den typischen Wagemut des abenteuerlich forschenden Jazzgeistes der Gruppe beibehält, mit einzigartigen und gänzlich unpretentiösen Nuancen des Melos prekmurjischer Herkunft, die das Bild der Stücke eher zufällig und spontan »einfärben«, als dass džeZZva diese Tradition konzise in den Hörer drängen würden. Auch »Sintur« ist, ähnlich wie das Studiodebüt, ein mit viel Spaß eingespieltes Album. Mit einem außerordentlichen Maß an Scharfsinn  und ideeller Frische. Mit teuflischem Dynamit in den Fingern und großer Leidenschaft. Es spricht locker an und im Geist aufrichtiger Wahrhaftigkeit, die keine Ausdrucksgrenzen kennt und keine anerkennt. Den eigenen kreativen inneren Genius in eine einzigartige musikalische Sprache zu gießen. »Sintur« vertieft das einzigartige musikalische Dossier dieser großartigen und äußerst faszinierenden Musikgruppe!

»Sintur« ist ein Album, das mit großer Anziehungskraft anspricht. Wenn du musikalische Ungewöhnlichkeit genießt, die auf wagemutige Weise Tradition und musikalisch-experimentellen Abenteuergeist vereint, wird dich »Sintur« von Anfang bis Ende begeistern. Es packt langsam an. Beim ersten Durchhören schockiert es vor allem und vermittelt sogar das Gefühl, experimenteller zu sein als das Studiodebüt. Mit weiteren Durchläufen aber wirst du das Album für dich beanspruchen, denn du wirst alle Details dieser reichen musikalischen Botschaft nach und nach enthüllen. Schleier für Schleier. Ein hervorragender Leistungsausweis, und ich kann schon jetzt ohne Umschweife sagen, dass es sich um einen der Höhepunkte der diesjährigen Veröffentlichungen im slowenischen Musikuniversum handelt, wenn wir über guten Jazz sprechen. Mit »Sintur« wird sich die Gruppe wieder höchst wirkungsvoll auf die Konzertbühnen internationaler Spielstätten schwingen. Ein Produkt also, auf das sie ungemein stolz sein kann, und von dem man hoffen darf, dass džeZZva es bei künftigen Konzerten von Anfang bis Ende spielen werden. In seiner Gesamtheit also.

Autor: Aleš Podbrežnik

džeZZva – Sintur

Trackliste:
1.Sintur
2. Sedem
3. Tink
4. Svobodno čez obzorje
5. Balldar
6. Zimske misli
7. Preplet
8. Ne orji, ne sejaj
10. Bruzel

Besetzung:
Dejan Berden – Klavier
Iztok Rodež – Gitarre
Mojmir Wolf – Kontrabass
Miran Celec – Schlagzeug, Perkussion

GASTMUSIKERIN:
Lina Rahne – Gesang auf Track Nr. 7

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