Michael Schenker Group (MSG): Universal
Label: Atomic Fire Records
Erscheinungsdatum: 27. 5. 2022
Produktion: Michael Voss & Michael Schenker
Albumlänge: 52.25 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 9.0/10
Michael Schenker braucht keine große Vorstellung. In einem Satz: Es geht um einen Gitarristen, der zur Liga der auserwählten Matadore des Gitarrenspiels gehört – einer, der unzählige junge Gitarristen auf der ganzen Welt inspiriert hat und es noch immer tut. Der Mann ist nicht nur eine Rock-Gitarren-Legende, er ist eine Rock-Gitarren-Ikone. Er gehört zu den ganz wenigen Größten, wenn es ums Sechssaiter-Evangelium geht.
Michael Schenker hat in den letzten Jahren einen neuen Aufschwung, eine neue Inspiration gefunden. Nach den mehr als gelungenen und überzeugenden Alben des Projekts Michael Schenker Fest – »Resurrection« (2018) und »Revelation« (2019, Rockline Rezension) – sowie dem ebenso starken MSG-Vorgänger »Immortal« (2020, Rockline Rezension) meldet sich der legendäre Gitarrist in relativ kurzer Zeit mit einem neuen Studiowerk zurück: »Universal« – und das bestätigt seine außerordentliche Schaffenskraft eindrucksvoll.
Schon der Einstieg ins Album, wenn sich Opening-Track Emergency, das eine Spur musikalischere Under Attack und A King Has Gone – Letzteres mit Michael Kiske (Helloween) am Mikro und Schenkers persönlichem Tribut an Ritchie Blackmore – nacheinander entfalten, macht ohne Umschweife klar: Hier kommt wieder ein überragender MSG-Album. Eines, das sich ohne falsche Bescheidenheit mit den glänzendsten Momenten der MSG-Karriere messen kann – und die reichen natürlich tief in die Achtziger zurück.
Schenker hat auf »Universal« wieder eine bemerkenswert bunte musikalische Truppe um sich geschart. Die Lead-Vocals hat er – wie gewohnt – auf mehrere Sänger aufgeteilt. Neben dem bereits erwähnten Kiske sind das Gary Barden (MSG, im Titeltrack des Albums) und Ralf Scheepers (Primal Fear, im härtesten Stück des Albums, Wrecking Ball); besonders in Szene setzt sich aber auch auf diesem Album das chilenische Vokal-Phänomen Ronnie Romero (Rainbow, Vandenberg, Lords Of Black, Sunstorm, The Ferrymen, ex-Coreleoni), der auch zur aktuellen Konzertbesetzung von MSG gehört. Dann sind da Namen, denen Schenker besonders vertraut und deren Talente er bewundert. Fangen wir mit den Bassisten an: Bob Daisley (Black Sabbath, Rainbow, Uriah Heep), Barry Sparks (Yngwie Malmsteen, Dokken) und Barend Courbois (Blind Guardian, Zakk Wilde). Die Schlagzeug-Schwergewichte werden angeführt vom ikonischen Simon Phillips (Toto, The Who, …), dazu kommen Brian Tichy (Whitesnake, Foreigner, Billy Idol, The Dead Daisies), Bobby Rondinelli (Rainbow, Blue Öyster Cult) und Bodo Schopf (Eloy). Als besonderer Gaststar an den Keyboards ist diesmal kein Geringerer als Tony Carey (Rainbow) mit von der Partie. Ansonsten kann sich Schenker in den letzten Jahren mehr als entspannt auf die Dienste des Multi-Instrumentalisten Steve Mann (Lionheart) verlassen – auch hier nicht unbemerkt geblieben. Das wohl wichtigste Glied in der Kette, gerade was die Korrekturen betrifft, die bei Schenkers unstillbarem Drang nach melodischer Perfektion unerlässlich sind, liefert das Talent und die Erfahrung des abgebrühten Produzenten Michael Voss – und einmal mehr hat sich gezeigt, dass die Chemie zwischen diesen beiden Legenden der deutschen Rockszene einfach brillant funktioniert.
Auch auf diesem Album mit elf „Basis-Tracks“ und zwei Bonus-Stücken hat Michael Schenker die Qualitäten geliefert, die man von ihm erwartet und die man von ihm verlangt. Das Zusammenspiel neo-klassischer und Blues-Elemente mit dem einzigartigen Genie dieses so markanten und besonderen Gitarristen im Rock-Universum bleibt makellos und in vollem Glanz. In dieser Hinsicht erlebt Schenker in seinen reiferen Schaffensjahren nach wie vor eine Art kreative Blütezeit. Eine Renaissance. Die Gitarrensoli in den Mid-Eight-Passagen sind ein Kapitel für sich. Die Magie ist bei ihnen, die Magie einer Berührung, die nur der ganz eigene, unverwechselbare Schenker erzeugen kann. Damit einhergehend ist ein ausgeprägter Charakter eingeimpft, der jede der neuen Kompositionen unverkennbar prägt. Der Mann, der Mythos, die Legende. Ein Teil der Generation der Rock-Pioniere.
Das Album wirkt noch schärfer und zugespitzter als der Vorgänger »Immortal«, dabei gleichzeitig sogar noch fokussierter und konzentrierter. Summa summarum: kompakter und noch weiter ausgefeilter. Der Sound ist opulent, farbenreich und in der Produktion geschickt ausgelotet. Er spricht „old-school“ an – lebendig und organisch. In gewissem Maße weckt er die Zeiten der Siebziger. Vor allem die Mischung aus Hammond und klassisch geformten Gitarrenphrasen packt einen nostalgisch. MSG-mäßig, mit Versatzstücken, die sich Schenker einst, in längst vergangenen Zeiten, bei Rainbow „abgeschaut“ hat. Natürlich mit dem einzigartigen Gitarrenspiel von Schenkers Genie, das auch auf dem neuen Album funkelnd und inspiriert bleibt, dabei gleichzeitig Zügellosigkeit ausstrahlt und mit kühnem Schwung aufwartet, wenn er in der Ausformung der Tracks nach perfekter Musikalität sucht. Das abwechslungsreiche und inspirierende »Universal« packt und hält den Hörer von Anfang bis Ende – einschließlich der beiden Bonus-Tracks. Schenker wirkt darauf jugendlich, strahlt das Feuer der Ungezähmtheit aus und macht deutlich, dass die Geschichte eines der größten Rock-Gitarristen damit noch lange nicht zu Ende ist.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Emergency
2. Under Attack
3. Calling Baal
4. A King Has Gone
5. The Universe
6. Long Long Road
7. Wrecking Ball
8. Yesterday Is Dead
9. London Calling
10. Sad Is The Song
11. Au Revoir
12. Turn Off The World*
13. Fighter*
*… Bonus-Tracks
Besetzung (Konzertbesetzung MSG 2022):
Michael Schenker – Leadgitarre
Ronnie Romero – Gesang
Bodo Schopf – Schlagzeug
Steve Mann – Keyboards, Gitarre
Barend Courbois – Bass
