Michael Schenker Fest: Revelation

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Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 20.09.2019
Produzenten: Michael Schenker & Michael Voss Schön
Albumlänge: 53.41 min
Genre: Hard Rock
Bewertung: 9.0 / 10


Michael Schenker gilt als ikonischer Gitarrist, der zugleich das Zepter einer Gitarrenfigur von historischem Wert für die Hard-Rock-Pionierzeit in Händen hält. Mit seiner langjährigen Präsenz auf der Musikszene, seinem einzigartigen Stil und Ansatz sowie der ausdrucksstarken Breite seiner musikalischen Wahrnehmung hat er wesentliche Elemente zur Festigung und Entwicklung von Hard Rock und Heavy Metal beigetragen. Besonders die Kreuzung von Blues-Rhetorik mit Neoklassizismus, ähnlich wie bei Richie Blackmore, sowie der Aufbau eines Dialogs dieser Rhetorik im Dienst der Mission namens Rock ’n‘ Roll. Der legendäre Musiker erlebt in seinen reifen Jahren eine wahre Renaissance. Das bestätigte zunächst das Album »Resurrection«, das vor zwei Jahren unter dem Namen Michael Schenker Fest erschien. Für sein neu gefundenes »Fest« hat Schenker Sänger unter seine Fittiche versammelt, die auf seinen bedeutendsten MSG-Alben gesungen haben (McAluley, Barden, Bonnet) beziehungsweise in seinem »Temple Of Rock« (Doogie White). Alle vier Hauptsänger also! Dazu hat er erneut den ikonischen Bassisten Chris Glen (MSG) zur Zusammenarbeit eingeladen. Da ist Steve Mann, der hervorragende Gitarrist und Keyboarder, der in der Ära der McAuley Schenker Group-Alben mitgewirkt hat und gemeinsam mit dem ehemaligen Iron Maiden-Mann Dennis Stratton die legendären Lionheart leitet. Mit Schenker hätte sicherlich auch Schlagzeuger Ted McKenna auf »Revelation« zusammengearbeitet, wenn ihn nicht unlängst die allseits bekannte klappernde Alte mit der Sense auf die Schulter getippt hätte. An seiner Stelle ist für »Revelation« der Deutsche Bodo Schopf ans Schlagzeug gesprungen, der, genau wie Mann, in der Ära der McAuley Schenker Group mit Schenker zusammengearbeitet hat. Diese so erneuerte Truppe gestandener Haudegen ist tatsächlich in neuen Zeiten die authentischste Reflexion von allem, was Schenker mit MSG (in den verschiedenen Epochen seines Wirkens) gemacht hat.

Schon »Resurrection« hat bewiesen, dass Schenker nach langer Zeit wieder den richtigen »Momentum« gefunden hat, mit dem er auf den Flügeln neu gefundener riesiger Inspiration reitet – was ihm die Erschaffung wirklich ansprechender und prägender Kompositionen der rechtgläubigen Hard-Rock-Schule ermöglicht. Genau das bestätigt auch »Revelation«. Das Album packt einen sofort. Von Anfang bis Ende. Unglaublich, denn der zeitliche Abstand zwischen beiden Alben ist sehr gering. Schenker hat sich selbst wieder gefunden in der Gesellschaft alter MSG-Kumpel. Ein Wiedersehen alter Bekannter, auf das man sehr lange warten musste.

Michael hat die Rollen unter die Hauptsänger wieder sorgfältig und feinfühlig aufgeteilt. Wo zum Beispiel Bonnet auftaucht, bekommt ein Stück automatisch eine düstere Ladung. Kein Wunder, dass er sich so perfekt in die Alben der Band Impelitterri eingefügt hat. So ist etwa The Beast In The Shadow ein erstklassiger Hard-Rock-Knaller, prall gefüllt mit Düsternis und zugleich außerordentlicher musikalischer Ausbeute.  Die Bezeichnung »Fest« gewinnt in alldem ihre glaubwürdige Bedeutung vor allem in den Momenten, wo die Hauptvokale Verse miteinander tauschen, wie beim eröffnenden Rock Steady mit seiner großartigen Atmosphäre, die den Hörer gleich zu Beginn anspricht und die Piste in das Abenteuer der Grundfesten des Hard Rock als Genre ebnet. Etwas später zeichnet in der Kombination aller vier Vokalstimmen Sleeping With The Light On eine der eingängigsten Refrain-Melodien des Albums »Revelation«. Under A Blood Red Sky mit Barden am Hauptgesang trägt eines der luzidesten und funkelndsten Riffs des neuen Albums, das dem genialen Schenker kürzlich eingefallen ist. Eine Komposition, die jene Perfektion des Komponierens erreichen würde wie Warrior vom Vorgängeralbum, können wir zwar nicht ausrufen, doch sind die Kompositionen qualitativ unglaublich ausgewogen untereinander! Die Hauptvokale liefern eine außerordentlich kontrastreiche Bandbreite zwischen den Tracks und tragen damit wesentlich zur dynamischen Wellung der Stimmungen und Atmosphärenwechsel auf dem Album bei. Sie setzen also das entscheidende Tüpfelchen auf dem »i« zur ohnehin außerordentlichen Ansteckungskraft des Gitarrenspiels des sensiblen Zauberers Schenker, dem es an Energie und Einfallsreichtum keinen Augenblick lang mangelt. Behind the Smiles (mit einer neuen hervorragenden Refrain-Melodie, in der Doogie White glänzt) gibt sich bis ins Mark deutsch! Tatsächlich ist die Einleitung äußerst »deutsch« anregend und könnte zugleich einen klassischen Bier-Refrain in einer Augustiner-Kneipe darstellen oder die Idee für das Motiv einer Beethovenschen Sinfonie liefern. Das ist jene Luzidität des gereiften Fuchses, mit der er so angenehm und amüsant neckt und überrascht – beständig auch auf »Revelation« – und deswegen ist er über die Jahre so sehr geschätzt und geachtet worden.

Um nicht zu ausschweifend zu werden: »Revelation« ist tatsächlich genau das, was wir uns im Stillen lange von Michael Schenker gewünscht haben und wovon wir wussten, dass er es erschaffen kann – was ihm allerdings eine ganze Weile nicht gelungen war mit zwar soliden, aber oft eher durchschnittlichen Werken der letzten MSG-Album-Ära oder dann durch die Ära von  Michael Schenker’s Temple Of Rock.

Überraschend ist, dass alle neuen Stücke erneut kompositorisch außerordentlich ausgefeilt sind, ein hohes Maß an Detailarbeit tragen und eine unglaubliche dynamische Geschmeidigkeit beziehungsweise theatralisch packende Ausbeute in  der Verknüpfung zwischen Strophe, Pre-Chorus und Refrain aufweisen. Die dramatische Steigerung ist klar definiert, der Crescendo erreicht seinen Höhepunkt in prägenden Refrain-Melodien, die beim Hören sofort überwältigen. Dazu kommt natürlich noch die brillante Inspirationstiefe des Gitarrenspiels mit all den so wichtigen Würzungen, die Michael mit seinem Scharfsinn und einzigartigen Talent stets mitbringt – und damit können wir die Debatte über das neue Album schließlich abschließen. Noch eine Kostbarkeit: We Are the Voice singt Ronnie Romero (Rainbow, CoreLeoni) und stellt eines der spitzesten Hochämter des Hard-Rock-Orthodoxismus auf »Revelation« dar.

Ein Album, das mitreißt und trägt. Ein Album, wie es nur der ikonische Michael Schenker erschaffen kann – und ein Album, das mit einem solchen Atem und einer solchen Energie erschaffen wurde, von der Michaels »allerliebste Freunde« (und dieser Kommentar wäre Michael am liebsten«)  Scorpions heute nur träumen können.

Wie Michael Schenker Fest live klingen, hält Rocklines Rezension des ersten Tags des Bang Your Head Festivals vom 12.07.2019 fest, wo Schenker mit seiner Truppe als einer der Hauptacts des ersten Festivaltages auftrat.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Rock Steady
2. Under A Blood Red Sky
3. Silent Again 
4. Sleeping With the Light On
5. The Beast in the Shadows
6. Behind the Smile
7. Crazy Daze
8. Lead You Astray
9. We Are the Voice
10. Headed For the Sun
11. Old Man
12. Still in the Fight
13. Ascension (instrumental)

Musiker:
Graham Bonnet – Gesang auf den Tracks Nr. 1., 4., 5., 11. und 12.
Gary Barden – Gesang auf den Tracks 1., 4., 7. 10. und 11.
Robin McAuley – Gesang auf den Tracks Nr. 1., 3., 4., 8. und 11.
Doogie White – Gesang auf den Tracks Nr. 1., 2., 4., 6. und 11.
Ronnie Romero – Gesang auf Track Nr. 9
Michael Schenker – Gitarre, Hintergrundgesang
Steve Mann – Keyboards, Gitarre
Chris Glen – Bass-Gitarre
Bodo Schopf – Schlagzeug


Michael Schenker Fest – Rock Steady (offizielles Video)
Michael Schenker Fest – Sleeping With the Lights On (offizielles Video)
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