Michael Schenker Group: Immortal

4 433

Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 29. 1. 2021
Produktion: Michael Schenker & Michael Voss
Albumlänge: 45.02 min
Genre: Hard Rock / Heavy Rock
Wertung: 9.0/10


Der große Michael Schenker ist zurück. Diesmal mit einem Album, das er unter dem Namen  Michael Schenker Group veröffentlicht hat. Schenker hat in seiner Karriere alle Stürme überstanden und dabei stets auf ein offenes Spiel gesetzt. Was du siehst, das bekommst du. Ein Musiker von außergewöhnlichem kompositorischen Talent – und als Gitarrist hat er, das können wir ohne jede Bescheidenheit festhalten, einen riesigen Teil der sechssaitigen Bibel der Welt geschrieben, denn er hat sie tatsächlich zu einem großen Teil selbst verfasst.

Michael Schenker hatte sein großes Comeback mit zwei hervorragenden Michael Schenker Fest-Alben eindrucksvoll angekündigt, die unmissverständlich signalisierten, dass der charismatische Gitarrist wieder frischen Wind in die Segel seines kreativen Schaffens gefunden hatte, was sich in der faszinierenden Vielgestaltigkeit der Kompositionen widerspiegelte, die ausnahmslos packten. Diesen Schwung hat Schenker auch auf das neue MSG-Album »Immortal« übertragen und damit eine weitere außergewöhnlich starke Leistung abgeliefert. Der »unsterbliche« Schenker, der noch als blutjunger Teenager Stücke für Scorpions schrieb – in der Zeit kurz vor deren kommerziellem Durchbruch –, hat in einer mehr als 50-jährigen Musikkarriere die Welt des Rock ’n‘ Roll mit seinem Beitrag durch die Siebziger nachhaltig erschüttert, festgehalten in den zeitlosen Klassikern und Alben der goldenen Ära von UFO, und so Generationen von Gitarristen geprägt, die seinen ausdrucksstarken Genius in sich aufsogen. Schenker zählt heute – neben einigen wenigen Auserwählten, zu denen wir Eddie Van Halen und Randy Rhoads zählen dürfen – zu jenen Gitarristen, die auch in der ersten Hälfte der Achtziger das Gitarrenspiel weiter popularisierten und mit ihren Innovationen zeigten, wie weit Heavy Rock und Heavy Metal  noch reichen können (dann kamen noch Malmsteen und Satriani, aber das ist schon eine andere Geschichte).

Die Leadgesang-Partien auf den neun neuen Eigenkompositionen hat Schenker diesmal auf vier Sänger aufgeteilt, die bislang noch nicht mit ihm zusammengearbeitet hatten. Vocals, die dominant und prägend sind. Die Namen: Ralf Scheepers, Ronnie Romero, Michael Voss und Joe Lynn Turner.  Scheepers hat Schenker die Gesangspartien in den beiden aggressivsten und schnellsten Tracks des Albums zugewiesen. Das ist ein Terrain, das Scheepers bestens beherrscht und in dem er schlicht zu Hause ist. Doch das produktionstechnische und kompositorische Umfeld ist ein anderes, was eine sehr interessante Kombination aus Scheepers‘ Primal Fear/Gamma Ray-Ansatz und den neoklassischen Heavy-Rock-Finessen des abgebrühten alten Fuchses Schenker ergibt. Schenker wollte genau so einen Track als Albumöffner – und bekam ihn mit dem entfesselten „bestialischen Gebell“ von Scheepers, genannt Drilled to Kill. Interessant ist der „speedkönigliche“ Ausklang, der durch einen amüsanten Dialog zwischen Schenker und Sherinian geprägt wird. Devil’s Daughter ist der zweite solche aggressivere Track (mit Scheepers am Mikro), der das Album ebenfalls hätte eröffnen können.

Die größte stimmliche Verwandtschaft unter den ausgewählten Sängern besteht eigentlich zwischen Romero und Turner – auch wenn Turner für Romero allenfalls als Vorbild gilt. Vielleicht überrascht das nicht, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass beide bei Rainbow gesungen haben. Don’t Die On Me Now bringt – nach dem aggressiven Auftakt – die Dinge wieder ins rechte Lot. Das ist ein klassischer Hard-Rock-Track mit einer typischen Strophe, der ein bildreicher, mystischer Refrain folgt. Der zweite Track mit Turner am Mikro ist das „filmische“ Sangria Morte mit einem sanften spanischen Anklang, einem neuen, unter die Haut gehenden Refrain und einer weiteren sehr geschickten Beschwörung von Mystik. Einer der klassischsten und zugleich bestechendsten Tracks des Albums ist gleichzeitig der kürzeste. Das ist Sail the Darkness. Er wirkt am stärksten klassisch MSG-typisch und trägt dabei die Konturen des klassischen Rainbow in sich. Dieses Gefühl vertieft auch Romero mit seiner neuen, faszinierenden vokalen Darbietung.  Beide Tracks, auf denen Michael Voss den Gesang beisteuert, gehören wiederum zu den mystischen Momenten des Albums. Besonders erhöhen sie die Bombastik des Albums. Der erste ist die Ballade After the Rain, die Voss sogar sehr gut meistert – zumal für sein Alter, das auf den Mad Max-Alben eine gewisse stimmliche Abnutzung erkennen lässt. Der zweite ist Queen of Thorns and Roses, wo auch nicht ein Hauch von AOR-Bombast fehlt. In beiden Kompositionen würde Robin McAuleys Stimme phänomenal funktionieren – doch Schenker hat sich anders entschieden. 

Es handelt sich um eine Sammlung außergewöhnlich bildhafter Kompositionen, die mit ihrem ausgearbeiteten Charakter einer graduierten Steigerung von Stimmungslagen begeistern. Diese werden häufig auch mit einem prägnanten Element der Mystik gekrönt. Die Hauptrolle spielt zweifellos Schenkers kreatives Genie sowie ein neues, phänomenales Abenteuer, das den Hörer in das Reich seiner fantastischen Gitarrenzaubereien entführt. Es ist eine nostalgische „Flucht“ in die klassischen Zeiten des Hard- und Heavy Rocks. Schenker ist einzigartig und niemand kommt ihm gleich. Er ist ein unvergleichliches Phänomen der alten Rockschule und unwiederholbar. »Immortal« ist eine Reflexion und ein Abdruck, der seinen musikalischen Weg auf bildhafte Weise abrundet. Ein Weg, der stets vom schmeichelhaften Merkmal der Innovativität begleitet wird. Ein zusätzliches Element des charakterlichen und stimmungsmäßigen Farbenreichtums bringt die vokale Charisma der vier Sänger ins Album.    

Die besondere Geschichte des Albums ist sein längster Track In Search Of The Peace Of Mind. Es handelt sich um ein Stück, das Schenker mit knapp sechzehn Jahren geschrieben hat, während der Aufnahmen zum Scorpions-Album »Lonesome Crow«. Schenker erklärte dazu als niemals zufriedener Perfektionist, dass er es schon immer wieder neu aufgreifen wollte. Er sagte selbst, dass er zu jener Zeit, als er es schrieb, kein besonders guter Gitarrist war – und doch ist er bis heute von der Hauptphrase dieses Stücks fasziniert, ebenso wie von einigen anderen Lösungen, die ihm als blutjungem Burschen damals bereits gelungen waren. Das Stück gilt als die dunkelste Komposition des Albums und ist in seiner aufgefrischten Inszenierung ein absolutes Highlight und Gipfelpunkt, der ans Ende des Albums »Immortal« gesetzt wurde. Nicht nur der dunkelste Track des Albums, sondern auch eine echte Mini-Epos-Suite, in der Schenker zum großen Finale noch einmal vollblütig aufspielt – mit brillantem Solospiel –, und im Ausklang des Tracks und damit des gesamten Albums liefert er genau jene Qualität, für die ihn die Rockwelt so schätzt und respektiert. Mit einem solchen theatralischen Strudel schließt das Album. In diesem Stück treten auch drei legendäre Sänger auf, die Schenkers musikalische Karriere mitgeprägt haben und die an den beiden vorangegangenen Michael Schenker Fest-Alben mitgewirkt haben: Gary Barden, Robin McAuley und Doogie White – wobei den Leadgesang in den einleitenden Versen  Schenker persönlich übernimmt.

Michael Schenker hat sich also schon vor langer Zeit ein unsterbliches Denkmal gesetzt. Im Gegensatz zu seinem Bruder Rudolf, der bei Scorpions den Weg zum Ruhm auf eine andere Weise gegangen ist – denn er legt bis heute am meisten Wert auf das »Millionen-Dollar-Lächeln« vor den Kameras –, schätzt Michael nur das Brot, das mit schwieligen Händen verdient wurde. Und das ist das ständige Erschaffen und Komponieren neuer Musik und natürlich das Aufnehmen von Alben. »Immortal« ist eine erstklassige Sammlung von neun Tracks und einem Scorpions-Cover, „verwoben“ in 45 Minuten dynamisches und hochentzündliches Heavy- und Hard-Rock-Abenteuer, das mit brillanter Ideenfrische und überlegener Vielgestaltigkeit aufwartet. Da es sich um ein Album handelt, das dem Hörer an einem einzigen Ort das Wesentliche – den elementaren Teil der musikalischen Akte Michael Schenkers – bietet, ist die Feier von 50 Jahren Musikkarriere – was Schenker in den Ankündigungen vor der Albumveröffentlichung deutlich hervorhob – umso berechtigter. Also: Auch wenn du den Musiker nicht kennst, ist »Immortal« ein ideal geeigneter Einstiegspunkt, der dich in die Persönlichkeit und das Werk Schenkers einführt. Das bedeutet, dass »Immortal« eine phänomenale Verbindung zur ersten Hälfte der Achtziger herstellt, besonders zu den ersten drei MSG-Alben.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Drilled To Kill
2. Don’t Die On Me Now
3. Knight Of The Dead
4. After The Rain
5. Devil’s Daughter
6. Sail The Darkness
7. The Queen Of Thorns And Roses
8. Come On Over
9. Sangria Morte
10. In Search Of The Peace Of Mind

Besetzung:
Joe Lynn Turner – Gesang auf den Tracks Nr. 2 und 9
Ralf Scheepers – Gesang auf den Tracks Nr. 1 und 5
Michael Voss – Gesang auf den Tracks Nr. 4 und 7
Ronnie Romero – Gesang auf den Tracks Nr. 3, 6, 8 und 10
Michael Schenker – Gitarre, Hintergrundgesang, Gesang auf Track Nr. 10
Steve Mann – Keyboards, Gitarre
Barry Sparks – Bass
Simon Phillips – Schlagzeug
Brian Tichy – Schlagzeug
Bodo Schopf – Schlagzeug

Gastvokalisten:
Gary Barden – Gesang auf Track Nr. 10
Robin McAuley – Gesang auf Track Nr. 10
Doogie White – Gesang auf Track Nr. 10


4 Comments
  1. Matija says

    Preprosto genij. Imel sem ga priložnost videti z UFO na Walk On Water turneji. Noro. Z obliži polimani prsti, flying stisnjen med noge … in čisti užitek. Je bilo pa malo nenavadno po koncertu, saj je le Michael imel avtogram session, na kateri je prodajal svoj CD „Michael Schenker Story Live“. Je le šlo za UFO reunion turnejo, ampak očitno se je dobro spogajal. Ampak najbrž ne sam, ves čas ga je budno čuvala njegova „Yoko Ono“. Mislim, da je potem, ko sta šla narazen, takoj dal Philu Moggu vse pravvice za UFO. Pač hecno je bilo, ker ima sicer včasih veliko za povedati čez Phila.

    Sicer je pa zame njegov genij predvsem v tem, da je njegova kitara vedno v službi pesmi in ne sili v prvi plan. Ni kot Yngwie, kjer je vse podrejeno njegovi kitari. Pri Schenkerju lahko solo povsem preslišiš, lahko pa mu natančno prisluhneš in slišiš vso genialnost.

  2. Poba says

    Walk On Water turneja 😀 Wooow, to je bil tam 1995/96? Bojda so igral v Grazu? Jaz sem UFO samo z Vinnie Moore-om ujel trikrat, ampak to je proti koncertu z line-upom v katerem je Schenker, kot da jih nisem niti enkrat gledal 🙂 respect.
    Meni osebno en najljubših kitaristov, prav zato kot si opisal zgoraj. On je to nakazal na UFO klasikah v sedemdesetih – una izhodna solaža v Love to Love – vedno dobim kurjo polt, kot kadar poslušam, izhodno Gilmourjevo solažo v Comfortably Numb. Ampak verzija Love to Love na „Strangers in the Night“ je pa sploh fenomenalna. Ja samo res. Ko greš tko od komada do komada, je neverjeten ta stik klasike z bluesom in izplen muzikalnosti, ki jo je on bil sposoben pričarat v solažah, ki so vse po vrsti neskončno poslušljive in duhovite, res genij. Nova plata je meni osebno (po kreativni plati) res pravi stik s klasičnimi 80’es MSG albumi.

  3. Matija says

    Sem moral letnico preveriti – v bistvu je bilo 1998. Ni bila ravno Walk on water tour, bil pa Walk on Water še vedno aktualni album. Ja, v Orpheumu so igrali. Sem jih tudi kasneje imel priložnost gledati z Vinnijem in moram reči, da možak opravlja odlično delo. Sem bil najprej skeptičen zaradi njegove shredderske preteklosti, ampak v UFO je lepo slišati njegove blues rockovske korenine.

    Sem pa Schenkerja imel priložnost gledati tudi z MSG (2004) pa to vendarle ni bilo isto kot UFO. Je pa tudi res, da je šlo za eno izmed po moji oceni šibkejših inkarnacij s Chrisom Loganom na vokalu.

  4. Poba says

    Hej, hej 🙂
    Sem prebiral o tem UFO koncertu v eni od številk revije Dr. Music, še dons mi je žal zakaj sem tako pozno šel izpit za avto delat, je pa res da nisem bil v devetdesetih še tak koncertni navdušenec, kot prav nekje na prelomu v novi milenij , prav z letom 2000 – takrat sem začel zapadat v koncertno mrzlico. No, po drugi plati sem pa ogromno zamudil. K sreč sem Floyde ujel 1994, to je bil pa tud en moj redkih koncertnih obiskov v devetdesetih.
    Z Vinniejem so bili v Grazu 4. 6. 2004 – to je bil moj prvi UFO koncert, pa pol mislim da 8. 3. 2008 na Dunaju (skupaj z metalci Angra) in 12. 12. 2015 kot predskupina Judas Priest v Brnu. Vinnie je tud mene popolnoma presenetil, ravno po tej plati kot si omenil. Pričakoval sem precej bolj naježen kitarski zvok, možakar je pa poln teh bluesy fines in mehkobe 🙂
    Je pa Moog na vseh treh koncertih komaj stal po konci – vmes je večkrat pozabil verze itn… „Demon Alcohol“ (Ozzy že ve) 🙂

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki