Wacky Blues Professors

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Prismojeni profesorji bluesa
Label: Eigenveröffentlichung
Veröffentlichung: year
Laufzeit: 55:07
Wertung: 5/5

Der dritte Akt dieses einzigartigen Phänomens – zählt man das Konzertalbum »Live – Križanke« mit – könnte statt Wacky Blues Professors auch  »verrückte Blues-Scheren« (Wacky Blues Scissors) heißen. Unaufhaltsam dringen sie vor und schneiden in Sphären, wo man sie am wenigsten erwartet! Sie ergreifen die Seele des Hörers und besessen führen sie diese weiter, wie echte Seelenhirten. Tatsächlich meißeln sich Prismojeni profesorji bluesa in wenigen Jahren ganz unbeabsichtigt und unbewusst ein Denkmal als aktuelle Seelenhirten der slowenischen Blues-Rhetorik. In den letzten drei Jahren der Bandaktivität ist das bereits ihr drittes offiziell veröffentlichtes Dokument!

Angesichts der Brillanz des Debüts »Family« und der etwas draufgängerischen Natur des Konzertdokuments, das eine Menge Tracks im Stil unfertiger Jams bot, beschlich den Verfasser dieser Zeilen leiser Skeptizismus, ob die Jungs nicht etwa auf einen Schlag alle expressiven Ladungen ihres musikalischen Visionärtums verschossen hätten. Die Antwort ist klar und (musik)laut: »Keineswegs!« Das neue Album »Wacky Blues Professors« ist eine brillante Fortsetzung des Bandweges. Angesichts der hermetisch einbetonierten Reichweite des slowenischen Rock’n’Roll sind Prismojeni profesorji bluesa für viele eine Geschichte an der Grenze der Science-Fiction.

Der Einstieg packt den Hörer, und das Album lässt ihn volle 55 Minuten lang nicht mehr los. Von Track zu Track halten Prismojeni profesorji bluesa den Hörer durchgehend bei sich und in einem Zustand intensiver Spannung. Sei es durch das verblüffende Spiel, die unglaublich cleveren Lösungen mutiger Kompositionsarrangements oder durch die zutiefst erlebte Vokalrhetorik allein – dabei schöpfen sie gleich aus allen vier verfügbaren Stimmen (neu hinzu gesellt sich Miha Ribarič mit einem Vokaleinschub im eröffnenden Titeltrack). Der Eröffnungstrack legt sofort die luzide Seite der Band frei, an der es weder an spritzig-ironischem Witz noch an Selbstironie fehlt! Das funky-invasive Framed Love in der zweiten Albumhälfte (mit Zlatko am Mikro) könnte, was die Arrangements angeht, den Albumöffner Wacky Blues Professors ohne Weiteres ersetzen – besonders gut tut dem Track die ungemein aktive und dynamische Basslinie von Miha Ribarič, die dem Song ein unglaubliches Groove-Gerüst verleiht, aufgebaut aus einem Geflecht tiefer Töne.

Poorboy ist »Julijans Track« von Kopf bis Fuß. Darauf deutet schon der eröffnende Hendrixismus hin, unterstützt vom Wah-Wah-Pedal, der noch etwas von der funky rhythmischen Kinetik des Albumeröffners beibehält. Julijan hat diese geniale Klangfarbe für solche Tracks, die sehr natürlich wirkt, völlig unprätentiös und auch sinnlich anspricht. Ein Track voller kleiner Verzierungstricks. Alles ohne Plektrum gespielt. Julijan wiederholt kein einziges Mal dieselben Verzierungen, die er kunstfertig über das Motiv der Komposition legt – dann kommt der Mittelteil, wo er auf der Gitarre völlig halsbrecherisch explodiert. Hendrix fließt ihm im Blut. Entfernte Begleitvokale verleihen dem Track einen sanften Hauch Psychedelia. Schon allein in der Performance dieses Songs wird deutlich, dass PPB nie zwei Tracks auf dieselbe Weise spielen. Jede Aufführung eines gegebenen Songs ist für sie eine neue Geschichte. Eine Band, die man unbedingt live hören muss.  

Creepy ist zweifellos das absolute Sonderstück des Albums. Die Jungs haben Kabarett hineingebracht – »The Boogeyman« Miha Erič betritt die Bühne mit einem unglaublich unterhaltsamen Gesang an der Grenze zum Geschichtenerzähler, der sich unaufhörlich verzerrt und in die Essenz des Tracks echten Albtraum und Horror bringt. Das ist der Track, wo der Mann auf der Bühne mit einer Kettensäge in der Fleischerschürze erscheint – zweifellos einer der unterhaltsamsten Songs, die Prismojeni profesorji bluesa bis dato zusammengestellt haben, und fraglos ein Track, der als einer der Konzertfavoriten gelten wird. Die Modulation in der Mid-Eight-Passage tut ungemein gut, in die sich sogar ein Surf-Moment einschleicht – was eine herrlich verrückte Abweichung bringt – und dann schwingen sich PPB zurück in den wilden schwarzen Horror-Polka-Blues, unter der Regie des theatralisch-schaurigen Genies der genialen Vokalperformance von Miha Erič! Der »schwarze Bruder« von Ragin‘ Mad vom Debüt »Family« – der aber den reichen verrückten Charakter der Band in Hülle und Fülle bewahrt!

Das ansteckende Instrumental Vigilante bietet etwas anfänglichen Southern-Rock-Sentiment, vor allem aber ist es ein erstklassiger Jam, bei dem alle Vorzüge des vollblütigen instrumentalen Wahrnehmens und der Symbiose des Quartetts in vollem Licht erstrahlen. Überblendungen von Mundharmonika und Gitarre sowie eine scharf eindringende und tief gegroovte Rhythmuskinetik. Sinnlichkeit und Gespür bei jedem Schritt des Spiels! Voluminös und grenzenlos durchdringend. Eine kraftvolle Blues-Rock-Wucht, die auch den Urinstinkt des aufkeimenden Hard-Rock-Pioniergeistes der zweiten Hälfte der Sechziger beschwört. Der Track wurde »in one take« eingespielt und am Ende plötzlich »abgeschnitten« – was bedeutet, dass es sich um den authentischen klanglichen Aufführungsabdruck des teuflischen Jams der Band handelt.

Easy For You öffnet sich im Schimmer einer balladesken Blues-Elegie, auch wenn es sich im Verlauf in eine andere Richtung entwickelt. Zlatko Đogič bleibt unglaublich mit seiner eindringlichen emotionalen Vertieftheit. Etwas von dieser dunklen Vokalcharisma überträgt sich durch das Blutgefäßsystem des Schlagzeugers. Zwar eine Meile entfernt, aber trotzdem. Der Vergleich mit einem Don Brewer von Grand Funk Railroad ist gar nicht mehr so abwegig. Zlatko gehören auf dem Album die eröffnenden, mittleren und abschließenden Teile. So beschließt das Album der schwarze Blues-Hardrock-Schwergewichtler Deathproof, der wieder von den ungezähmten Emotionen von Zlatko Đogičs außerordentlicher Vokalperformance aufgesprengt wird – und für das große Finale des Albums liefert noch einmal ein überragendes solistisches Meisterstück: Julijan Erič an der Gitarre. Ein außerordentliches finales Crescendo am Ende des Albums, das dich dazu bringt, die CD gleich nochmal in den Player zu legen.

Die Erič-Brüder eröffnen sich gegenseitig geschickt den Raum. Wenn einer ein Motiv hält, springt der andere ins Solo ein – dann werden die Karten neu gemischt und die Rollen getauscht. Bitchin‘ N‘ Cryin‘ und Edd Genee (letzterer wieder mit etwas Southern-Rock- und Surf-Ästhetik) sind Momente, die dieses außerordentlich harmonische gegenseitige Wahrnehmen der beiden Brüder auf ihre je eigene, sehr anschauliche Weise freilegen. Ist das erstere durchdrungen von den ständigen solistischen Eskapaden von Mundharmonika und Gitarre, koexistieren beide Instrumente in Edd Geene wesentlich konziser – neutralisieren sich im Zusammenspiel jedoch noch immer höchst gekonnt, was bedeutet, dass sie zeitweise auch eine große ausdrucksmäßige Gleichwertigkeit wahren. Die späteren Tracks des Albums, das sind Take it Easy und Deep Cuts, bringen ins neue Bandwerk auch etwas Boogie-Feeling, was dem Album höchst willkommen Schwung verleiht.

»Family« war eine Art kleines Blues-Lexikon der Band, ein wichtiges Werk der Selbstbehauptung. »Wacky Blues Professors« hingegen wirkt eine Spur mehr groovy und funky und ist in der musikalischen Vision stilistisch fokussierter und geschliffener. Dennoch vermittelt das Album nicht den Eindruck, dass sich Prismojeni profesorji bluesa sonderlich damit beschäftigt hätten, ob sie ihren unverwechselbaren Stil etabliert haben oder nicht. Solches Nachdenken könnte die Band sogar vollständig lähmen, denn ihren Charakter formen vier ausgereifte und freiheitsliebende Essenzen von ausdrucksstark unglaublich charismatischen und durchdringenden Individuen. Herzblut und absolute Authentizität sind der Schlüssel. Das ist das Wesentliche. Herzhaft zu sein bedeutet, furchtlos und mutig zu sein. Und dieses Herzblut treibt die Band weiter. Wo das Herz ist, da ist das Wesentliche, und wo das Herz ist, da ist immer das Ziel – auch wenn der Weg dorthin dornig und unsicher ist. Und Prismojeni profesorji bluesa hantieren in ihrem Handwerk mit einem Element, das in der immer kalkulierteren Welt des slowenischen Rock’n’Roll zur echten Seltenheit wird. Sie sind, was sie sind – was du siehst und hörst, das bekommst du. Keine »Kosmetik« und kein »Hochglanz«. Genau dieser Mut, mit dem sie ohne jede Bremse ihre Leidenschaften und Emotionen leben und an alles, was sie anfassen, mit großem Feuer und vollblütig-potenter Wucht herangehen, macht sie so besonders, stark und letztlich – auch wenn die Jungs das nicht zugeben werden – auf der aktuellen Landkarte der slowenischen Rock-Musikszene auf eine Art derzeit dominierend und autoritativ. Plötzlich tauchen sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel auf der Szene auf, bald darauf füllen sie bereits Križanke, Kino Šiška und Cankarjev dom. Bei alledem kehren sie aber noch immer am liebsten in Klub-Räumlichkeiten wie das Prulček zurück. Kann man also überhaupt noch mehr wollen als die Aufrichtigkeit dieser Jungs? Sie bleiben also eine große verrückte Familie, die uns mit ihrer Musik noch lange, lange begeistern wird. Generationsübergreifend und ohne Genre-Beschränkungen. Nur mit ihrem Herzblut und überbordender Glut! Und ja. Bei alledem vermitteln sie das absolute Gefühl, dass es sich um eine internationale Blues-Rock-Band handelt, die schon längst den Rahmen der aktuellen slowenischen Rock-Szene überwachsen hat. 

Besetzung

Miha Erič – Mundharmonika, Lap-Steel-Gitarre, Gesang auf Track Nr. 3, 7 und 10.
Julijan Erič – Gitarre, Gesang auf Track Nr. 2, 6, 9 und 11.
Miha Ribarič – Bassgitarre und Gesang auf Track Nr. 1
Zlatko Đogić – Schlagzeug, Gesang auf Track 1, 5, 8 und 12.

BESETZUNG FAMILY:
Jasna Kmetec – Saxophone
Andrej Tomazin – Perkussion
Domen Gracej – Trompete
Gal Gjurin – Hammond-Orgel

Produktion

Prismojeni profesorji bluesa

Tracklist

1. Wacky Blues Professors
2. Poorboy
3. Creepy
4. Vigilante
5. Easy For You
6. Bitchin‘ and Cryin‘
7. Deep Cuts
8. Framed Love
9. Take It Easy
10. Edd Geene
11. I Need Love
12. Deathproof

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