Šlajn : Ljubezenske

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Label: Celinka
Erscheinungsdatum: 20.05.2018
Produktion: Gašper Kržmanc
Spieldauer: 32.35
Genre: Country / Folk / Pop Rock


Šlajn ist eine neue slowenische Band, die darauf schwört, Lieder zu schmieden, die typisch in den Weiten der Sonnenseite der Alpen geformt sind. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich entschieden Country- und Country-Rock-Melodien zuwendet. Angesichts der Tatsache, dass die Musik von Slowenen geschrieben wird, kommt man am Kabarett-Drama-Theater nicht vorbei, das auf dem Debüt „Ljubezenske“ ein gerüttelt Maß an amüsantem Galgenhumor mitbringt.

Šlajn besteht aus vier stattlichen Kerlen, „scharf gekleideten“ Männern, ihr Domizil ist die Notranjska. Fahr doch mal rüber zum Cerkniško jezero, wo – du wirst es nicht glauben – auch eine Fischart lebt, die Teil der einstigen autochthonen Ichthyozönose des Sees ist. Das ist jene Fischgemeinschaft, die dort noch zu Zeiten von Janez Vajkard Valvasor existierte, also lange bevor das »fischwirtschaftliche Bewirtschaften« in Mode kam und man dort Rotfeder und sonstiges Fischgesindel einschleppte, das dort schlicht nichts zu suchen hat. Bekannt sind sogar Versuche, die Soča-Forelle anzusiedeln – doch lassen wir das beiseite. Dieser famose Fisch, der alle Kreuzwege und Widrigkeiten überlebt hat, lebt noch immer im Cerkniško jezero. Er heißt Šlajn, was die Notranjci wohl aus dem Deutschen übernommen haben, wo man denselben Fisch unter dem Namen „Schleie“ kennt, was auf Hochslowenisch also Linj bedeutet (Tinca tinca). Die Šlajn ziert auch das Albumcover der Band Šlajn mit dem Titel »Ljubezenske«. Warst du zumindest ein bisschen brav, kann sie auch das Synonym für jenes Fischlein sein, das dir drei Wünsche erfüllt.

Die Texte sind einfach, direkt, ohne Umschweife handeln sie von? Liebe. Nicht von der bedingungslosen Liebe Christi, der nach Belieben mal die linke, mal die rechte Wange hingehalten hat, sondern von einer Liebe weit alltäglicherer Natur. Diese ist (zumindest scheinbar) unkomplizierter. Von den Liebesperipetien zwischen Mann und Frau.

Die Songs sind auf Durtonleitern aufgebaut, sprechen unprätentiös an, packen sofort – und das bedeutet, dass du das Album »Ljubezenske« jederzeit hören kannst, wann immer du Lust hast, so anspruchslos ist es und so ansteckend spricht es den Hörer an. Darauf stimmt alles. Die Songs sind kompakt, die Arrangements durchgefeilt, die Melodien zugänglich, die Produktion organisch und lebendig, und das alles wird von solidem, überzeugendem Musikantentum getragen. Herausragend ist das Zusammenspiel von Gitarre, Banjo und Mandoline – den Bausteinen des überwiegend Country-Charakters des Albums! Šlajn können auch teuflisch schnell sein (Zvezda karnevala, Jaz bom doma ostal). Auch Smaal Tokk steigt mit ein (Moja punčka), was die schelmische Seite des Albums noch vertieft.

Während weniger anspruchsvolle Hörer dieses Album schnell für sich vereinnahmen werden und der Schmäh sowie der Country-Galgenhumor mit jeder Menge Banjo-Läufen ihnen mehr als recht ist, werden Feinschmecker (mit etwas nötiger Geduld) die Vielseitigkeit und haarspalterische Raffinesse des Gitarristen Gašper Kržmanc entdecken. Es handelt sich um ein außerordentliches Gitarrentalent, worauf Gašper schon bei Nula Kelvina eindrucksvoll hingewiesen hat (und das auch weiterhin tut). Wenn man Šlajn hört, lassen sich zwar einige Parallelen zu Nula Kelvina ausmachen, nicht so sehr wegen Gašpers Spiel, obwohl einige dieser Inhalte auch auf dem neuen Nula Kelvina Album „Kdo za vraga so Nula Kelvina?“ ihren Platz gefunden haben, als vielmehr aufgrund der Natur der Songs selbst. Jedenfalls teilen beide Bands das kabarettistische Theater, vor allem aber eine gelegentliche energetische Charakterähnlichkeit, die besonders darauf abzielt, Schlagfertigkeit, Schelmerei und jene Liebesdramatik herauszukitzeln, bei der der Mann mit seinem gelegentlich taktlosen kindlichen Getue bei Frauen stets den Kürzeren zieht und dann reumütig ankommt. Wenn das Ende gut ausgeht, nehmen ihn die Mädels wieder zurück.

Gašper ist unglaublich. Auf diesem Album zeigt er einige Qualitäten, die einen völlig überraschen. Er beherrscht das Banjo mit unglaublicher Geschicklichkeit und zeigt auch einige Gitarrentricks, die man bei Nula Kelvina nicht kennt. Seine vielschichtige Könnerschaft konnten wir auch auf dem Album »Klemen Kotar in dušni pastirji« erleben, doch das Album »Ljubezenske« ist in dieser Hinsicht wieder eine ganz andere Geschichte. Hier haben wir also den Country-Gašper, der gelegentlich eine Blues-Melodie einstreut (Uvodni ples), dazu ein ganzer Haufen kleiner filigraner Tricks, die er in Mid-Eight-Passagen, über Hauptphrasen, in Übergangsparts, in Aus- und Einleitungsteile der Songs einfließen lässt. Dabei ist ihm das Fingerpicking (Jaz grem) so vertraut wie ein alter Freund, und stellenweise verleitet das ganze Spiel so sehr, dass man sich auch in eine Art Ragtime-»Geistreichigkeit« verirren könnte. Gašper ist ein großer Liebhaber natürlicher Töne, die er der Gitarre entlockt. Sinnlich und organisch ist das klanglich »Haarspalten«, was die Tonformung angeht. Dabei darf man nicht übersehen, dass Gašper diese Töne gelegentlich auch sehr wirkungsvoll emotional einfärbt – was alles andere als leicht ist und für einen echten Gitarristen gilt, vielleicht sogar als seine größte künstlerisch-expressive Herausforderung. Sicher hat Gašper zu seiner Zeit viele Asse gehört wie Greg Koch, Michael Landau, Carl Verheyen, Sonny Landreth, Warren Haynes, Colin Linden, Steve Dawnson… Sogar das »titanische Nashville-Trio« Bob Ferguson, Owen Bradley und Chet Atkins würde bei diesem Album schmunzeln. Country-Swing? Auf jeden Fall. War »Jaz grem« in dieser Hinsicht ein amüsanter Vokalsong, ist das Instrumental »Kje si, miška mala?« der Moment, in dem die Gitarre im Zusammenspiel mit dem Banjo von Gašper Kržmanc insgesamt in vollem Licht erstrahlt. Es bietet sogar eine ausgezeichnete Grundlage für das Drehbuch einer Burleske, wie sie der legendäre Benny Hill geschaffen hat.

Den Jungs geht der Sprengstoff nicht aus. Der geballte Inhalt dieses Albums wird dich von Anfang bis Ende grenzenlos unterhalten. Vom ersten bis zum letzten Song wirst du Zeuge klangvoller Unterhaltung, Entspannung, Lebensfreude, großer Schelmerei und positiver Vibrationen. Herausragenden Musizierens mit dem wunderschönen Vokaltenor von Sašo Kovačič, der in die ganze Šlajn-Geschichte mit seiner Stimmfarbe nicht besser passen könnte, als er es tut.

Das Album wirkt im Sinne der Texte wie eine Geschichte, zusammengesetzt aus mehreren kleinen Einzelgeschichten. Eine Liebesgeschichte aus zehn kleinen Geschichten. Das Album hat also einen roten Faden. Die Mädels werden jedenfalls dahinschmelzen, wenn Šlajn auf der Bühne aufspielt, und mit den Texten wird sie Sašo necken! Sicher sind sie eine Band, die eine ganz eigene Vibration, eine ganz eigene Chemie ausstrahlt – so etwas hat es bei uns noch nicht gegeben.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.0 / 10


Tracklist:
1. Šlajn na suhem
2. Ko sva odšla na Bled
3. Moja punčka
4. Uvodni ples
5. Jaz bom doma ostal
6. Zimska pravljica
7. Jaz grem
8. Kje si, miška mala?
9. Ob dekletu
10. Zvezda karnevala

Besetzung:
Sašo Kovačič – Gesang
Gašper Kržmanc – Gitarre, Banjo, Mandoline
Klemen Krajc – Bassgitarre
Goran Kovačević – Schlagzeug

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