Sno sna

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Seine
Label: Moonlee Records
VÖ: year
Wertung: 4/5

»Sno sna« ist eigentlich das Singer-Songwriter-Debüt des ehemaligen Mitglieds der kroatischen Punk-Noise-Band Vlasta Popić, Ivan Ščapec. Genauer gesagt, unterzeichnet dieses Werk die Gruppe Seine. Den Kerl umgeben nämlich im Team noch Dimitrij Mekotanović Petrović (Schlagzeug), der zuvor ebenfalls bei Vlasta Popić gespielt hat (dort allerdings Bass), sowie Bassist Boško Mijušković von der Gruppe Straight Mickey And The Boys.

Die Ideen für dieses Album entstanden über einen längeren Zeitraum, und das Album glänzt mit ausgeprägter erzählerischer Vielseitigkeit und einem starken, künstlerisch reifen Charakter. Besonders hervor treten die Poesie und vor allem die Gesangsinterpretation von Ivan Ščapec, die auf diesem Werk die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Indie Folk Rock, durchdrungen von alternativ-rockendem Sentiment. Letzteres ist tatsächlich ein entferntes Echo von Ščapecs Schaffen innerhalb der Sound-Terroristen Vlasta Popić.

Ein wichtiger Baustein ist diesmal der Einsatz von Akustik, der dem Album ein besonderes Gesicht verleiht. Die kompositorischen Züge sind kurz, prägnant und völlig unpretentiös, gleichzeitig aber konkret minimalistisch gehalten. Das grundlegende Axiom musikalischen Ausdrucks »weniger ist mehr« entfaltet auf diesem Album seine volle Wirkung. Die Albumproduktion ist angenehm organisch, lebendig und kontrastiert wirkungsvoll das Zusammenspiel der einzelnen Bausteine des Gesamtklangbilds. In diesem Umfeld erweist sich die durchdringende und melodische, dabei unglaublich warme Basslinie als das Element, das die ansonsten triviale Rhythmik schlichter Einfachheit, auf der die einzelnen Songs »träumerisch« dahingleiten, wesentlich einfärbt und den Stücken einen wichtigen Puls bzw. kontrastierenden Ton verleiht.

Der Gesang von Ivan Ščapec verleiht diesem Werk einen ganz besonderen Charakter und charakterliche Eigenschaften. Ein Laien-Hörer würde ihn nämlich auf Anhieb für eine Frauenstimme halten – doch das ist nicht der Fall. Genau mit diesem Gesang haucht Ivan Ščapec den Songs all ihre Eigenheit und Einzigartigkeit ein; gleichzeitig entfalten die Botschaften durch eine solch besondere Gesangsinterpretation, voller vollblütiger Sensitivität und Ungekünsteltem, eine besondere expressive Reichweite – was diesem Album das Prädikat eines eigenständigen Unikats verleiht.

Das Album trägt, gerade wegen der (vorwiegend melancholischen) Gesangsinterpretation, deren Traumhaftigkeit durch sanfte, dezente, aber klar platzierte Tricks der instrumentalen Begleitung unterstrichen wird, einen spürbaren  psychedelischen Sentiment; der Gesang bekommt dabei gelegentlich die Konturen eines extraterrestrischen Aufrufs, als käme er aus dem Jenseits, jenseits der Realität (Spavam). In der Melodik streift der Gesang immer wieder  die Errungenschaften traditioneller Volksmelodien, wie sie für die geografische Region Kroatiens typisch sind, aus der Ivan Ščapec nun mal stammt (Varaždin und Umgebung). Den Höhepunkt dieses Charmierens bilden die Stücke Bubamara mit einem Hauch von Kabarett-Chanson und das im »a cappella« dargebotene Janko, die als eigenständige Stücke eher irritierend wirken. Eingebettet in den Körper des Albums »Sno sna« tragen sie jedoch ein wichtiges Element dynamischer Abwechslung und dramaturgischer Entwicklung.  Sucht man nach der reizvollsten Note des Albums – also dem bereits erwähnten, besonders markanten Indie-Rock-Element mit betonter gitarristischer Phrasierung, dem herausstechenden Vokalcharakter von Ščapec, bei ansonsten typischer musikalischer Integration des Folk-Moments –, dann ist Ko auf dem Album das fast ideale Beispiel einer solchen Verbindung. Dieses Stück eignet sich in puncto gelungener Komposition auch sehr gut für die Ausstrahlung auf Radiofrequenzen.

Das Ergebnis ist ein absolut einzigartiges und besonderes Album, dem im Sinne musikalischen Kunstfertigkeit tatsächlich kaum etwas nahekommt. Als solches positioniert es sich im Raum der weiteren geografischen Region der Balkanhalbinsel auf einem klaren und besonderen Platz, inmitten des sonst reichen und unglaublich lebendigen sowie farbenfrohen, auch kühn adventiven Alternativ-Rock-Pulsschlags, der auf dem Gebiet des ehemaligen gemeinsamen Landes in diesen Zeiten eine neue Blütezeit erlebt. 

Seine – Svog

Besetzung

 Boško Mijušković – Bass
Dimitrij Mekotanović Petrović – Schlagzeug, Hintergrundgesang
Ivan Ščapec – Gesang, Gitarre

GASTMUSIKER:
Brane Norav auf den Tracks Nr. 4 und 10. 

Produktion

Boris Mladenović

Trackliste

1. Spavam (04:24)
2. Svog (04:14)
3. Privatno Tijelo (03:55)
4. Bubamara (01:55)
5. Ko (02:52)
6. Kritika Čistog Razuma (04:22)
7. Puška (03:01)
8. Janko (02:33)
9. Šilo (04:19)
10. Ljubav (03:56)

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