Ven it` v mesto

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Primarna
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2014
Wertung: 3.5/5

Primarna sind eine alteingesessene Rockband aus Nova Gorica, die bereits 1989 zu spielen begannen. Die Band veröffentlichte 1992 die Kassette »Provokator«, und löste sich dann nach einer Reihe von Konzertauftritten auf. 2012 fanden sie sich wieder zusammen – ohne sich dabei in »Sekundarna« umzubenennen – und nahmen in den Jahren 2013 und 2014 ihr Comeback-Album »Ven it‘ v mesto« auf.

Zugegeben, seit Dezember 2014 sind satte drei Jahre vergangen, und die Aktualität dieser Rezension ist angesichts dieses Umstands mehr als diskutabel – aber es ist eben richtig, dass wir Rock-Musik im weitesten Sinne des Wortes vorstellen, die von slowenischen Künstlern gemacht wird, auch wenn solche Studio-Erzeugnisse unsere Redaktion mitunter mit erheblicher Zeitverzögerung erreichen.

Wie auch immer: Primarna haben für ihr neues Album satte dreizehn Songs zusammengestellt. Angesichts der Tatsache, dass sie sich treu und beinahe stur in einem unverkennbaren stilistischen Charakter bewegen, der stilistische Genre-Ausreißer schlecht verträgt, ist das eine beachtliche Zahl. Gleichzeitig wäre es überraschend, wenn diese dreizehn Songs angesichts ihres rustikalen Rockschalls tatsächlich in den zwei Jahren nach der Wiedervereinigung entstanden wären – man kann also sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Band auch einige sehr alte musikalische Ideen auf das Album gepackt hat, die sie aus ihren verstaubten Archiven hervorgekramt hat.

Was Primarna spielen, ist sehr elementar, absolut authentisch, nackt und bloß, ohne einen Hauch von aufgesetztem Kitsch und – im Einklang mit dem Namen – primärer Rock’n’Roll. Mit einem Schuss Görzer Sentiment. Die Songs sind größtenteils im mittelschnellen Rhythmus eines sanften Galopps geschnitten, die Gitarren halten einen »altschulischen« halbakustischen Sound aufrecht, und in dieser Hinsicht pulsiert das Album lebhaft – durch und durch konzertant. Die Vocals würden sich auch in jeder beliebigen Alternative-Rock-Episode bestens zurechtfinden; das überwiegend unpretentiöse vokale »Grummeln und Brummen« haucht der Dichtung auf überaus gelungene Weise jenes echte Temperament der slowenischen Straßenstimme ein. Die Stimme der Arbeiterklasse, die jedes Unrecht, das ihr widerfährt, kommentarlos schluckt. Und wenn dir schon Unrecht geschieht, dann haust du dir lieber selbst eine rein, als dem, der es verursacht. Gesellschaftliche Kritik fehlt nicht, gleichzeitig trägt die Gruppe in den Songs eine deutlich wahrnehmbare Note von luzidem Sarkasmus. Dazu kommen künstlerische Feinfühligkeit und Aufrichtigkeit. Ein unglaublich authentischer Charakter begleitet dieses Werk, sowohl im Spiel als auch in der vokalen Interpretation der Dichtung – und das ist seine größte Stärke.

Dass die Band dem Erbe des alten Rock angehört, bekräftigt eindrucksvoll die spaßige Boogie-Rock-Nummer im verschmitzt-spöttischen Radio depresija; das Kokettieren mit dem Blues ist für eine Band mit solch langer Laufbahn wie Primarna ohnehin quasi natürlich (Poštarski bluz). Im Song Veter Peter verbeugt sich die Gruppe sogar vor der Person und dem Werk von J. J. Cale. Kurzum: Das Album liefert einen Haufen altschulischer Rock’n’Roll-Ästhetik »auf Slowenisch«, und spiegelt dabei etwas wider, das in Zeit und Raum verloren gegangen ist – denn diese Vibration so authentisch auf Tonträger zu bannen vermag heutzutage nur noch eine Generation, die die Achtziger gelebt und die Energie des Rockpioniergeists der Siebziger und Sechziger aufgesaugt hat. 

Primarna – Veter Peter (offizielles Video):

Besetzung

Božidar Batistič – Boško – Gesang, Akustikgitarre, Mundharmonika
Leon Ukmar – E-Gitarre, Gesang
Dejan Brilj – Bassgitarre
Borut Ožbot – Schlagzeug

Produktion

Dejan Brilj

Trackliste

01. Ven it‘ v mesto
02. Kako znajo
03. Radio depresija
04. Rokenrol al‘ rokenrol
05. Poštarski bluz
06. Zapri oči
07. Ohola dekleta
08. Masten tisk
09. Veter Peter
10. Manj kot imam
11. Dan zaposlovanja
12. Apaurin
13. Vrtejba

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