Leon Matek : Srce imaš tako veliko

0 465

Verlag: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2018
Produktion: Leon Matek
Albumlänge: 52.52 min
Genre: Singer / Songwritter (Folk, Blues, Swing, Alternative Rock)


Leon Matek ist ein Künstler, wie er bei uns schlicht und einfach fehlt. Ein vielschichtiges künstlerisches Phänomen. Was dieses Phänomen ausmacht: Worauf sich der Mann auch einlässt, er feilt die Sache bis zur Perfektion. Ob Film, Malerei,… Auf jeden Fall hat er bewiesen, wie groß sein Herz ist – auch durch selbstlose Hilfe für Menschen in Not. Vor uns liegt also das neue Album dieses slowenischen (Volks-)Singer-Songwriters, dem eigene Produktionen zwar nur langsam von der Hand gehen, die dafür aber charakterlich umso kraftvoller, kerniger und ausgereifter sind. Anders gesagt: Sie »treffen« den Hörer und erschüttern ihn (wecken ihn emotional auf)  mit deutlich größerer Intensität.

»Srce imaš tako veliko« ist Leons insgesamt drittes Studioalbum. Zwischen ihm und dem Vorgänger »Most«  liegen satte sieben Jahre, und das Album ist zweifellos ein Spiegel, eine Reflexion, eine Art Sammlung oder Zusammenfassung der intensivsten Ereignisse, die Leons Alltag in dieser Zeit geprägt haben. Gesellschaftlich engagierter als je zuvor – was Hand in Hand mit der künstlerischen Reifung geht –, ist er im Liebesbekenntnis deutlich feinfühliger geworden, behält dabei aber eine greifbare und charismatische Sinnlichkeit (Ne odhajaj!). Über allem lodert der unstillbare Wunsch nach einer Welt, die zwar nicht unrealistisch ist, die wir aber praktisch ein Leben lang nur in Szenarien kosten, denn ihre Verwirklichung könnte den Zusammenbruch des Systems bedeuten, dem wir als Sklaven dienen. Leben in einer gerechten Welt (Srce imaš tako veliko). In einer Welt, in der man frei ist und mit vollen Lungen atmet. In allem, was wir uns unter den Worten »Gerechtigkeit« und »Freiheit« nur illusorisch vorstellen dürfen, weil es sie nicht gibt – oder nur so weit, wie Geld reicht –, was bloß bestätigt, dass sie »demokratisch verboten« sind.

Das Album kann einen gnadenlos und so direkt wie möglich ansprechen (das bluesgeprägte Eröffnungsstück Kdaj je umrla iskra v tvojih očeh), oder deutlich subtiler, geradezu sehnsuchtsvoll (Najraje bi ta dan preklet prespal). Auf diesen Kontrast bzw. diesen Stimmungsumbruch stößt man gleich zu Beginn, bei den ersten beiden Tracks. Musikalisch serviert das Album eine bunte Minestrone, in der Folk-Elemente (Geige, Akkordeon) und Kabarett-Chansons – oft mit einem Auge Richtung Blues schielend – einträchtig zusammenspielen, während es rhythmisch gerne mal in einen knackigen, bissigen Swing voller gesellschaftlicher Schärfe abdriftet (Hočem veliko več) oder ins besonders »aufgeschäumte« Ljudožerci. Unter den Album-Tracks nimmt Čakal sem te v čakalnici duš einen besonderen Platz ein: Es pflegt in seiner Dunkelheit eine »eisige Theatralik«, die Gefühle heraufbeschwören kann, die typisch für »Cave-izme« sind. Wahnsinn, welche Weiten atmosphärischer Tiefe und Breite dieser Song erreicht. Durch Lyrik, Interpretation und die Produktion selbst. Der absolute Ausreißer des Albums. Dieser geniale Track eines endlosen Abschieds zweier Menschen, die sich nicht alles sagen konnten, erzeugt das Gefühl, als würde sich die Geschichte in einer Parallelwelt entfalten – immateriell und, wie der Titel es gebietet, tatsächlich »in der Wartehalle der Seelen«. Es gibt Momente, die kompositorische Ansätze tragen, die in einem anderen musikalischen Umfeld auch im Alternative-Rock-Bereich wirkungsvoll funktionieren könnten.

Leon Matek ist ein Lyriker, der ziemlich direkt anspricht. Ohne überflüssigen Schnickschnack und Kitsch, ohne Sätze in Metaphern zu hüllen, deren bekenntnishafte »Rätselhaftigkeit« kein Ende findet. In dieser Hinsicht findet er in seinen Versen genau das richtige Maß zwischen üppiger Fantasie und sprichwörtlicher Direktheit. Leon verliert nie den Boden unter den Füßen. Als Lyriker steht er sachlich und geerdet. Für Träumer bleibt kaum Platz. Für eine Fülle bitterer Wahrheiten, auch humorvoll verpackt, stehen die Türen hingegen stets sperrangelweit offen. Sei es, wenn er seine ersten erfolgreichen Schritte in die Welt des aufrechten Zweibeiners nacherleben lässt (Pazi, pazi, padu boš!), sei es, wenn er die vollständige moralische Entmenschlichung bzw. emotionale und spirituelle Verstümmelung der modernen Gesellschaft aufgreift (I Live In Facebook).

»Srce imaš tako veliko« ist ein Album, das dich von der ersten bis zur letzten Minute packt und nicht mehr loslässt. Es ist das Manifest einer außergewöhnlichen Reifung von Leon Matek und eines der stärksten Singer-Songwriter-Alben, die in den letzten Jahren in Slowenien erschienen sind. In seiner absoluten Authentizität und Wahrhaftigkeit, im einzigartigen Bekenntnischarakter dieses Künstlers, der ein Meister des »Theaters« ist, wenn es gilt, sich vollständig in eine Rolle hineinzuversetzen und der Lyrik damit eine Seele – einen greifbaren Bekenntnischarakter – einzuhauchen. Ein Album von außerordentlicher Breite, künstlerischer Greifbarkeit und Sinnlichkeit. Mit ihm steht Leon Matek lyrisch eigengewachsen, in seinem Wesen einzigartig und charakterlich unverwechselbar. Auf einem besonderen Platz ganz oben (im kompakten Segment) der slowenischen Musikszene, das unser zeitgenössisches slowenisches Singer-Songwriter-Schaffen definiert.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.5 / 10


Tracklist:
1. Kdaj je umrla iskra v tvojih očeh?
2. Najraje bi ta dan preklet prespal
3. Hočem veliko več
4. Ko te pogledam v oči
5. Ne odhajaj!
6. Čakal sem te pred čakalnico duš
7. Ljudožerci
8. Srce imaš tako veliko
9. A ti je tega treba?
10. I live in Facebook
11. Zakaj bi protestiral?
12. Pazi, pazi, padu boš!
13. Ti si ples vesolja

Besetzung und mitwirkende Musiker:
Leon Matek – Gesang, Gitarre, Orgel, Hintergrundgesang
Marjan Gradišar – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Sergej Ranđelović – Schlagzeug
Petra Onderufova – Geige
Jaka Kastelic – Akkordeon
Bogdan Kreščišin – Oboe
Uroš Razpotnik – Klarinette
Kristijan Jesih – Trompete
Miha Nemanič – Gesang auf den Tracks Nr. 6 und 13
Chor:
Maja Peteh
Tanja Svetic
Žana Novakovič
Anja Bregar
Tomaž Levstek
Miha Nemanič

Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki