Herman Frank : Fight The Fear
Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 08.02.2019
Produktion: Herman Frank
Spielzeit: 68.58 min
Genre: Heavy Metal
Herman Frank ist seit den frühen Achtzigern, als er sich den legendären Accept anschloss, zu einer der markantesten Figuren geworden, die den Heavy Metal geschmiedet haben. Als Mitglied von Accept, dann seiner Victory – mit denen er bis heute neun Studioalben veröffentlicht hat –, und schließlich als Schöpfer seiner eigenen Soloalben, die, geradeheraus gesagt, klassische Heavy-Metal-Werke sind, gebraut nach der Rezeptur des teutonischen Metal-Pioniergeists der alten deutschen Schule, der Herman Frank von jeher angehört.
Herman Frank genießt in den letzten Jahren seiner fruchtbaren Karriere, in der er sich auch als bedeutender Musikproduzent einen Namen gemacht hat, das Leben in vollen Zügen. Nachdem er auch ein zweites Mal in seiner Karriere festgestellt hatte, dass er bei Accept nichts zu suchen hat – da er dort stets völlig die Hände gebunden bekommt –, hat er vollen Wind in die Segel gefasst und sich wieder verstärkt auf seine Solokarriere konzentriert, wo er grenzenlose künstlerische Freiheit genießt.
Auch auf diesem Album begleitet ihn eine erstklassige Riege deutscher Musiker: Bassist Michael Müller (Jaded Heart), der ehemalige Rage- und Axxis-Schlagzeuger Andre Hilgers (neuerdings Bonfire), Gitarrist Heiko Schröder sowie der schwedische Sänger Rickard Thornberg a.k.a. Rick Altzi, der ansonsten bei den Power-Metallern Masterplan singt.
Kurz gesagt: Große Philosophie wirst du hinter »Fight The Fear« nicht finden. Als Fan der altertümlich einzementierten Metal-Haltung »auf Deutsch« kannst du getrost in den nächsten guten CD-Laden marschieren – der in Slowenien ohnehin nicht existiert – und dir das Album »blind« kaufen. Einfacher ist’s, wenn du einfach »blind draufklickst« und die Kreditkarte »entlastest«. In jeder Hinsicht wird es deine Erwartungen und Ansprüche erfüllen. Herman Frank macht keine Pause. Seine Gitarren sind wieder extrem und zerstörerisch. Wieder hat er ein paar außergewöhnliche Gitarren-Phrasen hingeworfen, mit denen er bestätigt, dass er der wahre Meister seines Fachs und Handwerks bleibt – über die Jahre bis zur absoluten Perfektion verfeinert.
Auf »Fight The Fear« hörst du eine möglichst authentische Zusammenfassung des alten Erbes, veredelt durch moderne Produktionsansätze. Den klassischen, für Accept und Victory typischen Stil mit seinen charakteristischen »Figuren« sowie die aufgefrischte und im Phrasieren »thrash-isierte« Zerstörungskraft, mit der Panzer aufwarten – das Projekt, das Frank vor einiger Zeit mit Schmier (Destruction) und seinem Schlagzeugkollegen aus den Accept-Zeiten, Stefan Schwarzmann, gegründet hat.
Das Album enthält sage und schreibe vierzehn Songs. Also noch mehr als auf dem ohnehin hervorragenden Vorgänger »The Devil Rides Out« (2016), der mit 12 Tracks aufwarten kann. Dadurch hat der Hörer nach mehrmaligem Durchhören des Albums durchaus Mühe, die einzelnen Songs wie auch die Hauptphrasen voneinander zu unterscheiden. Das Album klingt deshalb nach einigen Durchläufen ziemlich gleichförmig – auch wenn es das bei Weitem nicht ist. Es sind schlicht zu viele Songs drauf, zehn hätten vollauf gereicht. Herman Frank bleibt verbissen. Als würde auf dem Planeten gerade die letzte Stunde der Menschheit schlagen (sarkastisch genug – dem Planeten käme das freilich zugute). Das Album ist von Anfang bis Ende im höchstmöglichen Gang gespielt und produziert, der auch extreme Geschwindigkeit, Zerstörungskraft und durchgehend eine unglaubliche Riff-Gier und Unnachgiebigkeit entwickelt. Die Songs sind wieder mit einer erstklassigen Soße aus Gitarren-Soli garniert, ohne die man sich kein Frank-Album überhaupt vorstellen kann. Interessant ist, dass Hilgers, der sonst für seine außerordentliche schlagzeugerische Variabilität bekannt ist, nicht zu irgendwelchen himmelschreienden Übergangsfills greift, sondern die Vorgaben des Hauptkomponisten Herman Frank treu befolgt und hauptsächlich nur die Grundrhythmen hält. Interessant, dass der Mann schlagzeugerisch nicht sonderlich aus sich herausgeht – obwohl er in den Übergangsteilen der Songs durchaus reichlich Raum hätte.
Altzi bleibt die stimmliche Charisma und eine feste Größe. Mit seinem kehlig autoritären Gesangsansatz, von dem er auf dem Album keinen Zentimeter abweicht, verleihen Franks Songs beim Erreichen von Wucht, Pompösität, theatralischer Dramatik und düsterer Obskurität, jenes dringend benötigte Tüpfelchen auf dem i, das den Hörer in seiner atmosphärischen Echtheit in ständiger Stimmungsspannung fest an sich bindet. Herman Frank hat dem neuen Album einige wirklich hervorragende Tracks geliefert. Vor allem Anfang und Ende hauen rein und sind stark, im Mittelteil findet sich hingegen auch der eine oder andere weniger interessante Track, den niemand vermissen würde, wäre er nicht drauf. Unterm Strich handelt es sich also um ein außerordentlich schönes und qualitativ hochwertiges, klassisch angelegtes Heavy-Metal-Album, mit dem Herman Frank seine Stellung als einer der markantesten Musiker im Heavy-Metal-Business der Generation gefestigt hält, die Heavy Metal eigentlich erst auf die Landkarte der Welt gesetzt hat. Authentischer geht’s nicht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 8.0 / 10
Trackliste:
1. Until the End
2. Fear
3. Terror
4. Sinners
5. Hatred
6. Hail & Row
7. Hitman
8. Stay Down
9. Rock You
10. Don’t Cross the Line
11. Are You Ready
12. Wings of Destiny
13. Waiting for the Night
14. Lost in Heaven
Besetzung:
Rick Altzi – Gesang
Herman Frank – Gitarre
Heiko Schröder – Gitarre
Michael Müller – Bassgitarre
Andre Hilgers – Schlagzeug