Wig Wam: Never Say Die

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 22. 1. 2021
Produktion: Wig Wam
Albumlänge: 47.31 min
Genre: Melodic Rock / Glam Metal
Bewertung: 8.0/10


Wig Wam, norwegische Rocker, die zu Beginn des neuen Jahrtausends mit damals heißen Glam-Metal-Rock-Revival-Manövern ordentlich Staub auf der Szene aufgewirbelt und sich eine handfeste Bekanntheit gesichert hatten – sie erwischten nämlich den ersten Zug des Revivals in einem Genre, das durch die Neunziger völlig in Vergessenheit geraten war –, melden sich nach einer ziemlich langen Pause mit einem neuen Album zurück, dessen Titel »Never Say Die« schon das Thema verrät: Wig Wam haben durchgehalten. Oder sind gefallen und wieder aufgestanden. So oder so: Sie haben überlebt.

Zwei hervorragende Alben, das Debüt mit dem genialen Titel »667 Neighbour of the Beast« und sein Nachfolger, Rockline-Jahrgang 2006 »Wigwamaina«, trugen die Band auf Händen und Flügeln eines beneidenswerten Erfolgs. Darüber hinaus vertraten Wig Wam mit dem Song In My Dreams im Jahr 2005 Norwegen beim Eurovision Song Contest. In jenem Jahr gewannen die finnischen Lordi, und für das Glam-Metal-Revival – am besten mit möglichst viel Fummel und Schminke – sprang die Ampel auf Grün. Das Grün leuchtete nur kurz, aber Wig Wam standen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Band veröffentlichte ihr Debüt daraufhin erneut – in einer anderen Version, unter einem anderen Namen: »Hard To Be A Rock’n’Roller…In Kiev«, auf dem auch In My Dreams enthalten war.

Das dritte und vierte Album spiegelten das Reifen der Band wider, sprudelten aber nicht mehr über vor jener draufgängerischen, arroganten, fast schon harmlos-naiven und kindlichen Energie, wenn du träumst, dass deine Begeisterung alles überwältigen und für sich gewinnen kann – und du deshalb schier überschäumst vor Positivismus, während du gleichzeitig für böse Geister leicht verwundbar wirst. Beide nach wie vor gute Alben sprachen einen eher mit den Füßen auf dem Boden an und lieferten nicht mehr jene Testosteron-Überdosen wie die ersten zwei. Nach Wall Street (2012), als Wig Wam schon alle vergessen hatten, erhoben sich die Band auf wundersame Weise und beschlossen mit »Never Say Die«, unsterblich zu werden.

Das Reifen setzt sich fort, und die heutigen Wig Wam klingen klanglich und energetisch eher nach Eclipse als nach ihren frühen Tagen. Sie haben sich also intensiver in die Sphären des melodischen Heavy Metal und Heavy Rock vorgewagt. Zehn Vokaltracks, ein Instrumental und (natürlich) ein Intro – das ist der Inhalt des neuen Werks, das größtenteils mit der Tatsache erfreut, dass Wig Wam ihre Nummern wieder bis zur skandinavischen Perfektion geschliffen haben, wo das Herzstück in der Platzierung einprägsamer und sofort nachvollziehbarer melodischer Hooklines (charismatischer Refrains) regiert – das ist auch die Hauptattraktion dieses Albums. Gleichzeitig muss man zugeben, dass Gitarrist »Teeny« (bürgerlicher Name: Trond Holter) reifebedingt noch einmal zugelegt hat, weshalb es sich lohnt, seinen Gitarrenspielereien, den zusätzlichen Gitarreneinlagen und -verzierungen und vor allem seinen Soli volle Aufmerksamkeit zu schenken – die sind das wahre Schmankerl von »Never Say Die«.

Mit »Never Say Die« haben Wig Wam – gemessen an den Erwartungen und am bisherigen Werk – das härteste und dunkelste Album ihrer Karriere abgeliefert. Auch wenn einige Songs immer noch mit frechen Titeln und schlüpfrigen Texten daherkommen (Dirty Little Secret, Hard Love), hallt die Phrasierung in der Entfaltung der Vokal- und Leadmelodien dankbar pompös wider – nur dass dieser Pomp diesmal im Charakter eines dunkleren Dramata gekleidet ist. Der letzte Track Silver Lining ist ein Schuss zu viel und zum Glück ans Ende gesetzt. Vor zwanzig oder mehr Jahren hätte jede Band so einen Track auf die B-Seite einer Single gepackt und selten aufs Album. Trotzdem ist es ein schöner Track, der die weichere, subtilere Seite der Vokalaura von Sänger Glam (bürgerlicher Name: Åge Sten Nilsen) zeigt – die im Schlussteil zumindest mit einem amüsanten Gitarrengeflecht gekrönt wird. Aber in diesen konkreten sechs Minuten sagt dieser Song nichts, das die Erdachse ins Wanken brächte oder auch nur eine der beiden Augenbrauen leicht hochzöge. Zählt man das Instrumental Northbound dazu – das bestätigt, dass Teeny mit Van Halen als Vorbild aufgewachsen ist – und den einminütigen Intro, bleiben von der interessantesten Musik, auf die Fans neun Jahre gewartet haben, gerade mal 35 Minuten übrig.

Wie auch immer. »Never Say Die« ist ein Album, das das weitere Reifen der Band ausdrückt, einen Schritt in härtere und dunklere Gewässer der atmosphärischen Dramatik wagt und sich in Sphären näher am melodischen Rock bewegt – und vor allem: Es bringt die Band zurück unter die Lebenden. Hoffen wir, dass sie irgendwann auch wieder auf Konzertbühnen zu sehen sind.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. The Second Crusade (Intro)
2. Never Say Die
3. Hypnotized
4. Shadows Of Eternity
5. Kilimanjaro
6. Where Does It Hurt
7. My Kaleidoscope Ark
8. Dirty Little Secret
9. Call Of The Wild
10. Northbound (Instrumental)
11. Hard Love
12. Silver Lining

Besetzung:
Glam (Åge Sten Nilsen) – Gesang
Teeny (Trond Holter) – Gitarre
Flash (Bernt Jansen) – Bass
Sporty (Øystein Andersen) – Schlagzeug


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