Walter Trout: Sign Of The Times
Label: Provogue Records / Mascot Label Group
Erscheinungsdatum: 5. 9. 2025
Produktion: Walter Trout
Albumlänge: 45.15 min
Genre: Blues Rock
Bewertung: 8.5/10
Walter Trout ist unglaublich! Ein Blueser mit neun Leben. Ein Musiker, der Lebensgeschichten aus dem Ärmel schüttelt, bei denen sich einem garantiert die Nackenhaare aufstellen. Ein Mann, der etwas zu sagen hat. „Sign Of The Times“ ist, man glaubt es kaum, Walters 21. Studioalbum. Ein Musiker, der seit Ende der Achtziger buchstäblich jedes Jahr ein Studioalbum nach dem anderen rauswirft, erlebt nach seiner erfolgreichen Lebertransplantation im Jahr 2014 eine wahre Renaissance! Eines ist sicher: Nach dieser Erfahrung muss er sein Leben schätzen und lieben. Mehr, als sich das die meisten vorstellen können. Wenn der Tod schon an deine Tür klopft, du es dir dann aber auf wundersame Weise anders überlegst und er dich noch ein bisschen länger auf der Erde herumwuseln lässt.
Neues Album, neues Paket voller phänomenal verpackter Blues-Rock-Abenteuer – neun neue Songs, durchdrungen von der einzigartigen musikalisch-expressiven Formel und der gitarristischen Gravur dieses unerschöpflichen Künstlers. Genau das ist es, weshalb man immer wieder zu Walter zurückkommt. Damit er einen mit seiner Magie berührt. Die verborgensten Winkel berührt und alle Schleier lüftet, die die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele verhüllen. Auch stimmlich donnert Walter wieder mit voller Wucht! Ohne Bremsen. Leidenschaftlich. Die Emotionen brodeln aus dem Musiker regelrecht heraus. Im Studio hat er sich eine Truppe zusammengestellt, der er in jeder Hinsicht vertraut und die ihn auch live begleitet. Eine bestens eingespielte Mannschaft also, die auch auf dem neuen Werk ein unglaublich lebendiges Gefühl liefert. Immer wieder drängt sich dieses Gefühl in den Vordergrund – als würde man ein Live-Album hören.
Walter ist ein aufmerksamer Beobachter der Realität. Er schimpft und klagt wieder über all die Verirrungen, in die die Menschheit schon längst hineingestolpert ist. In dieser Hinsicht lässt sich das Album erneut als eine Art persönlich bekennende Entgiftung verstehen. Ein Album, das man wirklich genießt.
Alles springt sofort an die richtige Stelle beim Opener Artificial, wo Walter seinen ganzen Ekel über den Einmarsch der künstlichen Intelligenz in alle Poren unseres Alltags herausschleudert – bis man nicht mehr weiß, was echt ist und was gelogen. Ein brutal direkt hingeknallter Track. Verdichtet sattes Sound mit Gitarrenphrasierung im Vordergrund und einem Gesang, der einen sofort in seinen Bann zieht mit seiner sinnlichen Natur. Einen absoluten Kontrast bringt darauf das blutende Blood On My Pillow, wo die vokale Interpretation noch bewegender ausfällt. Der Titeltrack ist einer der Höhepunkte des Albums. Er ist auf „Dropped D“ gestimmt. Dadurch wirkt er umso donnernder und verheerender in seiner Entfaltung klanglicher Massivität.
An Zartheit mangelt es nicht in Mona Lisa Smile, das der besondere Song des neuen Albums ist – gewidmet Walters Frau Marie, die ihm beim Texten hilft, seine Managerin ist und mit der er seit über 30 Jahren zusammenlebt. Ein rührender Track, bei dem das Arrangement übernimmt, denn der Song trägt auch einige Folk-Federn in sich, mit dem betonten Schmelz sanfter musikalischer Nuancen, die Geige und Mandoline auf das Trefflichste miteinander verweben.
Unbeugsam ist Walter aber in den Momenten, wenn er mit voller Kraft und mit der Wucht seiner Phrasierung zuschlägt. Vier solche Momente gibt es auf dem Album. Sein Opener Artificial, der Titeltrack und dann das fantastische No Strings Attached, wo Walters Gitarrensolo einen besonderen Reiz fürs Hören entfaltet – wobei es schlicht verblüffend bleibt, wie überzeugend Trout ist, wenn er sich mit ganzem Herzen und feinster Präzision jedem einzelnen Ton widmet, den er dem Gitarrenhals entlockt. Dem eben Beschriebenen in nichts nachstehend ist das ultimative Album-Erdbeben mit dem treibenden und aufwühlenden Struggle To Believe!
Zur Gitarrenphrasierung gesellt sich durch das gesamte Album klug der Hammond B3, der die Kompaktheit der Phrasierung koloriert und betont, das fantastische Solospiel wird zudem mehrfach durch Klavierbegleitung veredelt! Die Organik bekommt auf diesem Album ihren festen Platz. Immer wieder, wenn Walter Trout die Bühne betritt. Das leichtfüßigere I Remember ist ein ausgezeichneter Albumabschluss, mit einem Finale, das das „stürmische Jonglieren“ der aufgewühlten Klagen und Verzweiflung beruhigt, die in der Ode über das Überwinden einer Abhängigkeit (Struggle To Believe) enthalten sind – und in das schließlich die Sonne hereinstrahlt und eine Welle des Optimismus die Oberhand gewinnt.
Diese Rezension darf nicht zu lang werden. Wer Walter kennt und wer ein echter Fan der Bluesmusik ist, der wird diese Rezension gar nicht erst lesen, während sein Exemplar dieses Albums den Plattenteller einfach nicht mehr verlassen will. Das neue Walter-Album hat er nämlich schon in seiner Sammlung. Der verehrte Gitarrist hat wieder alles geliefert, wofür er so geschätzt wird und wofür er bekannt ist. Eine fantastische Collage sinnlicher gitarristischer Feinmechanik, bei der jeder einzelne Ton, spontan gebogen und nach Walters Maß detailliert, mächtig aufstöhnt. Dazu ein bedingungslos ehrlicher Gesangsvortrag, der die Seele des Musikers erneut vollkommen bloßlegt. Das Album „Sign Of The Times“ strotzt vor Hingabe. Es ist ein neues, kraftvolles Manifest des kreativen Schwungs dieses Künstlers, der einfach nicht nachlässt. Ein Album einer eigenartigen Fusion aus Blues, Hard Rock und Folk-Momenten, das unter dem Taktstock des einzigartigen Handwerks von Walter Trout einmal mehr verzaubert. Künstlerisch lässt dieser Musiker auch mit 71 Jahren in nichts nach und liefert das Beste, was es gerade gibt.
Unterm Strich! Ungeachtet der Tatsache, dass es bei Trout keinerlei Geheimnisse mehr gibt, ist „Sign Of The Times“ eine Platte, die euch erneut emotional erschüttern wird. Walter bleibt mit dem neuen Werk ein außerordentlich hellsichtiger und relevanter Künstler.
Achtung! Das CD-Format enthält eine andere Reihenfolge der Tracks als das Vinyl. Wir haben dem Vinyl gelauscht!
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
Seite A:
1. Artificial (4:25)
2. Blood On My Pillow (5:18)
3. Sign of the Times (5:11)
4. Hurt No More (4:33)
5. Too Bad (3:29)
Seite B:
1. No Strings Attached (5:10)
2. Mona Lisa Smile (4:21)
3. Struggle To Believe (6:16)
4. I Remember (5:36)
Besetzung:
Walter Trout – Gitarre, Gesang, Mundharmonika
Teddy ‚Zig Zag‘ Andreadis – Hammond B3, Klavier, Akkordeon
John Avila – Bassgitarre
Steve Blacke – Violine und Mandoline auf „Mona Lisa Smile“
Tomas Ross Johansen – Hammond B3, Shaker und Tamburin auf „Mona Lisa Smile“, Tamburin auf „Artificial“, „Sing Of The Times“ und „Hurt No More“
Walter Trout – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“ und „I Remember“
Michael Leasure – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“ und „I Remember“
John Avila – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“ und „I Remember“
Teddy ‚Zig Zag‘ Andreadis – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“ und „I Remember“
Thomas Ross Johansen – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“ und „I Remember“
Wally Bass – Hintergrundgesang auf „Sign Of The Times“
