Thundermother: Heat Wave

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Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 31. 7. 2020
Produktion: Søren Andersen
Albumlänge: 49.24 min
Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Bewertung: 8.5/10


Thundermother ist ein schwedisches All-Female-Rock’n’Roll-Quartett, von dem es noch 2017 aussah, als wäre alles vorbei – die Gründerin und Gitarristin Filippa Nässil wurde von allen vier damaligen Bandmitgliedern verlassen. Doch das Schicksal wollte es anders, und der Gitarristin gelang es in relativ kurzer Zeit, die Truppe neu aufzustellen, die damit zum Quartett wurde. So bestieg die Band im vergangenen Jahr bereits die Bühnen der größten Festivals in Europa und absolvierte sogar eine echte Headliner-Tour. Die erste in ihrer Karriere. Im deutschsprachigen Teil Europas und in Skandinavien können Thundermother bereits mit einer beachtlichen Fangemeinde punkten.

Es ist immer faszinierend, Bands zu verfolgen, die ausschließlich aus Frauen bestehen. Seinerzeit gab es in Schweden eine sehr vielversprechende Band dieser Art, die auch eine beachtliche Reihe von Alben veröffentlichte und später auseinanderbrach. Sie nannten sich Crucified Barbara. Bei der Erwähnung dieses Namens können manche »Glückliche« – die im hermetisch erstickenden Land der »Boutique-Rockerinnen«, eingezwängt zwischen Kolpa und Alpen, leben – bereits ahnen, worum es im Folgenden gehen wird.

Thundemother haben mit »Heat Wave« eine sehr reife Leistung abgeliefert, bei der es entschieden zu viele Songs gibt; allerdings ist auch die Zahl dreizehn – so viele haben es auf das neue Album geschafft – eine Art Glückszahl, denn sie präsentiert die Band in neuem, aufgefrischtem Gewand als außerordentlich kohärente Einheit, die bis zum Album »Heat Wave« noch keine solche Konsistenz bewiesen hatte. Das neue Album ist Ausdruck neu entfachter Begeisterung, einer Vision klarer Ambitionen, leidenschaftlichen Engagements und konsequenter Fokussierung, um das Ziel zu erreichen. Was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Die Band ist direkt durchs Feuer der »Läuterung« gegangen und hat eine »kostbare« Erfahrung gemacht.

Freilich ist das Album vorhersehbar, und die Mädels entdecken keine neue musikalische Revolution. Man spürt deutliche Einflüsse von Bands wie AC/DC, was bedeutet, dass Thundermother auch allen AC/DC-Klonen à la Airbourne gefallen werden. Die Lausbuben-Note wird zusätzlich durch die Inspiration an Guns N‘ Roses injiziert. Die Band ist sehr »ungeschminkt«, ehrlich und geht direkt ran. Frontal. Die Phrasen sind simpel, die Rhythmen eingängig und stürmisch. Ein überwiegend »adrenalinhaltiges« Album, das zu einer höllischen Party einlädt, übergossen mit hochoktanigen Derivaten und vollgepackt mit Zigarettenrauch und Alkoholdämpfen. Also, was unterscheidet diese Mädels von der durchschnittlichen Truppe an Boutique-Rockerinnen? Fleiß und Arbeitseifer. Emsigkeit. Gleichzeitig haben sie innerhalb der neuen Besetzung eine außergewöhnliche Chemie und klare Bande gegenseitiger Wahrnehmung entwickelt. Ich habe die Band auf der Bühne des Bang Your Head Festivals erwischt, wo sie mit ihrem Biss gut tausend Köpfe in echten Delirium versetzt hat. Sie können »rau« und bissig sein. Sängerin Guernica ist schlicht vom Teufel. Sie besitzt eine außergewöhnlich einprägsame und durchdringende Stimme, die autoritativ und dominant anspricht. Die Songs leben dadurch definitiv auf. Gitarristin Filippa Nässil versteht sich meisterhaft darauf, minimalistische Tricks zu definieren, die aber vollblütig und sofort zünden. Die Frau kann ein explosives Solo hinlegen, das die Spannung der ohnehin aufgeladenen Nummern aufrechterhält. Sie bedient sich auch Slide-Tricks (beim Festivalauftritt schämt sie sich nicht mal fürs »Bottleneck«-Spiel). Die Rhythmussektion entwickelt die gewünschte Wucht, eine kontrastierende Tiefe und verstärkt beziehungsweise intensiviert das Volumen des Klangbildes. Es gibt zu viele Songs, auch zehn hätten gereicht, da der Stil vorhersehbar ist. Aber wie gesagt. Die Mädels treten mit aller Wildheit, mit aller Kraft und mit allem elementaren Feuer und Herzblut. Gleichzeitig sind sie verdammt gute Musikerinnen. Und wie gesagt. Sie geben sich nicht mit wenig zufrieden. Für sie zählt nur das Beste. Die Songs sind daher ausgereift, und das Album entwickelt Intensität und eine hohe Dynamik.  

Das Witzige ist: Hat man sich einmal auf einen Stil festgelegt, der im Kern Hard Rock ist und sich offen mit Elementen des Blues, Heavy Metal und auch Punk verbrüdert, wird man sich davon (mit ziemlicher Sicherheit) nicht mehr lösen. Eine Änderung wäre zu radikal, das Risiko zu groß. Das bedeutet, dass auch für die Zukunft ein gewisser Standard gesetzt ist. Revivalismus ist immer willkommen, denn er schlägt an die Herzen der Fans von Hard-Rock-Bands und der altmodischen Schule des klassischen Metal sehr effektiv; andererseits ist klar, dass die Entwicklung der Band irgendwie abgeschlossen ist. Von hier an weißt du genau, welches Album du von Thundermother erwarten kannst. Angesichts des hervorragenden Teams und der handfesten Erfahrungen ist klar, dass die Mädels uns auch in Zukunft nicht im Stich lassen werden.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
1. Loud And Alive
2. Dog From Hell
3. Back In ’76
4. Into The Mud
5. Heat Wave
6. Sleep
7. Driving In Style
8. Free Ourselves
9. Mexico
10. Purple Sky
11. Ghosts
12. Somebody Love Me
13. Bad Habits

Besetzung:
Guernica Mancini – Gesang
Filippa Nässil – Gitarre
Majsan Lindberg – Bass
Emlee Johansson – Schlagzeug


Thundermother – Dog From Hell (offizielles Video)
Thundermother – Sleep (offizielles Video)
Thundermother – Driving In Style (Konzert-Video)
Thundermother – „Heat Wave“ (Albumcover)
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