Stryper: The Final Battle
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 21. 10. 2022
Produktion: Michael Sweet
Albumlänge: 46.30 min
Genre: Heavy Metal
Bewertung: 8.0/10
Stryper sind Legenden des „White Metal“ – nennen wir sie ruhig die Bannerträger des sogenannten christlichen Metals, der in den Achtzigern aufblühte, vor allem nachdem man begann, Alben bestimmter sündiger Künstler mit dem „Parental Advisory“-Aufkleber zu versehen – der verstorbene Frank Zappa hätte dazu einiges zu sagen gehabt. Damals kamen clever genug aufgestellte Musiker auf die Idee, ihren Metal den Massen anzubieten, indem sie ihre biblisch inspirierten Texte vertonten. Dabei darf man nicht aus den Augen verlieren, dass die Wiege dieser „Manöver des Quasi-Moralisierens“ (ihr habt es geahnt) in den USA stand. Das Aufblühen des christlichen Metals jenseits des Atlantiks hat zum Glück keine wesentlichen Erschütterungen in Form ähnlicher Anpassungen anderswo auf der Welt ausgelöst. Stryper haben bis heute auf den Schwingen kommerziellen Erfolgs (ausschließlich auf US-amerikanischem Boden) über 10 Millionen Studioalben verkauft. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie an die Bibel glauben oder nicht – auch wenn Michael Sweet, sollte er das hier lesen, mir sofort eine ordentliche „freimaurerische“ Ohrfeige verpassen würde. Hauptsache, diese Art von Verpackung verkauft sich bei den „eingeschränkten Amerikanern“ eben. Spulen wir 40 Jahre vor und werfen wir einen Blick auf den Zustand von Michael Sweet und seiner Stryper-Gefolgschaft im Jahr 2022. Er bleibt nach wie vor ein wirklich unglaublicher Musiker. Neben Soloalben und der Einbindung in andere Musikprojekte bewahrt er einen hohen kreativen Antrieb und eine Frische, die er auch in reguläre Stryper-Alben einfließen lässt. Es lohnt sich hervorzuheben, dass die Reihe von Albumveröffentlichungen der letzten Dekade der Band schlichtweg erstklassig ist. Sweet und seine Crew lassen also in keiner Hinsicht nach.
Auch „The Final Battle“ ist überlegen metallisch aufgebürstet und gleichzeitig unglaublich musikalisch intensiv. Packend. Durchdringend. Eindringlich. Es greift einem schon beim ersten Durchlauf unter die Haut. Diese Feststellung gilt eigentlich für jedes postmillenniale Album der Band. Vokalich ist Michael Sweet unerschöpflich! Der Mann, der in diesem Jahr seinen 59. Geburtstag feierte, erreicht auch 2022, wenn die Band ihr insgesamt 12. (echtes) Studioalbum veröffentlicht, eine außergewöhnliche stimmliche Klasse – mit sofort wiedererkennbarer vokaler Charisma, die eine der Hauptmarken der Band ist.
Die hymnischen Melodien liefern allesamt theatralische Bombastik. Episch-pompöses Drama-Theater, wenn man so will. Interessant ist diese Verbindung aus aufgebürsteter Metalphrasierung und ultra-ansteckender Musikalität, die in der Kombination mit hoher Zugänglichkeit auch auf dem neuesten Album verdammt gut funktioniert. „The Final Battle“ hat in dieser Hinsicht alle Erwartungen aller alten und treuen Anhänger der Band erfüllt. Bizarr ausgedrückt, aber bei Stryper wirkt es schon seit einer Weile irgendwie so, als wollten Queen klingen wie Judas Priest – oder umgekehrt. Chorharmonien schmücken wieder geschickt die Refrainmelodien, was eine packende Pomp-Atmosphäre erzeugt. Die Mid-Eight-Passagen sind geschickte stimmungsmäßige Abweichungen, die in die Kompositionen zusätzliche Dynamik einbringen. Sie sind durchzogen von einer neuerlich makellosen Kombination aus dem Gitarrensolieren von Michael Sweet und Oz Fox. „The Final Battle“. Nach den ersten vier Marschstücken, mit denen das Album auf riesigen Flügeln christlich-weißen Metal-Pomps aufsteigt, halten Stryper die Packungskraft auch im rhythmisch ruhigeren Near äußerst wirkungsvoll aufrecht – geschmückt von einer der gelungensten Refrainmelodien, dazu noch geschickt eingewebte Arrangementelemente, die für die Ästhetik des Pop der Achtziger charakteristisch sind. Makellos!
Verglichen mit dem Vorgänger „Even The Devil Believes“ (2020), der in Strypers eigenem Produktionskriterium zur Oberliga des Geschliffenen gehört, ist das neue Album „The Final Battle“ musikalisch intensiver. Trotz des ungeahnten Wucherns der Metal-Phrasen wirkt es als Ganzes „weicher“. Sagen wir lieber „ohrfreundlicher“. Dank einer höheren Dosis musikalischer Optimierung, die erneut ihresgleichen sucht. Sweet bleibt in dieser Hinsicht des Kompositionshandwerks ein feinsinniges Genie. Ein abgebrühter Fuchs.
Die inhaltliche Diversität zwischen den Songs ist auch auf diesem Album wieder zu Hause. Elf bis zum Ende ausgefeilte Stücke beweisen, dass Stryper einfach kaum etwas entgeht. Highlights herauszugreifen fällt schwer. Die Refrainmelodien stehlen einander die Show. Wenn das phänomenale Near abgespielt ist, folgt der verführerische Refrain des nächsten Out, Up & In, dem wiederum die klassisch geschnittene, beschleunigte Marschkolade Rise To The Call folgt. Letztere gilt als typischer Stryper-Stampede, den die Band in ihrer Karriere mehrfach erfolgreich erprobt hat und der auch diesmal geschickt neu verpackt auf dem neuen Album den Anhängern wieder serviert wird. Interessant ist, dass das folgende Stück The Way, The Truth, The Life im Grunde eine ähnliche motivische Struktur verwendet wie das vorangehende Rise To The Call, die rhythmische und arrangementechnische Verpackung jedoch etwas anders ist – es zieht das Album geschickt aus dem Gefühl der Repetitivität heraus, erneut eine dynamische Abweichung hin zu einem exzellenten Refrain.
Zum Abschluss: Das neue Stryper-Album ist (erwartungsgemäß) wieder eine hervorragende Leistung in der Karriere der ideell unerschöpflichen Unbeirrbarkeit von Frontmann Michael Sweet und seiner Truppe. Die Wünsche der Fans wird es mehr als erfüllen. Ganz sicher wird es den einen oder anderen neuen Anhänger gewinnen, den das perfekte Zusammenspiel aus metallischer Aufgebürstetheit und sonischer Bombastik einer ultra-ansteckenden musikalischen Ästhetik anspricht. „The Final Battle“ versagt in diesem Element keineswegs – und genau das ist das Wesentliche, das die Band im Prozess der Studiokreation des neuen Albums in erster Linie herausarbeiten wollte. So wie immer. Ihr Ziel hat sie also wieder einmal erreicht!
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Transgressor
2. See No Evil, Hear No Evil
3. Same Old Story
4. Heart & Soul
5. Near
6. Out, Up & In
7. Rise To The Call
8. The Way, The Truth, The Life
9. No Rest For The Wicked
10. Til Death Do Us Part
11. Ashes To Ashes
Besetzung:
Michael Sweet – Gesang, Gitarre
Oz Fox – Gitarre
Perry Richardson – Bass
Robert Sweet – Schlagzeug
