Sonic Haven: Vagabond

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 7. 5. 2021
Produktion: Herbie Langhans
Albumlänge: 54.27 min
Genre: Power Metal
Bewertung: 8.0/10


Sonic Haven ist ein neues deutsches Heavy-Metal- und Power-Metal-Quartett, das von einem der talentiertesten deutschen Vokalisten ins Leben gerufen wurde, den die europäische Power-Metal-Szene in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Die Rede ist von Herbie Langhans, bekannt durch seine Mitarbeit bei Firewind, Sinbreed, Voodoo Circle, Beyond the Bridge und dem Projekt Avantasia. Um sich geschart hat Langhans ein erstklassiges Team: Schlagzeuger André Hilgers (Bonfire, Rage, Silent Force), Gitarrist Carsten Stepanowicz (Radiant) und Bassist Dominik Stotzem (Beyond the Bridge).

Es handelt sich also um eine äußerst erfahrene und – das lässt sich schon beim Bandstart sagen – reife musikalische Truppe, die bereits für das Debüt mit einer klar ausgearbeiteten Vision und einem klaren Ziel ins Studio gegangen ist. Das Ziel: ein klassisches deutsches Power-Metal-Album zu erschaffen, das tatsächlich eine Art Destillat der oben genannten Bands darstellt. Der erste Magnet des Albums ist zweifellos die außergewöhnliche Stimmkraft von Langhans, der echtes Chamäleon-Talent beweist – er vereint mehrere verschiedene Charaktere, die auch unterschiedliche Temperamente offenbaren. Sein Auftritt ist gleichermaßen eindringlich, ob er mit klarem, autoritativem Befehlston herangeht oder die Stimmbänder schließt und kehlig singt. Mühelos trifft Langhans auch extrem hohe Vokallinien. Kein Wunder, dass er seinen Job bei Avantasia bekommen hat.

Die Band liefert zwar nichts noch nie Gehörtes, doch das neue Format dieser vier Musiker erschafft gemeinsam seine eigene Version einer bewährten musikalischen Rezeptur – die, und das wirst du voraussehen können, einmal mehr wirkungsvoll und überzeugend zündet. Auch wenn die Tracks streng im vorgezeichneten Genre-Schema reiten, entwickeln sie eine willkommene kompositorische Vielfalt: Die Gitarrenphrasen sind brennend eindringlich und sofort mitreißend, und das gilt ebenso für die allgemeine Musikalität des Albums. Die Songs kriechen einer nach dem anderen direkt unter die Haut. Das Solieren und die „gleitende Durchdringungskraft“ der Phrasenausschmückung (auch mit Terz-Harmonien) bewegt sich auf dem Standard-Niveau, das seit Jahren jedes hochkarätige Power-Metal-Album verlangt.

Die Produktion des Debüts übernahm Herbie Langhans selbst, Mix und Mastering lagen bei seinem Avantasia-Kameraden, dem anerkannten deutschen Produzenten und Toningenieur für Power-Metal-Alben, Sascha Paeth. Die Orchestrierungen steuerte Miro bei. Das ist spürbar im Anstieg epischer Bombastik in einzelnen Albumpassagen, wie es etwa bei Keep the Flame Alive klar zu hören ist – ohne dabei befürchten zu müssen, dass Miro Sonic Haven in Richtung Rhapsody of Fire „umbiegen“ könnte.

Die Band versteht es auch, ein erhebliches Maß an düsterer Finsternis und Momenten totaler Verdammnis zu zeigen, wie es die Vibration und Stimmung von The Darker Side vermittelt – doch auch in solchen Momenten verleugnen sie ihr Gespür für hochansteckende Musikalität nicht. Hervorzuheben sind die exzellente Umsetzung und auch die Detailarbeit an der musikalischen Verpackung selbst. Die Arrangements sind bombastisch verpackt und sprechen mit einer gierigen Portion Drama-Theater an. Das Team beweist reiche Kilometrleistung und Erfahrung. Vielleicht hätte es alle auch ohne die allzu vorhersehbare Ballade Save The Best For Last gegeben, die im Glanz einer „Metal-Eurovision-Chanson“ dem Werk in seiner zweiten Hälfte etwas Schwung nimmt. Striking Back – der abschließende Track des Albums – orientiert sich in seiner Jagd nach Hymnen-Charakter an modernen Mitteln von Bands wie Sabaton, Bloodbound oder sogar Powerwolf. Er eröffnet gleich mit dem Refrain und bedient sich damit für die eben beschriebene Manier eines sehr charakteristischen kompositorischen Manövers.

Vor dir liegen knapp 55 Minuten Reise durch das musikalische Erbe der deutschen oder sagen wir ruhig europäischen Power-Metal-Tradition. Sonic Haven werden für jeden Power-Metaller interessant sein, da sie sich klanglich wie stilistisch in Nuancen auch mit Bands verbrüdern, in denen spürbare expressive Abweichungen herrschen – wie Primal Fear, Dream Evil und sogar den späteren Helloween. Der eingefleischte und verbissene Fan von musikalisch hyper-sensitivem, aber angenehm aufgebürstetem und kompromisslosem Riffing wird über dieses Werk nicht lange nachdenken, sondern es ziemlich schnell adoptieren.

Autor: Aleš Podbrežnik


Trackliste:
1. Vagabond
2. Back To Mad
3. Nightmares
4. Keep The Flame Alive
5. End Of The World
6. The Darker Side
7. I Believe
8. Save The Best For Last
9. Blind The Enemy
10. From White To Black
11. Striking Back

Besetzung:
Herbie Langhans – Gesang, Hintergrundgesang
Carsten Stepanowicz – Gitarre
Dominik Stotzem – Bassgitarre
André Hilgers – Schlagzeug

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