Simple Minds mit einer Revue ihrer größten Hits auch die Arena von Pula im Sturm genommen (2024)

foto: ALEŠ PODBREŽNIK 2024
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Simple Minds (Vorgruppe: Grad)
Datum: Mittwoch, 3. 7. 2024
Ort: Pula / Arena / Kroatien


Simple Minds brauchen keine allzu lange Einleitung. Sie sind New-Wave- und Art-Rock-Legenden, die sich über großen kommerziellen Erfolg freuen dürfen. Wenn man den Bandnamen beim Wort nimmt, hat sich ihre Musik (über all die Jahre und zahlreichen Alben, die Simple Minds veröffentlicht haben) in ihrer Elementarität kaum wesentlich verändert. Sie bleibt leicht, unkompliziert, sofort packend. Auch wenn die jüngsten Studioalben einen klar spürbaren künstlerischen Sprung markieren, durch den jede Spur der bescheidenen Anfänge, mit denen Simple Minds 1977 im schottischen Glasgow ihre ersten Schritte wagten, schon seit geraumer Zeit beinahe vollständig verwischt ist.

Von Ende der Siebziger bis heute tragen Simple Minds den Ruf, eine der bekanntesten schottischen Bands zu sein, die in ihrer Karriere über 60 Millionen Platten verkauft und eine Reihe von Singles veröffentlicht haben, die auf beiden Seiten des Atlantiks die Chartspitzen erklommen. Allein in Großbritannien schafften sie es mit sage und schreibe fünf Alben auf Platz eins der dortigen Charts: „Sparkle In The Rain“ (1984), „Once Upon A Time“ (1985), „Street Fighting Years“ (1989), das Livealbum „Live In The City Of Light“ (1987) und die Kompilation „Glittering Prize 81/92“ (1992).

Auch im letzten Jahrzehnt bestätigen sie ihren Einfluss, und ihre Liveauftritte haben bewiesen, dass sie ihren Status als Musikmacht beibehalten, die Venues mit zehntausenden Besuchern füllt. Der überreiche und umfangreiche Hitskatalog, den Simple Minds live präsentieren, umfasst unvergängliche Klassiker wie u. a.: Don’t You (Forget About Me), Alive & Kicking, Belfast Child, Promised You A Miracle, Glittering Prize, Waterfront, Sanctify Yourself, Someone Somewhere in Summertime sowie viele weitere aus ihrer über 40-jährigen Karriere.

Genau zwei Jahre sind seit dem Zagreber Besuch der Band vergangen! Damals war das Venue ŠRC Šalata komplett ausverkauft (fasst ca. 5.000 Leute). Im Herbst 2022 erschien das neue Album „Direction Of The Heart“ (RockLine Rezension), und im Sommer dieses Jahres brachen sie zu einer neuen Tournee auf. Die „Global Tour“ führt sie in diesem Sommerabschnitt 2024 vorwiegend durch den Mittelmeerraum mit Stationen in Italien, Kroatien, Spanien, Portugal und Frankreich. Das Amphitheater von Pula ist so ziemlich das ideale Konzertgelände. Das Ambiente allein setzt noch das i-Tüpfelchen drauf, wenn du weißt, dass du einen geradezu perfekten Konzerttag erleben wirst! Wenn du obendrein noch ein glühender Fan des Künstlers bist, den du in eben dieser römischen Arena besuchen wolltest, dann kann dir absolut nichts entgehen.

Gegen halb neun abends betraten Grad die Bühne. Legenden des Riječkog novog vala. Wer sie zum ersten Mal hört, würde sie irgendwo zwischen ihren Generationsgenossen Laufer und Ogledala einordnen. Die Band, die heute von drei Originalmitgliedern vertreten wird — Sänger Dean Škaljac sowie den Gitarristen Igor Stevanović und Orijen Modrušan — machte keinen Hehl aus ihrer guten, geradezu ausgezeichneten Stimmung. Warum auch nicht? Ein toll gefülltes Gelände. Nicht jeden Tag begleiten dich ein paar tausend Menschen bei einem Konzert. Die kamen inzwischen übrigens noch immer in Scharen an. Die Band ist sehr versiert und erfahren. Das Zusammenspiel und der kompakte Sound kommen nicht von ungefähr. In gut einer halben Stunde spielte Grad die wesentlichen Stationen einer Karriere ab, die kaum kürzer ist als die von Simple Minds. Wir hörten u. a.: Eni, Kreni, Nebo, Kako da zaboravim (Simple Minds sagen derweil: „Nemoj da zaboraviš (na mene)!“), Ima li nešto, Vodi me. Wer sich in die Achtziger und die frühen Jahre von Grad hineindenkt, spürt die Einflüsse jener Zeit. Der Zeit, in der der New Wave geboren wurde. Das liegt auf der Hand. Und hier finden sich auch Parallelen zu Simple Minds — man muss sich also eingestehen, dass die Wahl von Grad als Vorgruppe für Simple Minds eine ziemlich kluge Entscheidung war, die die Band selbst übrigens nie vergessen wird.

Gegen halb zehn abends war dann alles bereit für die Stars des Abends. Den Kern von Simple Minds bilden 2024 die Gründungs- und Originalmitglieder — man kann ruhig sagen: Ikonen — Sänger James Kerr sowie Gitarrist und gelegentlicher Keyboarder Charlie Burchill. Auf der Bühne treten Simple Minds als Septett auf, was sie in den letzten Jahren offiziell auch sind. Den beiden Hauptakteuren gesellen sich hinzu: Bassist Ged Grimes (seit 2010 bei Simple Minds), die überaus attraktive und lebhafte Schlagzeugerin Cherisse Osei, die ausgezeichnete zusätzliche Backgroundsängerin Sarah Brown, Zusatzgitarrist Gordy Goudie und der zuletzt hinzugestoßene Keyboarder norwegischer Herkunft Erik Ljungrenn — ein außergewöhnlicher, genreflexibler und anpassungsfähiger Studiomusiker, den alle kennen! Na ja, zumindest in Norwegen. Von A-HA bis Satyricon. Er hat im Team kürzlich seine Vorgängerin Berenice Scott abgelöst.

Diesmal gaben Simple Minds ein gut halb so langes Konzert wie vor zwei Jahren in Zagreb, als sie inklusive Pause in zwei Teilen und mit obligatorischer Zugabe fast drei Stunden spielten. Im Repertoire behielten sie Songs aus den Setlists der vergangenen zwei Jahre bei und spielten inklusive Zugabe ein Konzert von einer Stunde und knapp drei Viertelstunden. Aber daran sollte man sich nicht aufhängen. Das einzigartige Venue, das die Band zum ersten Mal in ihrer Karriere bespielte — und das Publikum Simple Minds dort ebenso zum ersten Mal erlebte —, lieferte mit bravourös ausgewogenem Sound, eingespielter Harmonie und erstklassiger Umsetzung sein Bestes. Das musikalische Unikat, für das sie berühmt sind. Darin reihten Simple Minds Hit an Hit und holten das Beste aus sich selbst (und dem ausgeflippten Publikum) heraus.

Das Material konzentrierte sich auf die zentralen Alben der Simple-Minds-Karriere: „New Gold Dream (81-82-83-84)“ (1982), „Sparkle In The Rain“ (1984), „Once Upon A Time“ (1985) und „Street Fighting Years“ (1989), ergänzt um zwei Stücke vom Album „Real Life“ (1991). Die erstklassige Überraschung der Auswahl war der Song Big Slip vom Album „New Gold Dream (81-82-83-84)“, den die Band seit Ende der Achtziger gar nicht mehr in ihrem Konzertrepertoire hatte.

Jim Kerr hält sich ausgezeichnet. Stimmlich und körperlich. Neben der gitarristischen Einzigartigkeit von Charlie Burchill ist Kerr eines von zwei Markenzeichen der Band — für Erscheinung und Stimme. Auf der Bühne bleibt er ungemein agil. Ansteckend. Voller Magnetismus. Voller seiner berühmten Tanzeinlagen, mit ständigem Anfeuern des Publikums und Ansagen. In ein paar Tagen wird er runde 65 Jahre alt. Seit vielen Jahren auf Sizilien ansässig, italienischer Staatsbürger und Hotelbesitzer in der Stadt Taormina, in dem seine Gäste während des Konzerts in Pula Selfies durch die Hotelfenster mit Blick auf den brodelnden Ätna machen konnten. Der vitale Sänger zeigt keinerlei Abnutzungserscheinungen. Das lässt sich ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen auch über seinen einige Monate jüngeren Simple-Minds-Kompagnon und Weggefährten Burchill sagen, der erneut mit seiner gitarristischen Finesse beeindruckte — bei Mandela Day griff er zur roten Fender Stratocaster und legte dort ein faszinierendes Solo mit einem Fingerpick hin. Burchill hält natürlich treu an seiner weißen Gretsch Falcon und einer Reihe von Gibson Les Paul Gitarren mit eingebautem Tremolo fest. Der bekannte Sound, bei dem sich Burchill geschickt auf die Effekte ‚Chorus‘ und ‚Delay‘ stützt, bleibt in allem hypnotisch anziehend und berauschend. Die übrigen Klang- und Bühnenbauteile funktionieren wie aus einem Guss und perfekt aufeinander abgestimmt. Sarah Brown, eine außergewöhnliche Sängerin, bekam diesmal mehr Aufmerksamkeit. Sie trat mehrmals ganz in den Vordergrund für Duette mit Kerr, während bei der ersten Zugabe — Book of Brilliant Things („Sparkle In The Rain“, 1984) — Kerr den Gesang vollständig an Brown übergab.

Ein mit erstklassiger Atmosphäre aufgeladenes Konzert, das mit einer der besten Eröffnungen begann, die man sich bei einem Simple-Minds-Konzert vorstellen kann — dem wuchtigen und zugleich ekstatisch-pompösen Waterfront, das einen sofort ins Wiegen bringt —, über eine Serie der herausragendsten Momente der Achtziger, darunter das schon früh im Set herausragende Sanctify Yourself, bis hin zum grandiosen zweiten (instrumentalen) Teil des Klassikers Belfast Child und natürlich dem großen Finale, das mit dem ansteckenden Someone Somewhere in Summertime und anschließend dem Hit der Hits, dem weltweit populären Evergreen Don’t You (Forget About Me), entschieden zu früh kam.

Nach dem ersten Zugabensong bereitete das zündende See The Lights die perfekte Startrampe in den finalen Crescendo unseres diesmaligen Treffens mit Simple Minds. Gefehlt hat natürlich Alive & Kicking, das Simple Minds immer bewusst in die Länge ziehen. Auch diesmal war es so. Das Venue auf Zehenspitzen, die Hände von fast 10.000 Menschen in die Luft gereckt, die jeden Bühnenschritt und jede Geste von Kerr gebannt verfolgten und den Refrain des Songs lautstark mit der Band mitbrüllten! Ein donnerndes Finale bis zum theatralischen Höhepunkt des Konzerts! Eine neue unvergessliche Erfahrung mit Simple Minds. Beide Hauptakteure des Septetts wirken noch immer jugendlich und energisch, sodass man als Zuschauer keineswegs das Gefühl bekommt, Simple Minds seien gealtert — auch wenn sie in drei Jahren ihr 50-jähriges Bestehen feiern werden. Aber sie reifen weiter. Möge es so bleiben.

Text: Edita Klemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen (Fotos Nr. 1., 2., 3. und 66.)

Simple Minds – Setlist:
1. Waterfront
2. Once Upon a Time
3. Mandela Day
4. Hunter and the Hunted
5. Big Sleep
6. Sanctify Yourself
7. Let There Be Love
8. Come a Long Way
9. Glittering Prize
10. Promised You a Miracle
11. New Gold Dream (81-82-83-84)
12. Belfast Child
13. Someone Somewhere in Summertime
14. Don’t You (Forget About Me)
—Zugabe—
15. Book of Brilliant Things (Sarah Brown am Gesang)
16. See the Lights
17. Alive and Kicking

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