Sepultura brachten ein Stück der „Celebrating Life Through Death“-Tour auch nach Zagreb (2026)
Sepultura, Vorband: Evil Invaders
Montag, 8. 6. 2026 von 20.00 Uhr bis 22.45 Uhr
Zagreb // ŠRC Šalata // Kroatien
Sepultura, brasilianische Ikonen des Thrash- und Groove-Metal – ein Name, bei dem jedem eine Gänsehaut überläuft, der auf die rohe Abrasivität einer aufmüpfigen Haltung setzt, auf diese, global betrachtet, wirklich einzigartige Metal-Formation. Die Jahre fliegen. Zu schnell. Und sie haben auch Sepultura erwischt, die seit einer Weile unter dem Titel „Celebrating Life Through Death“ Konzerte auf der ganzen Welt spielen, die ihre letzten sein sollen. Das heißt, auch diese Konzerte, die die Band nach Europa geführt haben, stehen im Zeichen des Abschieds. Und nach Kroatien sind sie nach 2014 nun endlich wieder zurückgekehrt! Das hat lange gedauert.
In dieser Zwischenzeit ist die Band live wirklich zu einer heiß umkämpften Größe geworden. 2009, als ich sie im Zagreber Club Boogaloo erwischte, wo sich weniger als eine Handvoll Leute reinquetschen, war das Gelände während des Konzerts mehr als halb leer. Es wirkte alles so, als würden Sepultura an Schubkraft verlieren – das war die Zeit, als auch der zweite Cavalera, Igor, die Band verließ, und die Lage war wirklich nicht rosig. Aber jetzt füllen sie das Stadion auf der ŠRC Šalata. Unglaublich. Sie sind zu Legenden herangewachsen. So einfach ist das. Wenn eine Band so nah an Slowenien Halt macht, ist die Schlussfolgerung simpel. Zu so einem Konzert geht man einfach hin! Auch an einem Montag.
Die tolle Nachricht war, dass die Vorband die belgischen Speed-Metal-Revivalisten Evil Invaders waren. Eine bessere Wahl findest du kaum. Eine idealere erst recht nicht. Evil Invaders, die in Slowenien schon aufgetreten sind – sowohl auf Clubbühnen als auch beim Festival Metaldays –, absolvierten in Zagreb vor Sepultura gleich ihr kroatisches Debüt. Und? Die haben es voll zerrissen. So wie nur sie es können. Wer die Band kennt, hat das nicht überrascht. Das ist Evil Invaders-Konzertstandard. So ist es bei ihnen immer. Sie gehen bis zum Ende. Mit voller Kraft. Wuchtig und unnachgiebig. Die beißen zu. Je näher das Konzert dem Ende kommt, desto härter beißen sie. Das aktuelle Album „Shattering Reflection“ ist zwar schon vier Jahre alt, spielte im Repertoire aber eine zentrale Rolle, wenngleich auch der Vorgänger „Feed My Violence“ nicht zu kurz kam. Die Band ist top eingespielt, angeheizt von der Tatsache, dass sie vor Sepultura auf einer wirklich großen Bühne spielen und dass es ihr erster Auftritt in Zagreb ist. Nummer für Nummer haben sie durchgezogen! Scharf gekleidet, mit seiner (handgefertigten) J-AXE-Gitarre bewaffnet und quasi ‚bis an die Zähne gerüstet‘ stand Joe (bürgerlicher Name: Johannes Van Audenhove) – charismatischer Anführer der Band mit einer unglaublich durchdringenden Stimmbreite, in der er atemberaubende Kraft entfaltet – im Mittelpunkt des ganzen Geschehens. Für den Abschluss hatte sich die Band einen der eindringlichsten und einprägsamsten Songs des neuen Albums aufgespart, das scharfe, anthemische und in jeder Hinsicht vernichtende Die For Me, bevor sie das Konzert mit dem zerstörerischen Finaldetonator Raising Hell – aus der EP „In For The Kill“ (2016) – abschlossen. Evil Invaders hatten auch einen sehr guten Sound, und vor allem wichtig: Sie ließen auf dem Gelände, das sich gegen Ende ihres Auftritts schon ordentlich zu füllen begann, buchstäblich niemanden gleichgültig zurück.
Bis zum Sepultura-Konzert brodelte es auf dem Gelände schon. Die akademischen 15 Minuten, dann ein eingespieltes Intro mit War Pigs (Black Sabbath), das andeutete, dass das Konzert doch begonnen hatte! Ohne großes Brimborium bezogen sie ihre Positionen. Und der Tanz der Feier des ‚Todes durch das Leben‘ begann. Die Bedingungen quasi ideal, die Band in bester Stimmung. Der hünenhafte Derrick Green bleibt eine Erscheinung ohne Vergleich. Sein spezifisches Bühnengame, seine Bewegungen, die Kommunikation mit dem Publikum und natürlich seine donnernde Lautstärke. Green erschüttert dich! Schon allein sein Anblick. Aber wenn er die Stimmbänder öffnet – Eruption! Total. Vernichtend, wütend und bestialisch. Keinerlei Zurückhalten. Kisser ist Kisser. Beim ständigen Headbangen, seinem Markenzeichen, deckt sein Gitarrenriffing enorm viel Raum ab. Mit nur einer Gitarre. Sechs Saiten erledigen alles. Auch in den Soli bleibt der Sound gewaltig gut gefüllt und spricht mit lawinenartiger Zerstörungskraft. Die Basslinien von Paolo Xisto, heute dem einzigen originalen Mitglied der Besetzung, fügen den rhythmischen Strukturen den dringend benötigten Groove-Moment hinzu. Alles läuft auf vollen Touren!
Greyson Nekrutman war natürlich das große Fragezeichen des Abends. In die Fußstapfen seines Vorgängers Eloy Casagrande zu treten, der 2024 zu Slipknot ‚desertierte‘, ist alles andere als eine leichte Sache. Es ist kein Geheimnis, dass die Rhythmen Sepultura seit jeher tragen und dass ihre rhythmischen Strukturen, die häufig Inspiration aus den Stammesritualen südamerikanischer Ureinwohner schöpfen, wichtiger sind als die Gitarrenriffs selbst. Der neue Schlagzeuger, mit Abstand das jüngste Mitglied der Band, hat alle Erwartungen erfüllt. Er ist definitiv ebenfalls jazzgeschult und hat sich vorher bei Suicidal Tendencies getempert, was eigentlich alles sagt!
Sepultura bleiben auch 2026 ein live unbezwingbares Biest, das man nicht zähmen kann. Die Setlist umfasste eine schöne Auswahl an Songs aus den klassischen Tagen der Band. Gleich mit dem Opener Inner Self – dem einzigen „Beneath The Remains“-Song des Abends – und mit ordentlich Gewicht durch Tracks der Alben „Arise“, „Chaos A.D.“ und „Roots“. Die neueste EP „The Cloud Of Unknowing“ blieb ebenfalls nicht unberücksichtigt. Ein besonderer Moment war natürlich Kaiowas, das nach mehreren Jahren ins Repertoire zurückgekehrt ist und wo neben dem Hauptschlagzeug eine Fülle zusätzlicher Drums eine einzigartige und unverwechselbare Atmosphäre des Konzertshows zaubert. Der Abschlussteil lieferte einen Tornado in der Reihenfolge der Klassiker Dead Embryonic Cells und Slave New World. Einen besonderen Platz nimmt das unglaubliche Territory ein, mit dem das Konzertgeschehen zügig dem finalen Crescendo entgegenstürmte, wo sich das (geforderte) Refuse/Resist, Arise und das Stammesspektakel Ratamahatta – diesmal etwas kürzer als erwartet – aneinanderreihten! Als Einstieg in jene primitivste Haltung der Band. Die Haltung der Originalität, mit der Sepultura seit jeher so unmittelbar anspricht und mit dieser Unmittelbarkeit auf so malerisch ehrliche Weise mitreißt! Mit dem Wirbel von Roots Bloody Roots, der dem aufgewühlten Publikum ‚auf höchsten Touren‘ noch die letzten Kraftatome entpresste.
Sepultura bleiben ein Begriff! Alles steht an seinem Platz. Genau dort, wo es sein muss. Und ein Konzert, das keinerlei Kitsch und Glamour verträgt, verzaubert einfach! Sie bleiben Giganten auf der Thrash-/Groove-Metal-Szene. Sie bleiben eine der größten, meistrespektierten und, was Konzerte betrifft, nach wie vor ‚bestialisch abgefahrenen‘ Bands. Ich weiß nicht warum, aber irgendetwas sagt mir, dass die Geschichte von Sepultura hier noch nicht zu Ende ist. Die Band kündigt zwar den Abschied an, hat aber in Zagreb eine solche Form, Fokus und Herzblut gezeigt, dass man keinerlei Gefühl eines bevorstehenden Abschieds bekommt.
Autor: Edita Kemen & Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik & Edita Klemen
Evil Invaders (20.00 h – 20.45 h) – setlist:
1. Feed My Violence
2. As Life Slowly Fades
3. Hissing In Crescendo
4. Broken Dreams In Isolation
5. Mental Penitentiary
6. In Deepest Black
7. Sledgehammer Justice
8. Die For Me
9. Raising Hell
Sepultura (21.15 h – 22.45 h) – setlist:
War Pigs (orig Black Sabbath) – taped intro
Polícia (Titãs song) – taped intro
1. Inner Self
2. All Souls Rising
3. Desperate Cry
4. Kairos
5. Means to an End
6. Attitude
7. Against
8. Choke
9. The Place
10. Escape to the Void
11. Kaiowas
12. Dead Embryonic Cells
13. Slave New World
14. Beyond the Dream
15. Territory
16. Refuse/Resist
17. Arise
18. Ratamahatta
19. Roots Bloody Roots























































