Riot City: Electric Elite
Label: No Remorse Records
Erscheinungsdatum: 14. 10. 2022
Produktion: Antony Blaine
Albumlänge: 45. 25 min
Genre: Heavy Metal
Wertung: 9.0/10
Diesmal knallt es wieder aus dem kanadischen Alberta! Riot City sind weitere Sturmtruppen des klassischen Heavy-Metal-Revivalismus, die mit überlegener Hand die Zeiten vor allem der alten amerikanischen, eingemauerten Variante des Speed Metals wiederbeleben — sowie die Inhalte der N.W.O.B.H.M.-Bewegung. Kurz gesagt: Wir befinden uns in der Verehrung von Gestalt und Werk der blutjungen Jugend des Heavy Metals von vor 40 Jahren! Und was für einer? Einer, die auf einem höllischen Überschuss an Steroiden steht.
Von solchen jungen Bands, die sich beweisen wollen, wimmelt es heute auf der ganzen Welt. Aber. Riot City wären nicht in diesen Griff einer vertieften Rezensionsanalyse geraten, wenn sie nicht in allem, was sie anpacken, so verdammt höllisch gut wären. Schon allein auf technischer Ebene. Bands der Pionierzeit des Metals würden für solch eine Ausgefeiltheit töten, zu Zeiten, als sie vor mehr als 40 Jahren damit begannen, das Fundament des Metals zu errichten. Riot City haben schon mit ihrem Debüt aufgezeigt, wie gefährlich scharf und geschliffen sie sind, wenn sie unaufhaltsam durch die ganze aufgehetzte Spottlust der dreisten Riff-Kanonade und der ohrenzerfetzenden Vocals „auf Helium“ preschen. Die Band, die also kaum eine gute Dekade existiert, kehrt nach drei Jahren bereits mit einem neuen Album zurück und zeigt keine Zeichen des Innehaltens.
Interessant ist dabei, dass Gitarrist Cale Savy inzwischen vom Dienst als Hauptsänger zurückgetreten ist. Sein Gesang ist eines der wichtigsten Markenzeichen des Studio-Debüts „Burn The Night“ und der zentrale Magnet, der dessen überragende Überzeugungskraft sichert. Und was nun? Wie ein neues Album ohne seinen Gesang stemmen? Jordan Jacobs betritt die Bühne — und ist, unglaublich genug, den Charakteristika von Cales Gesangsperformance auf dem Studio-Debüt noch unglaublicher nahe. Riot City sind damit vom Quartett zum Quintett herangewachsen. Savy kann sich seither ausschließlich auf seine Gitarrenarbeit konzentrieren, während Jacobs der Garant expressiver Unversieglichkeit ist, die auf „Electric Elite“ so makellos übertragen — beziehungsweise mindestens bewahrt — wurde.
Dieses öffnet sich invasiv, so wie einst das „Thundersteel“-Album der legendären Riot im Jahr 1987. Mit ähnlich schwindelerregendem und niederschmetterndem Draufgängertum sowie adrenalingetränkter Hast, die nur Geschwindigkeit, Geschwindigkeit und nochmals Geschwindigkeit kennt. Ein unaufhaltsames Rasen, vor dem alles bricht und fällt! Alles, was in den Weg kommt. Dasselbe gilt auch in produktionstechnischer Hinsicht. Das Album trägt die düstere Klanglichkeit seines Vorgängers weiter, obwohl die diesmalige Produktion eine Spur heller und „präziser“ ist — was bedeutet, dass der Schleier des „süßen Punk-Garagensounds“ vom Debüt auf dem Nachfolger größtenteils verschwunden ist. Die Kanonade außergewöhnlicher Gitarrenfrasen, die sich eine nach der anderen durch das Album entfachen, zieht dich in ein unversiegliches Feuer leidenschaftlicher Heavy-Metal-Glut junger Männer voller ungelebter Ambitionen und des großen Willens, sich zu beweisen. Leidenschaft und Eifer des Angehens sind bis zum Siedepunkt erhitzt!
Gewiss, Riot City bringen im künstlerischen Sinne nichts Neues auf die Szene — doch wenn sie live so spielen, wie ihre Studioalben klingen, werden alle international etablierten Heavy-Metal-Acts Angst haben, sie auf ihre Touren mitzunehmen. Riot City sind eine Band, die mit federleichter Leichtigkeit die Show stehlen, wenn sie — wie erwähnt — auf der Bühne so sind, wie der Inhalt beider Studioplatten es vermittelt. Das Zucken durch die Phrasen lässt nicht nach, das halsbrecherische Schleudern geteilter Soli respektive die kreuzgefeuerten Salven ihrer Weitergabe durch beide Gitarristen, die ebenfalls klassisch old-school klingen, genauso wenig. Kurz gesagt: Riot City tragen auch auf dem neuen Album „Electric Elite“ die ganze ungezügelte Spottlust weiter, die bereits auf dem höllisch-satanischen Marsch des Debüts „Burn The Night“ gezeigt wurde. Diesmal gravitiert das neue Album als Ganzes mit seinem Schwerpunkt näher an die Urquellen des amerikanischen Old-School-Speed-Metals, sodass Vergleiche mit Riot, Liege Lord, aber auch Helstar und Agent Steel hier eher angebracht sind als beim Debüt, wo stellenweise auch deutlichere Parallelen zu Bands der N.W.O.B.H.M.-Schule sowie Judas Priest spürbar waren. Doch auch auf dem neuen Album findet sich eine Reihe von Huldigungen an die britischen Paten des Heavy Metals — und zwar im abschließenden, gut zehnminütigen epischen Stück Severed Ties!
Das Album „Electric Elite“ eröffnet (direkt mit einem Tritt vor den Kopf) ein triumphales neues Kapitel in der Geschichte dieser jungen, aber äußerst zugespitzten kanadischen Truppe, die ihre Musik so bald wie möglich auch auf die Bühnen des alten europäischen Kontinents bringen muss. Riot City beweisen auch mit dem neuen Album, dass sie zu den überzeugendsten Nachahmern der klassischen Tage des amerikanischen Old-School-Speed-Metals gehören, denen unter den Generationsgenossen kaum jemand das Wasser reichen kann. Für alle, die mit dem Vorgänger „Burn The Night“ vertraut sind, wird das neue Album „Electric Elite“ nicht mehr ganz so überraschend und unmittelbar mitreißend sein — doch Fakt ist, dass die Band (auf globaler Ebene) auch mit dem neuen Album ihren atemberaubenden kreativ-energetischen Schub beibehält, was ihr das Etikett eines der heißesten und knusprigsten Brötchen des Metal-Revivalismus im Moment verleiht.
Autor: Aleš Podbrežnik
Tracklist:
1. Eye Of The Jaguar (5:00)
2. Beyond The Stars (5:08)
3. Tyrant (5:36)
4. Ghost Of Reality (6:18)
5. Return Of The Force (4:16)
6. Paris Nights (4:43)
7. Lucky Diamond (4:19)
8. Severed Ties (9:56)
Besetzung:
Jordan Jacobs – Gesang
Cale Savy – Gitarre
Roldan Reimer – Gitarre
Dustin Smith – Bassgitarre
Chad Vallier – Schlagzeug
