Rian: Twenty-Three

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Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 16. 7. 2021
Produktion: Daniel Flores
Albumlänge: 53.46 min
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic Rock


Rian sind eine schwedische Melodic-Rock-Band, deren Anfänge ins Jahr 2017 zurückreichen, als sie in Eigenregie ihr Studiodebüt »Out To The Darkness« veröffentlichten und damit auf ihr Potenzial und Talent aufmerksam machten. Die Band festigte ihren Status und sammelte Erfahrungen vor allem durch die folgenden Konzerte, ein besonderer Moment für die Gruppe kam mit dem Einstieg des neuen Gitarristen und Solokünstlers Tobias Jakobsson.

Nach einigen Jahren hatte die Band also genug neues Eigenmaterial für ein zweites Studioalbum zusammen, das qualitativ gegenüber dem Debüt deutlich stärker ist — was dem A&R-Personal von Frontiers Music Srl. bereits an den Demoaufnahmen schnell auffiel, woraufhin das Label die Band gerne unter Vertrag nahm. Der Einstieg des neuen Gitarristen hat dem Quartett offensichtlich die richtigen Flügel für einen neu gefundenen kreativen Aufschwung verliehen, und das neue Studioalbum »Twenty-Three« übertrifft das ohnehin ambitionierte Debüt in allen Belangen mit Leichtigkeit.

Die beeindruckende Reihe von Songs kann auch die Nackenhaare aufstellen lassen, wenn es ums Gitarrenphrasing geht, aber an Wiegebewegungen fehlt es auch bei den eingängigeren und sentimentaleren Tönen nicht. Die Band hatte sich vorgenommen, 2021 ein Album zu schaffen, das melodisch-rockiger Natur ist, gleichzeitig aber die klassischen Zeiten des Glam Metal und Hard Rock der Achtziger widerspiegelt — Parallelen zu Namen wie Bon Jovi, Dokken, Winger sowie den Landsleuten Europe und Treat sind nicht schwer zu finden. Ein Teil der Inspirationsschuld geht auch an das AOR-West-Coast-Prinzip mit Survivor an der Spitze, wie es etwa in We Belong spürbar ist. Daher dürften Rian interessant sein für Fans ähnlicher zeitgenössischer Weggefährten, die sich aus einem vergleichbaren Pool von Bands inspirieren, die die Achtziger geprägt haben — wie u. a. Eclipse, H.E.A.T., Wig-Wam oder One Desire. Bei »Twenty-Three« handelt es sich also um geschicktes Aufwärmen alter Suppe, die modernisiert und in einem zeitgemäßen Produktionsumfeld überzeugend genug klingt, um mühelos die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und die Zuneigung von Genre-Liebhabern zu gewinnen, die Rian sofort ins Herz schließen werden.

Das Album »Twenty-Three« ist für die Band ein äußerst wichtiges Manifest. Damit haben sie sich endgültig vom Mittelmaß abgesetzt, ihre Talente kapitalisiert und sich auf ein deutlich höheres kompositorisches Niveau katapultiert. Die Arrangements stehen, qualitative Schwankungen zwischen den Songs gibt es nicht. Pomp und dramatisches Theater geben der Produktion einen wichtigen Ankerpunkt für eine ultra-musikalische Ansteckungsgefahr, die den Hörer festhält. Dennoch ist das neue Album noch nicht der Punkt des kreativen Zenits auf dem Entwicklungsweg der Band. Auch wenn die Band ihre Hausaufgaben definitiv auf einem wirklich hohen Qualitätsniveau gemacht hat — auch was die Ausschmückung des Hauptgesangs und des überaus prägenden Vocals von Richard Andermyr mit zusätzlichen harmonisierten Vokalmelodien angeht — und die Arbeit von Gitarrist Tobias Jakobsson beeindruckend ist, wo es an jenem prägnanten Hauch von Neo-Klassizismus nicht fehlt, geschickt unterlegt mit Keyboardteppichen: Das Gitarrenphrasing steht durchgehend im Vordergrund. Das Klangbild ist gewissenhaft ausgeschöpft und genutzt, wofür in erster Linie dem geschickten Knöpfchendrehen von Produzent Daniel Flores zu danken ist.

Rian haben mit »Twenty-Three« zwar spät begonnen, den Zug in die Welt des skandinavischen Melodic Rock der neuen Ära zu erwischen, wo zeitgenössische Weggefährten en masse vorhanden sind. Doch die qualitativ hochwertige musikalische Substanz des neuen Albums öffnet ihnen mühelos die Türen zum Anschluss, denn damit bestätigt die Band nicht nur die Glaubwürdigkeit des Debüts, sondern kündigt an, dass beim nächsten Album noch mehr drin ist. Eine Band, die definitiv noch nicht alles gesagt hat, und eine Band, die ich bedenkenlos allen Fans moderner Spielarten des Melodic Rock und nicht zuletzt auch des AOR-Revivalismus empfehlen kann.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Stop
2. In The Dark
3. Where Do We Run
4. Twenty-Three
5. For Your Heart
6. We Belong
7. My Ocean
8. Body And Soul
9. The Passenger
10. Stranger To Me
11. Your Beauty

Besetzung:
Richard Andermyr – Gesang, Gitarre
Tobias Jakobsson – Leadgitarre
Jonas Melin – Bassgitarre
Jan Johansson – Schlagzeug


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