Rhapsody Of Fire: Glory For Salvation

0 581

Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 26. 11. 2021
Produktion: Alex Staropoli
Albumlänge: 66.39 min
Genre: Symphonic Power Metal
Bewertung: 9.5/10


Rhapsody Of Fire braucht man niemandem vorzustellen. Die langlebige Triestiner symphonische Power-Metal-Institution trägt auch im Jahr 2021 das vollkommen glaubwürdige Etikett „Hollywood Symphonic Epic Metal“ – denn schon als Rhapsody haben sie in den Neunzigern auf eine unglaubliche musikalische Verbundenheit mit der Fantasywelt verschiedener Schöpfer unerschöpflicher Vorstellungskraft aufmerksam gemacht, allen voran J.R.R. Tolkien.

Auch wenn die Gruppe später in zwei fundamentale Felsblöcke des einst außergewöhnlichen Steinmassivs des Gespanns Staropoli-Turilli zerfiel, haben wir heute in beiden dieser Felsblöcke die rechtmäßigen Nachfolger des Gespanns, das 1993 diese einzigartige Band gegründet hat. Auch wenn Staropoli und Turilli neue Alben jeweils in ihrer eigenen Version der einstigen gemeinsamen Band aufnehmen, sind ihre Alben allesamt glaubwürdige und souveräne Taten, die auch in post-millennialen Zeiten das Erbe der klassischen Power-Metal-Tage rechtfertigen – jener Zeiten, als Klassiker entstanden wie die ersten beiden Rhapsody-Alben »Legendary Tales« und »Symphony Of Enchanted Lands«.

Das neue und – meiner Zählung nach – dreizehnte Studioalbum ist keine Ausnahme. Es ist der zweite Teil der Saga um das Imperium der Nephilim. Die Nephilim waren eine Rasse, die der Überlieferung nach vor der Sintflut über die Welt geherrscht haben soll. Sie sollen Kinder von Frauen und Gottessöhnen gewesen sein, beschrieben als Riesen. Doch das ist nicht eingetreten. Dem Alten Testament zufolge soll Gott die Sintflut gerade wegen der Nephilim ausgelöst haben – wegen dieser Riesen, dreimal größer als Menschen, die ihre eigenen Gottheiten verehrten und sich Gott nicht unterwarfen. Nun, nach der Geschichte bzw. Saga, die sich über beide Alben »The Eight Mountain« (2019) und das neueste »Glory For Salvation« erstreckt, kehren die Nephilim zurück und schmieden einen Plan zur Vernichtung der menschlichen Rasse. ‚The Konstrukts‘ sind also der neue Bund der Nephilim, der bei seiner Rückkehr die Menschheit auslöschen will. Er verursacht einen Genozid, doch die Geschichte findet ein Ende, das am Schluss einen Hoffnungsschimmer lässt. Der Traum von der Rückkehr der Menschheit bleibt … Wer das Album »The Eight Mountain« kennt, weiß, dass die Band im abschließenden Track Tales of a Hero’s Fate sogar eine (posthume) Ansprache von Christopher Lee eingebaut hat. Nun, auf dem neuen Album ist die mächtige Stimme Lees nicht mehr zu hören.

Die Rhapsodie des neoklassisch gefärbten Power Metals bleibt also auch auf dem neuesten Studioalbum der Band voll erhalten – ihr Glanz und die bewusste ‚Übertreibung‘ erlöschen und verblassen nicht. Bombast und Pomp regieren auf Schritt und Tritt. Ideelle Inspiriertheit und kompositorische Lebendigkeit sind die Schöpfer dieses luxuriösen Power-Metal-Theaters, das in seinem bewussten Aufbauschen und Aufplustern höchstens noch reichlicher erfreut. Das ist nämlich das Markenzeichen der Band seit jeher und das, was ihre Fans auch verlangen. Auch wenn das neue Album über 66 Minuten läuft, gibt es schlicht keinen einzigen Moment, der dem Hörer die Zeit stiehlt. Die Band hat ihre kreative Exzellenz nahtlos vom Vorgängeralbum übernommen, mit der EP »I’ll Be Your Hero« bestätigt und auf dem neuen Studiowerk einmal mehr phänomenal verkörpert.

Dieses ist inhaltlich äußerst geschickt gefüllt – und das nicht nur, wenn wir von der Struktur der Kompositionen selbst reden, sondern auch was Arrangement und Produktion betrifft. Die Saga erwacht buchstäblich zum Leben. Auch dank der Ausführung selbst: Der neue Sänger Giacomo Voli (dies ist sein zweites Rhapsody of Fire-Album) kommt mit den Charakteristika seines Operngesangs dem unvergesslichen Fabio Lione eine Handbreit näher. Keine Neuheit mehr, aber es lohnt sich hinzuzufügen, dass man auf dem Album wieder die allgegenwärtige Erfahrung Staropolijs spürt, der sein musikalisches Visionärtum schlichtweg zur kreativen Perfektion geführt hat. Das musikalische Rezept, das diese einzigartige Band seit fast dreißig Jahren begleitet, hat er bis zur Vollendung geschliffen.

Das Album ist unverschämt und herrlich theatralisch, besitzt eine Fülle atmosphärischer Umbrüche, ist stellenweise auch reichlich düster, doch stets untergeordnet dem Verfolgen einer hypnotischen und bezaubernden Musikalität, die den Liebhaber des klassischen Power Metals sofort unter ihre Fittiche nimmt – denjenigen, der auf der Suche nach der richtigen Kombination aus metallischer Schlagkraft und musikalisch ansteckendem Pomp ist.

Das Album hört sich wieder an wie ein atemberaubend gelungener Soundtrack zu einem beliebigen Fantasyfilm oder Buch – was auch die Absicht hinter der Wiederbelebung der Saga bzw. des vorgezeichneten Konzepts war. Mit Leichtigkeit ruft man sich in der Fantasie Drachenschwärme vor, das Klirren scharfer Schwertklingen, allerlei Ungeheuer und Kreaturen der Unterwelt, strahlende Schilde unsterblicher Helden und Ähnliches. Nichts Neues in Sachen Rhapsody Of Fire – und dennoch: Einmal mehr brillant verpackt und serviert. Auch die Balladenteile des Albums verbergen unglaubliches Arrangiergeschick, ausgeklügelte Raffinesse und ambitionierte Anlage – und sie verschwenden keine Zeit des Hörers. Und der Track Maid Of A Secret Land steht dem ultra-pompösen Geballer der Doppelbassdrum-Pedale aus den klassischen Tagen der Band in nichts nach. Alles ist an seinem Platz. Präludien, Chorgesänge, Folk-Einlagen, bombastische Orchesterarrangements, exzellente Gitarrensoli und einfallsreiches Phrasieren von Roby De Micheli. Staropoli und Kompanie haben einmal mehr das Beste abgeliefert, woran wir von ihnen gewöhnt sind und was wir nach aller Regel verlangen und erwarten. Hochvibrierende Lebendigkeit und Inspiration. Ein ausgezeichnetes Album also.

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
01 Son Of Vengeance
02 The Kingdom Of Ice
03 Glory For Salvation
04 Eternal Snow
05 Terial The Hawk
06 Maid Of The Secret Sand
07 Abyss Of Pain II
08 Infinitae Gloriae
09 Magic Signs
10 I’ll Be Your Hero
11 Chains Of Destiny
12 Un’Ode Per L’Eroe
13 La Esencia De Un Rey

Besetzung:
Giacomo Voli – Lead-Gesang, Chorgesang
Alex Staropoli – Keyboards, Orchestrierungen, Chorgesang
Roberto De Micheli – Gitarre
Alessandro Sala – Bassgitarre
Paolo Marchesich – Schlagzeug

Gastmusiker:
Manuel Staropoli – Barockblockflöten, Flöte
Giovanni Davoli – Irische Dudelsäcke, Tin Whistle
Davide Simonelli – Violine
Mateo Sivelli – Cello
Valerio Mauro – Harfe


Pošlji komentar

Your email address will not be published.

Ta stran uporablja piškotke z namenom zagotavljanja spletne storitve, oglasnih sistemov in funkcionalnosti, ki jih brez piškotkov ne bi mogli nuditi. Z obiskom in uporabo spletnega mesta soglašate s piškotki. Sprejmi Preberi več

Zasebnost&piškotki