Redemption: Alive in Color

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Label: AFM Records
Veröffentlichungsdatum: 28. 8. 2020
Produktion: Redemption
Albumlänge: 96.04 min
Genre: Progressive Metal
Wertung: 9.0/10


Wenn du ein Fan des wirklich brachial-rauen Ablegers des Progressive Metal bist, der nach amerikanischer Rezeptur gebraut wird, dann kennst du Redemption bestimmt in- und auswendig. Bands wie diese macht man heute einfach nicht mehr. Vor zwei Jahren haben sie ihr siebtes Studioalbum »Long Night’s Journey Into Day« veröffentlicht – das erste mit dem neuen Sänger Tom Englund, dem Chef der schwedischen Prog-Metal-Hochburg Evergrey. Englund kam als Ersatz für Ray Alder zur Band, der diese Rolle bei Redemption seit 2004 ausgefüllt hatte, sie aber wegen der zunehmenden Aktivitäten bei Fates Warning endgültig aufgeben musste.

Redemption wurden in jenem Jahr eingeladen, erneut beim Festival ProgPower im amerikanischen Atlanta aufzutreten – ihr erstes offizielles Konzertdokument »Frozen In The Moment« (2009) stammt nämlich genau von diesem Festival, wo sie bereits zu Gast gewesen waren. Diesmal bestand jedoch ein wesentlicher Unterschied: Am 7. 9. 2018 übernahmen sie die Rolle des Headliners. Was das Album »Long Night’s Journey Into Day« betrifft – das nebenbei ein fantastisches neues Werk ist, vollgepackt mit frischen Ideen und überlegenen Einfällen, auf dem sich Englund als brillante Vokallösung erwiesen hat –, haben sie es natürlich verstärkt in ihre Konzertsetlist eingebaut. Das Album war nämlich gut einen Monat vor dem Auftritt der Band in Atlanta erschienen und war noch „brandaktuell“. Gleichzeitig mit dem Sängerwechsel integrierte die Band erstmals seit 2011 wieder Keyboarder Vikram Shankar in ihre Reihen, den Englund Redemption-Chef und Gitarrist Nick Van Dyk empfohlen hatte. So wuchs die Band erneut zu einem Sextett heran – physisch gesehen ist es allerdings ein Quintett. Man muss nämlich bedenken, dass Redemption in ihren Reihen noch immer Gitarrist Bernie Versailles zählen, der seit 2014 aufgrund eines Aneurysmas (Hirnblutung) nicht mehr mit ihnen auftreten kann. Der legendäre Gitarrist, der in Slowenien zweimal mit den kultigen amerikanischen Speed-Metal-Veteranen Agent Steel aufgetreten ist (K4 – 30. 1. 2000, Orto bar – 5. 4. 2005), wird höchstwahrscheinlich auch nie mehr auftreten können. Doch das ist ein Zeichen des Respekts der Band, die ihm seinen Ehrenplatz in der Besetzung hält.

Kommen wir zum Material. Redemption sind, einfach gesagt, eine hervorragende Band – in jeder Hinsicht. Sowohl was das Opus von sieben veröffentlichten Alben betrifft, als auch den Perfektionismus, den sie auf die Bühne übertragen. Da kann nichts schiefgehen. Das Spiel und die Performance sind schlicht fantastisch. Man muss im Hinterkopf behalten, dass Redemption keine typische Prog-Metal-Band sind, sondern eher ein metallisch messerscharf aufgestelltes „Relikt“, das seine Ausdrucksweise auf dem Erbe der alten Schule des amerikanischen Speed- und Heavy-Metal aufbaut – weshalb die Band mindestens obligatorisch jeden Fan von Fates Warning ansprechen wird. Gleichzeitig verfeinern sie diesen alten amerikanischen Metal-Ansatz technisch und bringen Momente in ihre Musik, die mit dem Ansatz von Dream Theater vergleichbar sind. Ja. Redemption sind in allem eine komplexe Angelegenheit. Eine geschliffene, extrem schnelle, präzise, abrasive und auf Hochglanz gebrachte Angelegenheit. Also Metal, der gleichzeitig auch sehr düster sein kann und verheerend wirkt. Ohne Rosenstreuen und Ausbrüche von zuckersüßer Pathetik. Englunds Gesang kann ein ausdrucksstarker Schöpfer von Melancholie und Beklemmung sein – womit die Musik von Evergrey durchtränkt ist –, und bei Redemption, in einem Umfeld, das ausgesprochen dramatisch anspricht, könnte sich seine Stimme nicht besser aufgehoben fühlen.

Dieses Konzertdokument hält auch einige Überraschungen bereit: Gastauftritte. In dieser Hinsicht ist der aufregendste Moment das Erscheinen des ehemaligen Megadeth-Gitarristen Chris Poland auf der Bühne, der für den Song Indulge in Color einsteigt. Die Band begeistert das Publikum zusätzlich, als Poland seinen Bühnenaufenthalt verlängert und die Gruppe gemeinsam mit ihm direkt nach Indulge in Color den Megadeth-Klassiker Peace Sells… But Who’s Buying? angeht. So spielte Poland diesen Klassiker erstmals seit 1987 wieder live. Für einen Gesangsduett im Song Threads springt Ray Alder auf die Bühne, was auf gewisse Weise seinen Abschied von Redemption symbolisiert. Eben jener Song ist auf der zweiten CD noch in einer weiteren Version enthalten – als Bonus. Dabei sind die Rollen vertauscht: Englund tritt als Gast auf die Bühne, zu einer Zeit, als Alder noch Redemption-Frontmann war. Als zweiter Bonus ans Ende der zweiten CD angehängt ist eine weitere Version von Indulge In Colour, auf der der italienische Gitarrenvirtuose Simone Mularoni von DGM zu Gast ist – eine Band, die sich damals mit Redemption auf einer gemeinsamen Tour zur Unterstützung des Albums befand.

»Alive In Color« ist ein ausgezeichnetes neues Konzertdokument dieser Prog-Metal-Exzellenz aus Los Angeles. Offensichtlich ist die Band auch unter das Dach des neuen Labels AFM Records gewechselt, und Englund hat Van Dyk auch mit dem dänischen Produzenten Jacob Hansen zusammengebracht. Kurzum: Die Dinge haben sich an den richtigen Platz gefügt und brillant zusammengefunden. Das neue Konzertdokument ist ein Spiegelbild einer neuen Ära der Band, die an der Schwelle zu einem neuen kreativen Kapitel steht. Das hat sie sowohl mit dem letzten Studioalbum – dem ersten mit Sänger Tom Englund (Evergrey) – unterstrichen, und dieses erstklassige Konzertdokument bestätigt es noch einmal. Von einer so erfahrenen und abgehärteten Band hätte man auch nichts anderes erwarten können.

Autor: Aleš Podbrežnik

Trackliste:
DVD/Blu-ray:
01 – Intro / Noonday Devil
02 – The Suffocating Silence
03 – The Echo Chamber
04 – Damaged
05 – Someone Else’s Problem
06 – Little Men
07 – Long Night’s Journey Into Day
08 – Threads (feat. Ray Alder)
09 – Black & White World
10 – Indulge In Color (feat. Chris Poland)
11 – Walls
+ Bonusmaterial

2-CD:
CD1:
1    Intro / Noonday Devil
2    The Suffocating Silence
3    The Echo Chamber
4    Damaged
5    Someone Else’s Problem
6    Little Men
7    Long Night’s Journey Into Day

CD2:
1    Threads (feat. Ray Alder)
2    Black & White World
3    Indulge In Color (feat. Chris Poland)
4    Peace Sells… But Who’s Buying? (feat. Chris Poland)
5    Walls
6    Threads (feat. Tom Englund)
7    Indulge In Color (feat. Simone Mularoni)

Besetzung:
Tom Englund – Gesang
Nick Van Dyk – Gitarre
Vikram Shankar – Keyboards
Sean Andrews – Bass
Chris Quirarte – Schlagzeug


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