Buh
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Buh
Label: Celinka
Veröffentlichung: year
Laufzeit: 56:15
Wertung: 4.5/5
Vor drei Jahren erschien das ziemlich knackige Album des Projekts N3L mit dem Titel »Natriletno kolobarjenje s praho«. Teil dieses Projekts war auch Uroš Buh, eben jener Mann, der sich in diesem Jahr in einem völlig anderen musikalischen Umfeld präsentiert. Ausdrucksmäßig. Stilistisch. In der Aussage. Auch als Singer-Songwriter. In diesem Sinne hat er eine konkrete Musikertruppe zusammengestellt, die ihm hilft, all seine Ideen umzusetzen. Das Album »Buh« also, das Debüt von Uroš Buh – oder sagen wir ruhig der Band Buh –, ist sowohl in kompositorischer Hinsicht als auch bezüglich seiner Botschaft (Lyrik) ein sehr starkes, prägnant gezimmertes Werk voller greifbarer expressiver Substanz.
Ein Genre-Etikett lässt sich ihm kaum aufkleben, was beweist, dass Uroš Buh ein vielschichtiger Musiker ist, der konzeptuell völlig authentisch, wahrheitsliebend und freiheitsliebend vorgeht. Ideenmäßig unbelastet. Hat er eine gute Idee, vertont er sie und versucht, das ausdrucksmäßig-expressive Maximum aus ihr herauszuholen. Man kann das Album Singer-Songwriter-Musik nennen, man kann es auch als äußerst radiofreundlich bezeichnen – obwohl sein Ziel nicht das Buhlen um Radiogunst ist –, was bedeutet, dass die Pop-Prämisse auf dem Album zwar durch eine raffinierte Musikalität verankert ist, aber nicht in den Vordergrund drängt. Diese Prämisse spricht im Melos typisch »slowenisch-geografisch« an; ansonsten handelt es sich um ein Art-Rock-Album, das in seinen leichten und unprätentiösen Kompositionsrahmen sogar Hebel der Psychedelia trägt. Darauf deutet das einleitende Lovim dež hin, das in seiner Leichtigkeit – gestützt auf ein schlichtes Kompositionsformat – jede Menge Raum für die Integration kleiner, feiner, aber klar artikulierter Einschübe instrumentalen Kontrastierens öffnet; darunter findet sich auch Platz für die Mundharmonika von Miha Erič (Prismojeni profesorji bluesa). Obwohl der Auftakt noch keine erste Schwalbe bringt, legt er in diesem Fall das Prinzip dieses Werkes gründlich offen: Vom ersten bis zum letzten Track wird der Aufbau intensiver Stimmungszustände und atmosphärischer Kontraste bevorzugt – das Album als Ganzes spricht nämlich völlig unprätentiös, wohltönend, verträumt, cerebral und auch mystisch an –, und man kann hinzufügen, dass es etwas vom Geist der bekannten »floydischen« Esoterik trägt, respektive der Soloalben von Gilmour. Mesto gilt als einer der „härteren“ und schnelleren Tracks des Albums, mit einer betonten Rock-Phrase, aber immer noch mit einer unglaublich ansteckenden Eingängigkeit des kompakten Komponierens, die nach und nach auch von den Radiofrequenzen adoptiert werden muss.
Uroš, dem Cover nach zu urteilen ein leidenschaftlicher Fan aufgeweichter Quarz-Steinbrüche, ist ein sehr versierter Musiker und Vokalist. Was die Interpretation von Lyrik betrifft, besitzt er einen variablen, in der Klangfarbe überzeugenden und qualitätvollen Ausdruckscharakter; besonders aber beeindruckt auf dem Album sein instrumentaler Beitrag. Neben den allgegenwärtigen akustischen Elementen ist das eine warm und organisch klingende Integration der halbakustischen Gitarre – wobei vor allem die einfallsreiche Integration dekorativer Übergangsornamentik und kleiner solistischer Impulse beeindruckt, mit denen er die Kompositionsstrukturen geschickt füllt, ihnen sogar eine Note von Mystik verleiht und, wie erwähnt, angesichts des wohltönenden Ambientes der Kompositionen sowie der weichen und subtilen rhythmischen Kinetik, einen Hauch von Psychedelik. Dabei hat Uroš so einige Blues-Musik ordentlich durchgehört, und offensichtlich muss er auch ein großer Fan von David Gilmours Weichheit und Subtilität sein.
Buh ist auch äußerst geschickt in der schrittweisen Steigerung von Stimmungen, die langsam einem Crescendo der angestrebten Atmosphäre entgegenstreben. Das direkteste Beispiel für das Erreichen solcher Stimmungszustände auf dem Album liefert das großartige Novi časi. Beim Erreichen und Intensivieren dieses Elements arbeitet er auch äußerst geschickt mit der durchdachten und raffinierten Integration zusätzlicher Harmoniestimmen, die an bestimmten Stellen in die Hauptvokallinie einsteigen. Das Album ist voll kleiner, knapper, aber subtiler Gesten – und im Track Senca srca tritt in diesem Zusammenhang passenderweise auch Gombačs Fuchsschwanz in Erscheinung, kompatibel kombiniert mit Buhs Pfeifen. Durch und durch ein Album, das in erster Linie auf kontrastierenden und intensiven Gefühlen aufbaut, die den Hörer mitreißen. Die letzten drei Tracks sind auf Englisch gesungen und wurden ans Ende gesetzt, gerade damit sie den Hörer nicht zu sehr schocken – denn sie vollziehen den Sprung des Albums in eine neue energetische Schwingung. Auch diese drei Tracks sind mit großem Einsatz und im Glanz des Perfektionismus ausgearbeitet. Sie sind äußerst eingänglich gesungen und wirken in Bezug auf Vokalmetrik und Betonung überzeugend anglo-amerikanisch. Dieses Wahren der Glaubwürdigkeit auch im englischsprachigen Teil des Albums bezeugt und bestätigt einmal mehr Urošs große Erfahrung, die er sich über Jahre im Musikgeschäft erarbeitet hat – was ganz unwillkürlich auch seine Tätigkeit in der Band Relight ins Gedächtnis ruft. Die Kompositionen folgen nicht vollständig einer vorhersehbaren Akkordschablone, sondern überraschen gelegentlich mit dem Einstreuen von Ungewöhnlichem – was in einer interessanten Entwicklung des Melos resultiert; ein solcher Track biegt im musikalischen Sinne folglich auf die Gefilde des Unerwarteten ab. Come Near ist z. B. einer davon, ein weiteres ist z. B., beide Tracks aber sind Bausteine, die genau am Ende des Albums den Anteil von Alternativrock-Anklängen anwachsen lassen.
Ein verträumt in sich versunkenes Art-Rock-Album, das völlig unbeabsichtigt einen Hauch jener Dolenjska-Brise solcher slowenischer Alben trägt und intensiver bei jenen Musikseelen anklopfen wird, die die Art-Rock-Berührungen von Bort Ross, Dan D, EPP (alias Erik Platon), das Singer-Songwriter-Album von Daniel Vezoja »Where the Light Resides«, ja sogar die älteren und klassisch-rockig geprägten Drevored, wie auch die Soloarbeiten von Jernej Zoran mögen. Aber vergessen wir nicht, das hervorzuheben: »Buh« ist eine andere Art-Rock-Geschichte, mit einer eigenen musikalischen Ausrichtung, einer eigenständigen energetischen Schwingung und einem unverkennbaren musikalischen Charakter. Dabei vollgepackt mit der vollblütigen Greifbarkeit von kreativem Perfektionismus und Subtilität!
Besetzung
Uroš Buh – Gitarre, Gesang
Vid Drašler – Schlagzeug
Jošt Drašler – Bassgitarre, Gesang
Ambrož Božiček – rhodes, hammond
Metod Banko – ak. Gitarre, Gesang
Višnja Fičor – Gesang
Miha Erič – Mundharmonika
Julijan Erič – E-Gitarre
Boštjan Gombač – singende Säge
Rok Šinkovec – Akkordeon
Mario Babojelič – Gitarre
Produktion
Uroš Buh
Tracklist
1. Lovim dež
2. Mesto
3. Poleti
4. Jutri
5. Senca srca
6. Novi časi
7. Mislim nate
8. Lov na človeka
9. A Letter to Leni
10. Come Near
11. Fearless