Paradise Lost: Ascension

Nuclear Blast Records 2025
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Label: Nuclear Blast Records
Erscheinungsdatum: 19. 9. 2025
Produktion: Paradise Lost
Albumlänge: 51.02 min
Genre: Gothic Metal / Doom Metal / Death Metal
Wertung: 8.5/10


Paradise Lost, die unbestrittenen Ikonen des Gothic und Doom Metal, britische Genrepioniere des Doom Metal, haben im vergangenen September ihr siebzehntes Studioalbum mit dem Titel „Ascension“ veröffentlicht. Das Album folgt nach fünf Jahren auf den Vorgänger „Obsidian“, was einen verlängerten Zeitraum zwischen den Alben bedeutete. Im Grunde können wir dafür sehr dankbar sein, auch wenn die Band tatsächlich schon Mitte 2023 mit der konkreten Arbeit am Material des neuen Albums begonnen hat! Denn es handelt sich um ein hervorragend ausgearbeitetes neues Studiowerk der Legendengruppe, die noch immer weiß, kann und vermag, das Beste zu liefern!

Paradise Lost halten sich auf dem neuen Album geschickt an die bewährte musikalische Formel und Rezeptur, die sie selbst entwickelt haben und die ihr titanisches Opus verkörpert. Natürlich mit dem Fokus auf die Kompositionsweise, zu der sie auf dem Album „Paradise Lost“ (2005) zurückgekehrt sind und die wir nun seit 20 Jahren begleiten.

Paradise Lost sind auf „Ascension“ genau so, wie wir sie haben wollen. Wie wir sie heute haben wollen, wo die Band nichts mehr beweisen muss und jederzeit in Rente gehen könnte. Aber warum sollten sie, wenn sie noch immer in der Lage sind, im Studio Außergewöhnliches zu liefern? Die Produktion ist erstklassig, sie bringt ausgeprägte Kontraste zwischen den drei elementaren Klangbausteinen, in die der Gesang von Nick Holmes erneut perfekt eingebettet ist. Er wechselt wieder phänomenal zwischen Growls und Clean-Gesang. Die Phrasen stampfen gottlos! Sie sind unheilverkündend und knirschen mit einer gigantischen Klangmassivität, die alles vor sich niederwirft! Im intensiv dynamischen Kontrast der Produktion liegen die Schlagzeuge, getragen von der Voluminosität der Basslinien. In diese langsamen Linien hat MacKintosh wieder melancholische, finstere Gitarrenharmonien eingewoben, die eines der zentralen Markenzeichen der Paradise-Lost-Erkennbarkeit und ihres gothischen Doom-Einfrierens sind. „Ascension“ wirkt außerordentlich kompakt, fokussiert, vollkommen. Ausgefeilt. Urgewaltig elementar, direkt und vernichtend. Genau diese altschulische rohe Elementarität bewahrt jene ewige Anziehungskraft, der man bei Paradise Lost nicht widerstehen kann. Seit den Anfängen der Band. Auch „Ascension“ ist ein Album, das ein paar Durchläufe braucht, um sich zu setzen. So wie die meisten Paradise-Lost-Alben, denn es begleitet eine einzigartige Atmosphäre, für die nur Paradise Lost bekannt sind. Aber wenn dieses „verhängnisvolle Wesen der letzten Stunde“ einen erst gepackt hat, saugt es einen unwiderruflich in sich hinein und lässt einen eine ganze Weile nicht mehr aus seinen Klauen. Ganz einfach. Auch „Ascension“ ist jenes Paradise-Lost-Album, das schnell dazu verdammt ist, im CD-Player auf Repeat zu laufen.

Und ja. Das Blut gefriert beim Kontakt mit dem Album sofort in den Adern. Nicht nur wegen der hervorragenden musikalischen Substanz, sondern schon beim Anblick des Coverartworks von „Ascension“. Dafür haben Paradise Lost das Kunstwerk namens The Court Of Death (1870–1902) des angesehenen britischen Künstlers George Frederic Watts gewählt, das sich in der Tate Gallery in London befindet. Das Bild zeigt den Tod in Gestalt eines Engels, der auf einem Thron sitzt. Zu seinen Seiten stehen die allegorischen Figuren der Stille und des Geheimnisses, die Sonnenaufgang und den Stern der Hoffnung bewachen. Da sind noch ein Krieger und ein Herzog, die vor dem Thron ihr Schwert und ihre Krone niederlegen, was die Tatsache ausdrückt, dass man aus dieser Welt in jene nichts mitnehmen kann.

Wenn wir das Material kurz durchgehen: Schon die Elementarität des Eröffnungsstücks Serpent On The Cross entfaltet sich nach dem Intro mit der grundlegenden Phrase auf sehr klassische Weise, was Parallelen bis in die erste Hälfte der Neunziger zieht, sagen wir mal direkt in die Zeiten des Albums „Shades Of God“. Die Doom-Ohrfeige Tyrants Serenade könnte eine beschleunigte Version des stampfenden Beneath Broken Earth vom Album „The Plague Within“ (2015) sein, wobei sich Salvation dem genannten Vergleich noch deutlicher annähert. Das besonders raffiniert ausgearbeitete Herzstück des Albums ist Lay A Wreath Upon The World, in dem die Band meisterhaft eine Atmosphäre auswegloser Verdammnis aufbaut, beginnend mit einem akustischen Schauer, unterstützt von einem Sound, der Streicher imitiert. Hier betont die Band ihre kompositorische Reife, wenn sie sich aus den Doom-Metal-Rahmen herauswindet und post-apokalyptische Panoramen bittersüßer Hoffnungslosigkeit aufeinanderreiht! In diesem Stück ist das Siegel nicht zu übersehen, das der weibliche Gesang von Heather Thompson-MacKintosh hinterlässt. Dann ist da Savage Days mit der raffinierten Integration von Keyboards, die im starren Griff des schwarzen Phrasierens eine außergewöhnliche klangliche Dynamik erzeugen, wobei Holmes noch mehr emotionale Energie herausholt, wenn er sich entscheidet, den Refrain mit Clean-Gesang zu singen! Silence Like A Grave und das kurz vor Albumende platzierte Deceivers sind Momente, die in der neuen Ära der Band eine ausgeprägteren Verbindung zu den Klassikern „Icon“ oder „Draconian Times“ suchen.

Die Band hat mit dem neuen Album eigentlich nichts getan, was überraschen würde. Der Rahmen des siebzehnten Studioalbums der Karriere war zu erwarten. Aber Paradise Lost haben ihre Formel so stark verinnerlicht und ausgefeilt, dass sie mit neuen Werken eigentlich nicht danebenlangen können (sofern sie sich natürlich an die Eckpfeiler dieser eigenen Formel halten). Ungeachtet der Tatsache, dass hinter der Entstehung dieses Albums enorm viel Routine und Erfahrung steckt, strahlt „Ascension“ auch eine klare Note künstlerischer Reife aus. Es sind die Feinheiten des Albums, die Paradise Lost mit großem handwerklichen Geschick ins Arrangement einbauen, ohne einen Funken Rohheit zu opfern. All das ist angesichts der bekannten Paradise-Lost-Rhetorik natürlich ein äußerst dankbares Unterfangen, denn die Band entwickelt auch auf dem neuen Album eine exzellente Dynamik des Abwechslungsreichtums, gehüllt in die schon sprichwörtliche Grausamkeit des düsteren atmosphärischen Messens, das den Legenden eine weitere siegreiche Tat einer langen Karriere beschert. Ein außerordentlich kompaktes und packend düsteres Album von den unbestrittenen Königen des gothischen Zwielichts!

Autor: Aleš Podbrežnik

Tracklist:
1. Serpent On The Cross
2. Tyrants Serenade
3. Salvation
4. Silence Like The Grave
5. Lay A Wreath Upon The World
6. Diluvium
7. Savage Days
8. Sirens
9. Deceivers
10. The Precipice

Besetzung:
Nick Holmes – Gesang
Greg MacKintosh – Gitarre
Aaron Aedy – Gitarre
Steve Edmondson – Bassgitarre
Guido Montanarini – Schlagzeug

Gastmusiker:
Heather Thompson-Mackintosh – Hintergrundgesang auf Track Nr. 5.
Alan Averill – Hintergrundgesang auf Track Nr. 3.
Lawrence Mackrory – Hintergrundgesang auf den Tracks Nr. 2., 3., 10. und 12.


Paradise Lost – „Ascension“ (Nuclear Blast Records, 2025)
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